Projekt “Interreligiöses Europa”

Projektidee

In den europäischen Städten wächst die Einsicht in die Notwendigkeit, das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher religiöser und nichtreligiöser Identität auf der Grundlage der Menschenrechte und der jeweiligen demokratischen Verfassungen möglichst gleichberechtigt und friedlich zu gestalten. Vor dem Hintergrund der kriegerischen Auseinandersetzungen im ehemaligen Jugoslawien, der gegenwärtigen weltweiten Bedrohung durch Terrorismus und Krieg, aber auch der ständigen Minderheitenkonflikte in West- und Osteuropa, die zum Teil auch religiös begründet sind, werden in den europäischen Städten multireligiöse Anliegen und Projekte, die die Rechte religiöser Minderheiten berücksichtigen, immer wichtiger.

Natürlich verlangen spezifische Probleme situationsbezogene Lösungen. Es bedarf jedoch auch einer effektiven europäischen Zusammenarbeit, da infolge von anhaltender Migration und medialer (Des-)Information ein genereller Konflikttransfer gegeben ist und sich viele Probleme überschneiden.

Es erscheint daher notwendig, den interreligiösen Dialog, wie er von den Religionsgemeinschaften – meist nur bilateral und auf theologischer Ebene – geführt wird, mit den konkreten gesellschaftspolitischen Fragen des Zusammenlebens in den Städten – Migration, Asyl, Menschenrechte, Erziehung, Bildung, Soziales u.a. – zu verknüpfen. Daher werden Vertreterinnen und Vertretern von Stadtverwaltungen und Religionsgemeinschaften, aber auch nichtreligiöse Menschen aus ganz Europa zur Teilnahme an der gemeinsamen Erarbeitung von Lösungsansätzen eingeladen.

Der Titel dieses Arbeitsvorhabens PROJEKT: INTERRELIGIÖSES EUROPAdrückt zweierlei aus. Einerseits die Idee, den interreligiösen Dialog und die Zusammenarbeit innerhalb europäischer Städte als dauerhaftes Projekt zu gestalten, und andererseits das Vorhaben, in einem multireligiösen Europa ein friedliches Zusammenleben in einer säkularen Gesellschaft anzustreben.

Mit diesem Projekt wollen die UN-Menschenrechtsstadt Graz und die Stadt Sarajevo mit ihrer langen multireligiösen Tradition einen langfristigen Beitrag für eine friedliche Entwicklung in einem demokratischen, multikulturellen, interreligiösen und vom Geist der Menschenrechte geprägten Europa leisten.

Die Ziele von „PROJEKT: INTERRELIGIÖSES EUROPA“ sind:

  • die Auseinandersetzung mit der alltäglichen Lebenssituation von Angehörigen der verschiedenen Religionsgemeinschaften, insbesondere von Minderheiten, in europäischen Städten sowie die Auflistung von deren Problemen, Konflikten und Erfahrungen im Bereich des interreligiösen Dialogs und der multireligiösen Zusammenarbeit;
  • das Sammeln von bereits funktionierenden Modellen (good practices) der Zusammenarbeit;
  • basierend auf diese Erfahrungen die Entwicklung von Leitlinien und Vorschlägen und
  • deren Publikation in Form eines ständig erweiterbaren Handbuchs der Multireligiösen Kooperation im Internet.

In einer internationalen Vorkonferenz (10.-14. März 2001) in Graz wurden vier Themenbereiche für eine solche Zusammenarbeit festgelegt:

  • Erziehung – Bildung – Kultur: Was muss getan werden, damit es auf allen Ebenen der Erziehung, des Bildungssystems und der kulturellen Präsentation zu einem besseren Verständnis und Respekt für die jeweils andere Religionsgemeinschaft und Weltanschauung kommt ?
  • Identität – Riten – Symbole – Öffentlichkeit In der alltäglichen Begegnung erfahren europäische Bürgerinnen und Bürger das positive Spannungsverhältnis zwischen mehreren Identitäten. In diesem Zusammenhang sind die eigene Individualität, die Identität innerhalb einer ethnischen, kulturellen oder religiösen Gruppe und die Identität als Bürgerinnen und Bürger von Städten mit ihren jeweils verschiedenen Traditionen und Lebensgewohnheiten von besonderer Bedeutung.
  • Medien – Sprache – Information:Das Bild, das Einzelpersonen und/oder Gruppen voneinander auch in religiöser und ideologischer Hinsicht haben, wird wesentlich von der Medienberichterstattung und der Sprache geprägt.
  • gesammelte_Empfehlungen_Stadt Für das Zusammenleben von Menschen verschiedener Herkunft in den europäischen Städten ist neben einer engen interreligiösen Zusammenarbeit auch eine ständige Kooperation der Religionsgemeinschaften mit den städtischen Behörden und Einrichtungen, den nationalen Regierungen und den europäischen Institutionen auf der Grundlage von Verfassungen und Verträgen erforderlich.

Für alle diese Probleme und Herausforderungen gibt es bereits viele Ideen, erprobte Experimente und funktionierende Modelle.

Das „PROJEKT: INTERRELIGIÖSES EUROPA“ in Graz 2003 versteht sich als ein Beitrag in einem offenen Prozess einer Zusammenarbeit, in der diese Ansätze gesichtet, gebündelt und praktische Anregungen an Stadtverwaltungen, Religionsgemeinschaften, Regierungen und europäische Institutionen vermittelt werden sollen.

Partnerinstitutionen und Partnerstädte

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