5. Tag der AfrikanerInnen in Graz

Die afrikanischen Bewohner/innen von Graz

Einleitung

Dieser Bericht widmet sich der gegenwärtigen Situation der AfrikanerInnen in Graz. Er wird auch das jährliche Symposium „Tag der AfrikanerInnen“ in Graz behandeln, welches sich mit sozialpolitischen und bildungsrelevanten Themen innerhalb der afrikanischen Gemeinschaft befasst. Schwerpunkt des heurigen Jahres waren sozialwirtschaftliche Visionen und Umsetzungsstrategien.

Die Zielgruppe „AfrikanerInnen in Graz“ ist eine äußerst heterogene. Aufgrund dieser Heterogenität und Vielfalt der afrikanischen Bevölkerung in Graz versucht dieser Bericht einen groben Überblick über die afrikanische Gemeinschaft in Graz zu geben. Er konzentriert sich auf AfrikanerInnen aus Ländern südlich der Sahara (womit die arabisch-afrikanischen Staaten wie Ägypten, Marokko etc. nicht berücksichtigt sind).

MigrantInnen in Österreich

Im Rahmen dieser Studie werden MigrantInnen als Personen definiert, welche ihr Ursprungsland verließen, um sich in einem anderen Land niederzulassen (Berg, 1999). Laut Nationalstatistik ergab sich zwischen 1995 und 2000 (mit einem Höchststand von 12%) eine ständige Steigerung der MigrantInnenzahlen, 2001 erfolgte ein stetiger Rückgang. Die Gründe für die rückläufigen Zahlen liegen in „der Einführung einer stark restriktiven Politik im Bereich der Arbeitsmigration in Österreich, sowie in Verschärfungen bei der Erteilung verschiedener relevanter Bewilligungen und den Bedingungen für Bewilligungsanträge“ (Circo/Vilics, 2003:16).

Laut Nationalstatistik 2001 beläuft sich der Ausländeranteil an der Bevölkerung in Österreich auf 8,9% (Ausländerbeirat der Stadt Graz, 2004). Verglichen mit den MigrantInnenzahlen in anderen deutschsprachigen EU-Ländern, befindet sich Österreich gemeinsam mit Deutschland auf Platz 4 hinter Luxemburg, Liechtenstein und der Schweiz (Hofbauer, 2004). 2001 betrug der MigrantInnenanteil in Graz 9,5%. Die Hauptzuzugsländer nach Österreich waren Serbien und Montenegro (18,7%), Türkei (17,9%) und Bosnien-Herzegovina (15,2%) (Ausländerbeirat der Stadt Graz, 2004).

AfrikanerInnen in Österreich und Graz

Es stellt sich als sehr schwierig heraus, verlässliche Statistiken über die afrikanische Bevölkerung in Österreich zu finden. Nach Ebermann (2003:1) ergaben Statistiken für Wien und Österreich, dass 1,5% an der österreichischen Gesamtbevölkerung aus Staaten südlich der Sahara stammen. Auch er erwähnt die Schwierigkeit, genaue Statistiken zu erhalten. Die offiziellen Statistiken 2001 ergaben folgenden Anteil afrikanischer Nationalitäten in Graz: Nigeria 1,7%, Südafrika 0,05%, „andere” afrikanische Staaten 3,27% (Ausländerbeirat der Stadt Graz, 2004). Betrachtet man die Statistik der AfrikanerInnen, welche im Zeitraum von 1990 bis 2000 die österreichische Staatsbürgerschaft erhielten (insgesamt 2.510), so ist diese Zahl marginal im Vergleich zu anderen MigrantInnengruppen. Im Jahr 2003 beliefen sich die Zahlen von MigrantInnen in Graz, die die österreichische Staatsbürgerschaft erhielten, auf:

Türkei – (441), Bosnien-Herzegowina (359), Serbien und Montenegro (240), Kroatien (159), im Vergleich zu Ghana (75), Nigeria (68), (Ausländerbeirat der Stadt Graz, 2003).

(Siehe Statistik im Anhang)

Heterogenität der AfrikanerInnen in Graz

Obwohl die Mehrheit der afrikanischen MigrantInnen aus zwei Staaten, nämlich Nigeria und Ghana, stammen, ist die Berücksichtigung der Heterogenität der afrikanischen Bevölkerung in Graz bedeutend. AfrikanerInnen in Graz stammen aus verschiedenen afrikanischen Staaten (Süd-, West-, Zentral- und Ostafrika), mit verschiedenen Kulturen und Sprachen. Sie stammen aus Ländern wie Angola, Äthiopien, Elfenbeinküste, Guinea, Kamerun, Kongo, Mali, Mauritius, Ruanda, Südafrika, Uganda, etc. Auch innerhalb eines Landes findet man verschiedene ethnische Gruppen, wie z.B. unter den Nigerianern (Esan, Beni, Edo, Ishan, Yoruba, etc.). Die Heterogenität der afrikanischen Bevölkerung in Graz spiegelt sich auch in der Anzahl der in Graz registrierten afrikanischen Vereine wider. Der Ausländerbeirat der Stadt Graz verzeichnete 2004 16 eingetragene Vereine. Es besteht die Tendenz, sich nicht nur nach Nationalität, sondern auch nach ethnischem und sprachlichem Erbe zusammenzuschließen und entsprechende Gruppen zu bilden.

Diese Heterogenität reflektiert klar die Unterschiedlichkeit des afrikanischen Kontinents. Es besteht ein starkes Bedürfnis von AfrikanerInnen nach Anerkennung der eigenen Geschichte, Kultur, Sprache usw. Betrachtet man die österreichische Gesellschaft, so gibt es eher eine Tendenz zur Generalisierung, alle AfrikanerInnen zusammenzufassen, „man kann sie nicht auseinanderhalten“ und, abgesehen von oft uralten Stereotypen, besteht ein Mangel an tieferem Wissen über Afrika und seine EinwohnerInnen. Als Folge dieser gesellschaftlichen Nicht-Anerkennung wird der nicht-gewürdigte kulturelle Stolz oft durch die Bildung eigener Gruppen ausgespielt.

Richard Parncutt (2003) schlägt den Medien auch vor, diese Heterogenität im Blickfeld zu behalten und sich auf AfrikanerInnen in Graz eher nach ihrer Nationaltität zu beziehen, anstatt diese „SchwarzafrikanerInnen“ zu benennen, was eine negative Konzentration auf die Hautfarbe und auch eine unzulässige Verallgemeinerung bedeutet.

Die Heterogenität dieser Gruppe setzt sich auch im unterschiedlichen Status von AfrikanerInnen in Österreich fort, wie z.B. AsylwerberInnen, MigrantInnen, StudentInnen, ArbeitsmigrantInnen usw. Die Gründe nach Europa zu kommen sind außerdem sehr unterschiedlich. Sie reichen von wirtschaftlichen über soziale, familiäre, bildungsrelevante bis zu politischen Gründen. Die afrikanische Bevölkerung in Graz unterscheidet sich auch hinsichtlich ihrer Bildung, des sozialwirtschaftlichen Status in ihrem Heimatland, ihrer städtischen oder ländlichen Herkunft etc.

Ein kurzer Überblick über afrikanische Selbstorganisation in Graz

Dieser Abschnitt befasst sich mit den verschiedenen afrikanischen Selbstorganisationen in Graz. Eine Wiener Studie ergab, dass in Wien 544 und in Österreich etwa 1000 Selbstorganisationen von MigrantInnen existieren (International Organisation for Integration, 2003). Bratic´ (2004: 64) bezeichnet als Selbstorganisation von MigrantInnen „jene defensiven, und partizipations-orientierten Gruppen, die soziale Gefüge und das politische Agieren der MigrantInnen wesentlich prägen“. Im folgenden wird deren Rolle und Aktivitäten betrachtet.

Afrikanische Vereine

Wie bereits erwähnt, existierten in Graz im Jahr 2004 16 beim Ausländerbeirat eingetragene afrikanische Vereine (Ausländerbeirat, 2004) bei einem afrikanischen Einwohnerstand von ca. 3.000. Die Liste der Vereine ist sogar länger, wenn man die Liste der registrierten, aber nicht mehr aktiven Vereine betrachtet (siehe Liste der afrikanischen Vereine im Anhang). Folgende Organisationen waren an der Vorbereitung des “Tages der AfrikanerInnen” beteiligt: African Solidarity – Afrikanischer Dachverband, Nigeria Cultural Forum, Ghana Unions of Arts and Culture, Esan Community, ODUA, Edo Social Club, Africans for Austria, Oriental Committee for African Friends, Lingala – Freundschaftliche Gesellschaft Verein, Women with African or Asian heritage.

Organisationen werden gegründet, um die Interessen verschiedener Gruppen zu unterstützen. Darunter gibt es Vereine aufgrund von Nationalität (Nigeria Cultural Forum, Ghana Unions of Arts and Culture, Österreich Lingala Freundschaftliche Gesellschaft Verein (Kongo), von Ethnie (Esan Community, ODUA, Edo Social Club ), zur Durchsetzung von Interessen (Africans for Austria, Oriental Committee for African Friends), zur Abwicklung von Sozialprojekten für AfrikanerInnen (Chiala Afriqas), für Studierende (Gemeinschaft afrikanischer StundentInnen in Österreich), für afrikanische Frauen (Women with African or Asian heritage) sowie eine Dachorganisation, die versucht die afrikanischen Organisationen in Graz im Interesse der AfrikanerInnen zu vereinen (Afrikanischer Dachverband).

Die afrikanischen Kirchengruppen, die an der Vorbereitung des „Tages der AfrikanerInnen“ teilnahmen waren: House of Prayer mission, Bethel Prayer Group, GICM Church of God, Evangelical, Divine Grace Mission, Apostolic Faith Int. Church, and God’s Deliverance Centre. Wie bei den Vereinen treffen sich nicht alle registrierten Kirchengruppen regelmäßig (siehe Liste der Kirchengruppen im Anhang). Die Kirchengruppen unterscheiden sich aufgrund ihrer Denomination (z.B. evangelikal, katholisch). Viele ihrer Gottesdienste finden in den Räumlichkeiten österreichischer Kirchen gleicher Denomination statt (wobei einige in die österreichischen Gottesdienste integriert sind, andere aufgrund der Sprache oder unterschiedlicher Gebräuche separate Gottesdienste abhalten). Einige afrikanische Kirchen scheinen sich auch durch ihre Verbindung zu bestimmten Kirchengruppen in Afrika oder die Spaltung existierender Kirchengruppen gebildet zu haben. Einige Gruppen treffen sich in stundenweise gemieteten Räumen, während nur wenige eigene Räumlichkeiten ganz anmieten oder erwerben konnten. Die meisten Kirchen werden von den in Graz lebenden AfrikanerInnen gut unterhalten und besucht.

Die Rolle der afrikanischen Organisationen, Vereine und Kirchen

Afrikanische Vereine und Kirchengruppen haben eine wichtige unterstützende Funktion inne. Die Studie von Olvera (2001) unterschätzt die Bedeutung sozialer Netzwerke, sozialer und religiöser Institutionen bei der Unterstützung von MigrantInnen. Die üblichste Bewältigungsstrategie, die von MigrantInnen angeführt wurde, war der Rückgriff auf ihr soziales Netzwerk, welches ihre EhepartnerInnen, Kinder, Verwandte, FreundInnen, NachbarInnen, ArbeitskolegInnen, LehrerInnen der Kinder und verschiedene Sozialeinrichtungen umfasst. Oft führten sie Kirchen und Priester als wichtigste Bewältigungshilfe im Prozess des Ansässig-Werdens an. Wie in Afrika sind die KirchenleiterInnen wichtige Personen im Leben der Versammlung. Sie werden oft in Krisen angesprochen und in schwierigen Situationen um Rat und Leitung gebeten.

Die Bildung von Vereinen und Kirchen kann als Strategie gewertet werden, die es AfrikanerInnen erlaubt, sich sozial eingebunden zu fühlen, ein Gefühl der Zugehörigkeit und Gemeinschaft sowie der Anerkennung in einer Gesellschaft zu entwickeln, in der sie als MigrantInnen oft marginalisiert werden.

Auftrag und Aktivitäten afrikanischer Organisationen

Ein gemeinsames Ziel, das sich die Organisationen gestellt haben, ist es, die Einheit innerhalb der Gesellschaft zu fördern. Sie treffen sich auch, um die individuellen Probleme ihrer Mitglieder und deren Familien zu behandeln und Hilfe anzubieten. Einige versuchen auch ihre Mitglieder zu stärken, indem sie sie zur Ausbildung ermutigen und sie dabei unterstützen. Soziale Projekte werden durchgeführt, um z.B. die Rechte der AfrikanerInnen in Graz zu stärken. Projekte zur Bewusstseinsbildung informieren die österreichische Gesellschaft über Afrika und seine Kulturen. Integrationsprojekte zielen darauf ab, dass AfrikanerInnen und ÖstereicherInnen voneinander lernen. Weiters gibt es Projekte, die die Kooperation mit offiziellen österreichischen Einrichtungen (z.B. der Polizei) zum Ziel haben. Viele Organisationen und Kirchengruppen fühlen sich in ihren Aktivitäten aufgrund von unzureichenden Vereinslokalitäten und mangelhafter Finanzierung behindert. Ihre Mitglieder sind oft arbeitslos oder in Niedriglohnberufen tätig, was das Überleben erschwert.

In vielen sozialen und politischen Strukturen Afrikas gibt es eine prominente/starke Persönlichkeit (üblicherweise männlich), die als Vormund/Vaterfigur/Oberhaupt gesehen wird, die die Menschen tendenziell respektieren und der zu folgen sie bereit sind. Ebenso sind in der afrikanischen Gemeinschaft in Graz eminente Personen (meist Männer) mit eigenen Gefolgsleuten zu finden. Da die afrikanische Gemeinschaft in Graz jedoch eher klein ist, kommt es häufig zu Auseinandersetzungen über die knappen Ressourcen (Mitglieder, Finanzierung), die oft zu Spaltungen führen.

Faktoren, die die Position von AfrikanerInnen in der österreichischen Gesellschaft beeinflussen

Viele Faktoren wie Ausbildung, legaler Status, soziale Netzwerke und die Bereitschaft, Deutsch zu lernen, beeinflussen den Integrationsgrad in die österreichische Gesellschaft. Zum Beispiel gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Ausbildungsgrad und der Möglichkeit, innerhalb einer Gesellschaft eine bessere soziale Stellung zu erreichen. Jene mit besserer Ausbildung tendieren dazu, die deutsche Sprache schneller zu erlernen, was wiederum zu besseren Arbeitschancen und besserer Stellung in der Gesellschaft führt.

Integration in die österreichische Gesellschaft

Die AfrikanerInnen bemühen sich noch immer um eine Definition, was der Begriff „Integration“ für sie persönlich bedeutet. Viele assoziieren den Begriff mit dem Erlernen der deutschen Sprache und dem Einstieg in den Arbeitsmarkt. Dies entspricht der Realität, denn gemäß einer Studie von Ebermann (2003), erreichen AfrikanerInnen, die Deutsch sprechen, einen höheren Integrationsgrad (z.B. von österreichischen Freunden eingeladen werden, von der Familie des Ehepartners besser akzeptiert werden, engere österreichische Freunde haben usw.). Oft wird befürchtet, dass Integration mit Assimilation gleichgesetzt wird, man eigene Traditionen aufgeben und „wie die Österreicher“ werden muss. Dieses Gefühl des Assimilationsdrucks wird auch durch das Gefühl verstärkt, in der Gesellschaft nicht viel Raum für das „Anderssein“ zu haben.

Nach Gächter (1999) ist Integration ein Langzeitprozess, in dem es eine Bereitschaft des/der MigrantIn geben muss, sich zu integrieren, und des Aufnahmelandes, Integration zuzulassen. Dies spiegelt sich auch in der Studie von Ebermann (2003), nach der sich AfrikanerInnen, welche sich bereits 8 Jahre und mehr in Österreich befinden, mehr „integriert“ fühlen. Bauböck (2001a:14) betont, dass Integration ein “Prozess der wechselseitigen Anpassung und Veränderung einer aufzunehmenden und einer aufnehmenden Gruppe“ ist (International Organisation for Integration, 2003:55).

Ein positiver Trend in der Integrationspolitik zeichnete sich zwischen den Jahren 1998 und 2001 ab. Nach der Studie „Politische Migration und Fremdenfeindlichkeit“ stimmten 1998 42% der ÖsterreicherInnen der Aussage zu, dass Migrantinnen jegliche politische Aktivität verboten sein müsse. Die Zahl sank bis 2001 auf 35% (Lebhart: 2004:1001 in International Organisation for Integration, 2003). Nach 2001 erfuhr dieser Trend durch die EU-Erweiterung und die steigende Zahl der AsylwerberInnen wieder eine Umkehr.

Legaler Status innerhalb einer Gesellschaft

Viele MigrantInnen in Österreich haben Probleme, eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis zu erlangen. Oft werden diese Bewilligungen nur für eine beschränkte Zeit ohne verlässliche Aussicht auf Verlängerung erteilt. Dies hat negative Folgen auf die notwendige langfristige Planung von MigrantInnen, ein Teil der Gesellschaft zu werden. Diese Unsicherheit dauert oft einige Jahre an, ist eine Quelle für dauerhaften Stress und wirkt negativ auf die Bereitschaft und Bereitwilligkeit, bestimmte Gebräuche und Normen der Gesellschaft anzunehmen.

Es finden sich auch Widersprüche in der österreichischen Migrationsgesetzgebung, wie z.B. eine fehlende Koppelung einer Aufenthaltserlaubnis mit einer Beschäftigungserlaubnis oder vice versa! Es gibt auch viele AsylwerberInnen, welche kein Asyl erhalten, aber nicht abgeschoben werden können (§ 8 GFK). Diese dürfen für die Dauer ihres Aufenthaltes auch keiner Beschäftigung nachgehen. Einige Gesetze bringen MigrantInnen in eine Situation einschränkender und eingeschränkter Rechte. Diese Umstände fördern weder bei AfrikanerInnen noch bei anderen MigrantInnen das Gefühl, integrierter Bestandteil oder überhaupt Teil der Gesellschaft zu sein.

Aufgrund restriktiver Einwanderungspolitik sehen viele MigrantInnen die Eheschließung mit einem/r ÖsterreicherIn als legales Mittel um eine Aufenthalts- oder Beschäftigungsbewilligung zu erhalten. Dies führt jedoch oft zu überstürzten Eheschließungen, die weder den MigrantInnen noch den ÖsterreicherInnen nützen. Der Großteil der afrikanischen MigrantInnen, welche permanente Aufenthaltsbewilligungen oder die Staatsbürgerschaft haben, verfügen über größere Ressourcen für den Integrationsprozess in die österreichische Gesellschaft. Die Anzahl der illegalen MigrantInnen auf österreichischem Staatsgebiet kann nur vermutet werden. Ebermann (2003) schätzt, dass allein in Wien zwischen 1.000 und 1.500 „nicht-legalisierte“ AfrikanerInnen leben. Über diese Gruppe ist wenig bekannt, da der Zugang sehr schwierig ist. Sogar innerhalb der afrikanischen Gemeinschaft wird ein illegaler Status verschwiegen, und die meisten haben keine Aussicht auf Erlangen eines legalen Status.

Bilder von AfrikanerInnen in der Gesellschaft

Innerhalb der österreichischen Gesellschaft gibt es auch unterschiedliche Bilder, die auf AfrikanerInnen projeziert werden. Ein Bild ist das des afrikanischen Drogendealers. Nach einem Interview mit Kopacka in Schmied (2002), führt dieser an, dass die Medien „Phantomzahlen“ verwenden. So schätzten Medien eine unbekannte Zahl von 2.000 von den 3.000 in Graz lebenden AfrikanerInnen, die in den Drogenhandel verwickelt sein sollen. Ein Gerichtsreporter mit Zugang zu anderen Zahlen zitierte, dass von den 150 verurteilten Drogendelikten im Jahr 2001 ca. 15 von AfrikanerInnen begangen wurden (Schmied, 2002:1). Wenn man diese Gesellschaft objektiv betrachtet, in der AsylwerberInnen keinen legalen Zugang zur Arbeit haben und AfrikanerInnen weitgehend vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen sind, überrascht es nicht, dass einige AfrikanerInnen tatsächlich in illegale Aktivitäten verwickelt sind. Die Tatsache, dass die afrikanische Gemeinschaft selbst den illegalen Drogenhandel als Problem benennt, könnte ein Anzeichen dafür sein, dass dieses Thema tatsächlich behandelt werden muss.

AusländerInnenfeindlichkeit innerhalb der Gesellschaft

Mit der steigenden Anzahl politischer und wirtschaftlicher Flüchtlinge aus Osteuropa, Afrika und Asien wurde eine Zunahme der Ausländerfeindlichkeit innerhalb der österreichischen Gesellschaft spürbar. AfrikanerInnen sind aufgrund ihrer Hautfarbe leicht als AusländerInnen identifizierbar, was zu einer höheren Wahrscheinlichkeit führt, Opfer von Diskriminierung innerhalb der Gesellschaft zu werden. AfrikanerInnen werden häufiger von PolizistInnen auf der Straße kontrolliert, was Gefühle der Diskriminierung, Irritation und Verfolgung verstärkt. Auch wird, laut einer Studie von Ebermann (1992:7) dunkle Hautfarbe als Hindernis beim Knüpfen von Freundschaften und Beziehungen mit ÖsterreicherInnen angesehen. Jede/r fünfte im Rahmen der Studie befragte AfrikanerIn gab an, aufgrund der Hautfarbe bereits negativ angesprochen, angesehen oder in der Öffentlichkeit angepöbelt worden zu sein. Richard Parncutt (2003) betont auch, dass eine Betonung der Hautfarbe die „wir-sie“-Polarisation verstärkt und zu Stigmatisierung, möglicher Diskriminierung und Ausschließung führt.

Die spezifische Situation der AfrikanerInnen in Graz

Dieser Abschnitt behandelt die Themenbereiche: Familie, Kinder/Jugendliche und Frauenthemen und legt besonderes Augenmerk auf die Probleme der AfrikanerInnen in den Bereichen Bildung, Arbeit, Unterbringung und Gesundheit. Die Diskussionen und Ergebnisse der vorangegangenen „Tage der AfrikanerInnen“ (2001, 2002, 2003 und 2004) sind in diesen Teil eingearbeitet.

Familien

Die typische Großfamilie Afrikas steht im Kontrast zur Kernfamilienkonstruktion in Europa. Die Großfamilie spielt eine sehr wichtige Rolle im Wohlergehen ihrer Angehörigen (sowohl finanziell als auch emotional). Wenn AfrikanerInnen nach Europa kommen, dann meist als Einzelpersonen (auf Arbeitssuche, zum Studium, als AsylwerberIn usw.). Es dauert mehrere Jahre, bevor andere enge Angehörige die Erlaubnis erhalten nachzuziehen. Der Ausländerbeirat (2004) beschreibt dies als problematischen Situation aufgrund der langen Wartelisten, da der Zuzug von Familienmitgliedern in die „Zuwanderungsquote“ fällt.

Eine Schwierigkeit sich an das Leben in Europa anzupassen ist, ohne die Großfamilie zurechtzukommen. Zum Beispiel ist in Afrika die Verantwortung für die Kindererziehung zwischen Tanten, älteren Geschwistern und Großeltern aufgeteilt. Aufgrund der hohen Beschäftigungslosigkeit ist üblicherweise immer jemand zur Verfügung, um die Kinder zu beaufsichtigen, wenn die Eltern in der Arbeit sind. Nicht selten finanzieren die arbeitenden Familienmitglieder nicht nur die Ausbildung ihrer eigenen Kinder, sondern auch die ihrer Nichten, Neffen und Cousin/en. Es dauert einige Zeit, sich an den Verlust dieses Unterstützungssystems zu gewöhnen, und viele AfrikanerInnen fühlen sich von den hohen Anforderungen an die Einzelperson in Europa überfordert.

Die Großfamilie in Afrika spielt aber weiterhin eine Rolle im Leben der MigrantInnen in Europa. Oft ist die Familie von der finanziellen Hilfe derjenigen abhängig, die nach Europa migriert sind. Oft existieren unrealistische Erwartungen, dass es in Europa leichter wäre, Arbeit zu finden, mehr Geld zu verdienen und wirtschaftlichen Wohlstand zu erreichen. Viele MigrantInnen, welche aus wirtschaftlichen Gründen gekommen sind, erleben eine Enttäuschung, wenn sie mit rechtlichen Restriktionen auf dem Arbeitsmarkt, der hohen Arbeitslosenrate unter MigrantInnen, Diskriminierung usw. konfrontiert sind. Es stellt sich als schwierig heraus, die finanziellen Verpflichtungen und Erwartungen der Familie in Afrika zu erfüllen.

Nach einer Studie von Ebermann (2003) kann der Druck, „erfolgreich zu sein“ und „es zu schaffen“, sehr groß werden. In vielen Fällen werden die Realität und Schwierigkeiten von MigrantInnen in Europa nicht an die Familie zu Hause kommuniziert, um nicht als Versager dazustehen.

Die Migration und die Jahre, die es dauert, um Familien zusammenzuführen, schädigen die Familienbande und “zerbrechen” Familien. Kinder kommen z.B. erst nach vielen Jahren zu ihren Eltern. Familien(wieder)zusammenführung ist of ein schwieriger Prozess und bedeutet Streß für die Familienmitglieder, die die Familie neu erschaffen müssen.

Frauen

Nach der Nationalstatistik von 2001 waren 34% der AfrikanerInnen in Wien Frauen (Ebermann, 2003). Durchschnittlich leben in Graz weniger Afrikanerinnen als Afrikaner. Üblicherweise befinden sich Männer in Afrika in besseren finanziellen Verhältnissen als Frauen, weshalb afrikanische Familien eher Männern die Fahrt nach Europa bezahlen. Für AsylwerberInnen ist der Weg nach Europa nicht einfach und oft mit Gefahren und Risiken verbunden. Im allgemeinen ist auch die Risikobereitschaft unter Männern größer als unter Frauen. Viele Afrikanerinnen werden deshalb von ihren Männern nach Europa geholt. Zu Beginn ihres Aufenthalts verfügen sie über keine Arbeitserlaubnis und bleiben schließlich mit den Kindern zu Hause, was ihre Möglichkeiten, Deutsch zu lernen und ÖsterreicherInnen kennenzulernen, einschränkt.

Afrikanische Frauen befinden sich oft in besonders schwierigen Verhältnissen. Frauen verfügen in vielen Fällen über ein geringeres Bildungsniveau als Männer und sind auf ihrem Weg durch die österreichischen Strukturen mit großen Hürden konfrontiert. In einer Gesellschaft, in der bereits Chancenungleichheit der Geschlechter existiert, haben es insbesondere afrikanische Frauen mit guter Ausbildung schwer, die Gesellschaft von ihrer Kompetenz zu überzeugen. Viele enden bei Reinigungsfirmen. Afrikanische Frauen sind in der Folge stärker von Armut bedroht. Aufgrund fehlender Arbeitsmöglichkeiten sind viele Frauen vom Wohlfahrtssystem abhängig (Familienbeihilfe, Kinderbeihilfe, etc.).

Unter den MigrantInnen gibt es auch Frauen, die von Schleppern nach Europa gebracht wurden und gezwungen werden, ihre Schulden in Zwangsprostitution abzuarbeiten. Verführt von dem „Traum“ in Europa zu arbeiten, enden sie in der Prostitution mit hohem Risiko sich mit HIV zu infizieren, unter dauernder Bedrohung und ohne Chance auf einen Ausstieg.

Kinder

In Graz leben Kinder, welche in Afrika geboren und hier aufgewachsen sind, und afro-österreichische Kinder, welche in Graz geboren sind. Aufgrund ihrer Entwicklung und des Kontaktes mit österreichischen Kindern, lernen diese Kinder gewöhnlich schneller Deutsch als ihre Eltern. Kinder sind im allgemeinen offener für neue Erfahrungen, widerstandsfähiger und kontaktfreudiger, auch zu österreichischen Freunden.

Nach Berg (1999) leiden die Kinder von MigrantInnen aufgrund der Trennung von den Eltern und dem häufigen Wechsel der Bezugspersonen oft an psychischen Störungen. Die unterschiedlichen und oft widersprüchlichen Normen und Werte des Ursprungslandes und Österreichs führen besonders bei Jugendlichen auch häufig zu Identitätskrisen. Die Eltern behalten oft ihre traditionellen Werte und Ansichten bezüglich der Kindererziehung und der Rolle des Kindes bei (wobei oft großer Wert auf Autorität und Respekt der Älteren gelegt wird). Dies führt zu Konflikten innerhalb der Familie, wenn das Kind in der Schule regelmäßig mit österreichischen Prinzipien der Kindererziehung (die oft sehr kindzentriert sind) konfrontiert ist.

Ausbildung

Die Kinder von MigrantInnen haben auch häufiger Schwierigkeiten in der Schule. Organisationen wie das Centre for Educational Research and Innovation betonen, das Kinder von MitrantInnen öfters vom Lehrplan überfordert sind und schlechter als der Durchschnitt abschneiden (CERI, 1989). Eine Studie in Deutschland ergab, dass ein Fünftel der MigrantInnen die Schule ohne Abschlussprüfung verlassen, über 50% der MigrantInnen einen Hauptschulabschluss erhalten, aber nur ein Viertel ein Gymnasium besuchen und nur ein Zehntel derer, die die Schule beenden, erreichen die Hochschulreife. In Österreich ist der Prozentsatz an Migrantenkindern, die eine höhere Bildung erlangen, ebenfalls gering, während der Prozentsatz an Migrantenkindern in Sonderschulen höher ist (Schicho, 2003).

Dies lässt auf einen großen Bedarf an Unterstützung für Migrantenkinder schließen. Eine große Herausforderung scheint das „Nachholen“ bei der deutschen Sprache zu sein, welches offensichtlich für den Erfolg in anderen Lerngegenständen erforderlich ist. Die unterschiedlichen Bewertungssysteme im afrikanischen und österreichischen Schulsystem sollten auch nicht unterschätzt werden. Kinder brauchen Zeit, um neue Bewertungssysteme zu erlernen, um in diesen erfolgreich zu sein.

Viele afrikanische Eltern machen sich um die Zukunft ihrer Kinder in Graz/Österreich große Sorgen. Obwohl die Kinder die österreichische Staatsbürgerschaft besitzen und Deutsch sprechen, befürchten sie, dass Kinder mit afrikanischem Erbe es aufgrund von Vorurteilen und Diskriminierung schwerer haben, nach ihrer Ausbildung qualifizierte Arbeit zu finden. Afrikanische Kinder in Österreich haben kaum afrikanische Vorbilder, die in der Gesellschaft wichtige Positionen innehaben. Viele der AfrikanerInnen in dieser Gesellschaft sind in „niedrigen“ Berufen tätig, obwohl sie über gute Qualifikationen verfügen. Wenn man bedenkt, dass Kinder durch das Beobachten lernen, dann könnte es demotivierend sein, in dieser Gesellschaft aufzuwachsen.

Arbeit

Arbeit zu haben, ist eine der Grundbedingungen, um in einer Gesellschaft zu überleben. Durch Arbeit erhält man nicht nur finanzielle Entlohnung, die für das materielle Wohlbefinden benötigt wird, sondern Arbeit steigert die Selbstachtung, den Selbstwert und das Gefühl von Produktivität und Zugehörigkeit zu einer Gesellschaft. Die negativen Folgen der Arbeitslosigkeit sind wohlbekannt (Depression, Minderwertigkeitsgefühle, etc.). Deshalb hat die Tatsache, dass MigrantInnen keinen legalen Zugang zum Arbeitsmarkt haben, weitreichende Auswirkungen. Nach Schicho (2003) tendieren MigrantInnen zu einer höheren Arbeitslosenraten von 14% im Vergleich zu 7% unter InländerInnen. Unter den MigrantInnen aus der Dritten Welt leben 30% in Armut verglichen mit 11% unter ÖsterreicherInnen und EU-BürgerInnen. 18% der MigrantInnen aus der Dritten Welt leben in akuter Armut verglichen mit 4% der ÖsterreicherInnen und EU-BürgerInnen (Fassman and Stacher, 2003.)

Viele MigrantInnen arbeiten im Niedriglohnsektor, z.B. in Graz: Fabriken (Lederverarbeitung und Automanufaktur), Hotel- und Restaurantbranche, Reinigungsdienst sowie Zeitungs- und Werbungsverteilung. Für gewöhnlich sind die Unternehmen, die AfrikanerInnen beschäftigen, in der afrikanischen Gemeinschaft bekannt und weisen eine Konzentration an afrikanischen DienstnehmerInnen auf.

Nach Ebermann (2003) arbeiten 74,3% der AfrikanerInnen in Bereichen, in denen ihre Qualifikationen keine Rolle spielen. Ebermann (2003:193) führt folgende Schwierigkeiten von AfrikanerInnen im Bereich Arbeit an: Mangel an legalem Zugang zu Arbeit, negative Einstellungen gegen AfrikanerInnen, in Afrika erworbene Qualifikationen haben in Österreich zu wenig Wert und die Tendenz der österreichischen Gesellschaft „In-Gruppen“ zu bilden, die Andersdenkende ausschließt.

Unterstützung bei der Arbeitssuche ist eine der häufigsten Bitten von AfrikanerInnen, wenn sie die Hilfe von Grazer Sozialorganisationen in Anspruch nehmen (Chiala’ Afriqas, Zebra, ISOP). Die hoffnungslose Arbeitssituation treibt viele MigrantInnen in ausbeuterische Dienstverhältnisse (geringes Gehalt, schlechte Arbeitsbedingungen, schlechte sozial-rechtliche Stellung).

Wohnen

Shadman (2004) merkt an, dass obwohl der Anteil an Substandardwohnungen in Graz nur 11% des gesamten Wohnungsmarktes ausmacht, 52% der MigrantInnen in Substandardunterkünften leben. Nicht selten leben MigrantInnen unter unwürdigen Bedingungen, wie z.B. in Wohnungen, die im Winter nur 2 Stunden am Vormittag beheizt werden. Und weil es so schwierig ist, billige Wohnungen zu finden, wehren sich MigrantInnen oft nicht gegen derartige Bedingungen und Behandlung. In den Bezirken Gries und Lend liegt der Migrantinnenanteil bei 20%. Die Gründe dafür sind, dass die Miete in diesen Bezirken tendenziell niedriger ist, MigrantInnen in diesen Bezirken Sozialnetzwerke zur gegenseitigen Unterstützung gebildet haben und es schwierig ist, als MigrantIn in anderen Bezirken eine Unterkunft zu finden.

Gesundheit

Im allgemeinen nehmen MigrantInnen öffentliche Gesundheitseinrichtungen weniger in Anspruch als Einheimische (Walter, 1993). Es besteht ein großer Unterschied zwischen den Gesundheits- und Sozialversicherungssystemen Afrikas und Österreichs. Auch wurde bisher kein Versuch unternommen, die nötigen Informationen mehrsprachig aufzulegen, um MigrantInnen das neue und oft komplizierte bürokratische System zu erklären. Aber auch mit sprachlichen Grundkenntnissen ist die medizinische Terminologie für MigrantInnen kaum verständlich. Viele MigrantInnen mit niedrigerem Bildungsniveau verfügen über unzureichendes Wissen bezüglich Krankheit und ihren Verursachern. Dazu kommt, dass medizinisches Personal medizinische Terminologie oft nicht in einfache, verständliche Sprache übersetzen kann und die Unterstützung durch DolmetscherInnen in den medizinischen Einrichtungen ungenügend geregelt ist. Auch gibt es kaum Fachpersonal, das die nötige Fremdsprachenkenntnis besitzt. Auch ist kaum Information über Gesundheitsvorsorge in anderen Sprachen erhältlich.

Abgesehen von den Kommunikationsschwierigkeiten, ist das Betreuungspersonal meist ungeübt oder unzureichend für den Umgang mit PatientInnen aus anderen Kulturen ausgebildet. Dabei fehlt das Wissen über die traditionelle Familienstrukturen, Geschlechterrollen und andere Grundkenntnisse (Berlin Brandenburg, 2002). Missverständnisse, Fehlkommunikation und Frustrationen führen zu Widerständen gegen Therapien seitens der MigrantInnen, was sich wiederum negativ auf den Behandlungserfolg auswirkt. Alle diese Faktoren bewirken eine unzureichende Einbindung von AfrikanerInnen und anderen MigrantInnen in das Gesundheitssystem.

Zusammenfassung und Ausblick

Aufgrund der vorgehenden Diskussion ist es offensichtlich, dass AfrikanerInnen in Graz mit einer Vielzahl an Herausforderungen (sozial, politisch und wirtschaftlich) konfrontiert sind. „Building a future together“ war der Titel des „Tages der AfrikanerInnen“ 2005. Thema war, welche Zukunft AfrikanerInnen für sich in Graz und Österreich vorstellen konnten. Der nächste Abschnitt wird sich insbesondere mit den Ergebnissen des Tages befassen. VertreterInnen von 28 afrikanischen Kirchen und Vereinen nahmen an den Vorbereitungstreffen bei, in denen die relevanten Themen erarbeitet wurden. Das Ziel der Konfrenz war es, der afrikanischen Gemeinschaft in Graz einen Raum zu bieten, um ihre Zukunft aktiv zu planen. Deshalb war es für die afrikanischen LeiterInnen wichtig, sich zu treffen und über ihre Visionen zu sprechen. Ein wichtiger Teil des Tages war auch die Erarbeitung von aktiven Strategien, um diese Visionen und Ziele zu erreichen. Die Diskussion fand in drei Arbeitsgruppen statt: Kultur – zwischen Integration und traditionellen Lebensstilen; Kinder – wie helfen wir ihnen, ihre Träume umzusetzten; UnternehmerInnen – Schaffung eigener wirtschaftlicher Möglichkeiten.

Kultur – zwischen Integration und traditionellen Lebensstilen

Diese Gruppe setzte sich aus VertreterInnen der verschiedenen afrikanischen Kirchen und Vereinen und verschiedenen Organisationen, die sich mit MigrantInnen befassen.

Rolle und Einfluss afrikanischer Vereine und Kirchen im Leben der AfrikanerInnen in Graz:

Es wurde festgestellt, dass zwischen Afrika und Österreich Unterschiede in der Möglichkeit der Selbst-Organisaton bestehen, wobei in einigen afrikanischen Staaten die Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit und Versammlungsarbeit nicht erwünscht sind. In Österreich gibt es dagegen viele bürokratische und rechtliche Voraussetzungen, die das Überleben der Vereine erschweren. Alle afrikanischen Vereine in Graz erkannten als gemeinsames Ziel, positive Entwicklungen für die afrikanische Gemeinschaft als auch für die Gesellschaft in Gang zu setzen.

Sie sehen ihre Rolle als:

Unterstützung – Bereitstellung eines sozialen Netzwerkes und Unterstützung für AfrikanerInnen in Graz und die Förderung der afrikanischen Kultur und Sprachen.

Hilfe bei der Integration – einander bei der Orientierung im österreichischen System und bei Anpassungsschwierigkeiten zu helfen.

Mediation – als Kommunikationsbrücke zwischen der afrikanischen Gemeinschaft und der österreichischen Gesellschaft zu wirken.

Bildung – Verbreitung der nötigen Informationen unter den eigenen Mitgliedern, aber auch die Vermittlung von Wissensinhalten an die GrazerInnen über Afrika und die afrikanische Gemeinschaft in Graz.

Um ihre Rollen effektiv ausfüllen zu können definierten die afrikanischen Vereine die folgenden Voraussetzungen:

  • Bedarf an Information über das österreichische System, rechtliche Voraussetzungen und Bedingungen für Vereine sowie deren Rechte und Pflichten.
  • Ausbildung im Organisations-, Projekt- und Konfliktmanagement etc. in Vereinen.

Lobbying

Wiederholt tauchte der “Aufbau einer starken afrikanischen Lobby“ als Thema auf. Es herrschte Übereinstimmung, dass die Arbeit gegen Diskriminierung und Rassismus effektiver wäre, wenn alle afrikanischen Verein zusammenarbeiten würden. Die Hauptaufgaben der afrikanischen Lobby wären:

  • Koordination – zur Zeit gibt es viele Doppelgleisigkeiten, die zu Konkurrenz unter den afrikanischen Vereinen führen. Einzelne Vereine sind jedoch nicht stark genug, große soziale Veränderungen zu erreichen.
  • Information – ein koordinierter Kontakt mit den Medien und offiziellen Stellen scheint erfolgversprechender als Aktivitäten von Einzelorganisationen.

Um diese Lobby ins Leben zu rufen soll eine Arbeitsgruppe aus VertreterInnen verschiedener afrikanischer Vereine gebildet werden, um die Struktur, Ziele, Funktionen etc. einer solchen Lobby-Gruppe zu diskutieren.

Integration

Alle VertreterInnen sahen Integration als wichtiges Ziel an. Integration wird als dualer Prozess gesehen, in welchem sowohl der Immigrant als auch die Aufnahmegesellschaft involviert sind. Für die TeilnehmerInnen bedeutet Integration nicht die Aufgabe eigener Traditionen und Kulturen, da diese Teil der eigenen Identität sind. Durch das Leben in einem fremden Land sind persönliche Veränderungen jedoch unumgänglich. MigrantInnen müssen sich an der neuen Gesellschaft, in der sie leben, orientieren. Folgende Orientierungsbedürfnisse wurden identifiziert:

  •  im Integrationsprozess ist der Zugang zu Information über die Aufnahmegesellschaft ausschlaggebend.
  •  zu den wichtigen Informationen zählen das Rechts-, Polit-, und Sozialsystem.

Training/Ausbildung

Alle TeilnehmerInnen sind sich bewußt, wie wichtig es ist, “Deutsch” zu lernen. Der Spracherwerb wird jedoch, wie die Integration, als langfristiger Prozess gesehen. Auch die Notwendigkeit für Eltern, Deutsch zu lernen, um die Ausbildung ihrer Kinder zu verfolgen, wurde als bedeutsam erkannt. Es gab auch Besorgnis darüber, dass in den Schulen noch immer Rassismus zu finden ist und dass ein „gleicher Zugang zu Bildung und Berufsausbildung“ für afrikanische Jugendliche in Graz gewährleistet sein muss. Lobbying und Kooperationen mit den Bildungsinstitutionen sind da erst am Anfang. Erwachsenenbildung wurde auch als wichtiges Thema identifiziert. Die Anerkennung von in Afrika erworbenen Qualifikationen (Nostrifizierung) ist ein großes Problem für viele qualifizierte AfrikanerInnen. Das Prozedere ist üblicherweise langwierig, teuer und schwierig. Es fehlt die Wertschätzung Qualifikationen gegenüber, die in anderen Ländern erworben wurden.

Anregungen zur Ausbildung:

  • Deutschkurse – die in niederschwelligeren Orten angeboten werden, wie z.B. Kirchen, afrikanischen Versammlungslokalen etc.
  • Erwachsenenbildungsangebote in relevanten Themenbereichen wie Rechts-, Gesundheits- und Schulsystem wie auch Rechte und Pflichten österreichischer StaatsbürgerInnen bzw. EinwohnerInnen. (Mit den übersetzten Informationsbroschüren.)
  • Überbrückungskurse zur Unterstützung im Nostrifizierungsverfahren.

Unterbringung

Ein großes Problem, welches genannt wurde, war der Bereich der Diskriminierung, die vor allem auf dem Wohnungsmarkt zu großen Benachteiligungen für AfrikanerInnen in Graz führt. Diskriminierung von Seiten der NachbarInnen und VermieterInnen kommt noch immer gelegentlich vor. So werden AfrikanerInnen abgewiesen, weil die VermieterInnen oder NachbarInnen AfrikanerInnen nicht als MieterInnen oder MitbewohnerInnen wünschen oder sich dabei unwohl fühlen. Personen ohne österreichische Staatsbürgerschaft haben auch kein Anrecht auf eine Gemeindewohnung.

  • Eine Forderung, die geäußert wurde war, dass “Gemeindewohnungen” auch für Menschen ohne österreichische Staatsbürgerschaft verfügbar sein sollten.

Anerkennung afrikanischer Kirchen

Derzeit sind alle afrikanischen Kirchen als Vereine registriert. Dadurch haben diese afrikanischen Kirchengruppen den Eindruck, dass ihre eigentliche Rolle und Funktion nicht gewürdigt wird. Sie haben fixe Gebetshäuser und Gottesdienste wie andere Kirchen, sind aber nicht als solche anerkannt. Sie sind deshalb mit Schwierigkeiten konfrontiert, eigene Gottesdienste zu organisieren, Gebetsräume zu finden und werden gelegentlich von der Polizei wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses abgestraft (weil sie zu laut sind). Es gibt keine Anerkennung für die wichtige Unterstützungs- und Betreuungsfunktion, die sie in die afrikanische Gemeinschaft in Graz einbringen. Aufgrund dieser Nicht-Anerkennung haben Kirchenmitglieder Schwierigkeiten, Glaubensgeschwister in Gefängnissen zu besuchen – die entsprechende Prozedur ist sehr bürokratisch.

Sicherheitskräfte und Medien

Die TeilnehmerInnen merkten an, dass Rassismus gegen AfrikanerInnen unter den Sicherheitskräften (Polizei) noch immer zu finden sei. Dieser Rassismus ist nicht nur auf individueller, sondern auch auf institutioneller Ebene zu finden, was die Situation der AfrikanerInnen erschwert. Medien scheinen die negativen Stereotype gegen AfrikanerInnen in der Gesellschaft zuweilen zu verstärken.

  • Ein Lobby-Forum wäre in der Lage, Vorfälle mit der Polizei und den Medien sofort aufzugreifen und zu bearbeiten.

UnternehmerInnen – Schaffung eigener wirtschaftlicher Möglichkeiten

Diese Arbeitsgruppe setzte sich aus afrikanischen Geschäfts- und Restaurantinhabern und interessierten Einzelpersonen zusammen, die die Schwierigkeiten wirtschaftlicher Selbständigkeit für AfrikanerInnen in Graz und Strategien um “black business” zu fördern, behandelten.

Steuern und das österreichische Steuersystem

Viele Wirtschaftstreibende finden das Steuersystem überfordernd und kompliziert. Sie haben Geschäftserfahrung in Afrika gesammelt, was mit wirtschaftlicher Tätigkeit in Österreich nicht wirklich vergleichbar ist. Es ist schwierig, Zugang zu den nötigen Informationen, wie Unternehmen in Österreich funktionieren, zu bekommen und viele Geschäftsinhaber bezogen die nötigen Informationen aus kleinen Broschüren.

Mögliche Lösungsansätze:

  • “Auffrischungskurse” für afrikanische Geschäftsinhaber (in Englisch oder mit Übersetzung)
  •  Inanspruchnahme der Dienstleistungen von professionellen Steuerberatern und Buchhaltern
  • Time Management Kurse

Sprachprobleme

Besonders im Geschäftsumfeld wurden Deutschkenntnisse als absolute Notwendigkeit erkannt. Einige Geschäftsinhaber fühlen sich aufgrund unzureichender Sprachkenntnisse nicht sicher ausreichend oder überhaupt über ihre Rechte informiert zu werden.

Mögliche Lösungen:

  • Deutschkurs
  • Deutsch für Geschäftsleute

Logistik/Import

Importgeschäfte sind oft sehr kompliziert und erfordern viele Dokumente. Unter einigen Importeuren besteht noch Unklarheit, welche Produkte nicht importiert werden dürfen (obwohl diese in Supermärkten erhältlich sind). Es gibt auch Fälle in denen Importeuren großer Schaden entstand, weil der Zoll die Geschäftsinhaber zu spät darüber informierte, dass die Ware zur Abholung bereit stehe. Die Ware war verdorben und die Eigentümer wurden über dies mit Strafzahlungen belegt.

Mögliche Lösungen:

  • Eine offizielle Liste über Importverbote
  • Sollten weitere Schwierigkeiten mit den Zollbehörden beim Import erlaubter Waren auftauchen, sollen diese an offizielle Stellen und einschlägigen Organisationen, die sich mit rassistischen Übergriffen befassen, weiterzuleiten.

Rassismus

Afrikanische Geschäfte sind Opfer rassistischer Übergriffe – in zahlreichen Fällen, die vorgebracht wurden, war es für die Besitzer auch schwierig, die Polizei zu einer Untersuchung der Angelegenheit zu bringen. Es herrscht das Gefühl, dass die Polizei, Arbeiterkammer und Wirtschaftskammer sich nicht für die Angelegenheiten afrikanischer Unternehmen interessieren.

Mögliche Lösungen:

  • Alle Vorkommnisse sorgfältig mit möglichst guten Beweisen (z.B. Fotos) und so – vorhanden Zeugenaussagen – zu dokumentieren.
  • Diese an offizielle Stellen und einschlägigen Organisationen, die sich mit rassistischen Übergriffen befassen, weiterzuleiten.
  • Als Interessensgruppe an guten Kontakten zu Polizei, Arbeiterkammer und Wirtschaftskammer arbeiten.

Geldstrafen

Viele Unternehmen zahlen Geldbußen für Vergehen, die sie bei ausreichender Information vermeiden hätten können. Die unterstreicht wiederum den Bedarf an besseren Informationen über das österreichische Wirtschaftsgesetzgebung und –system.

Mögliche Lösungsansätze:

  • Informationsveranstaltungen für afrikanische UnternehmerInnen (Das österreichische Steuersystem, Importregelungen, Unternehmensrichtlinien etc)

Finanzielle Starthilfe für Kleinunternehmen

Im allgemeinen ist es für AfrikanerInnen und ÖsterreicherInnen sehr schwierig Hilfe bei der Startkapitalaufbringung zur Unternehmensgründung zu finden. Banken verlangen risikolose Sicherheiten. Es muss jedoch erhoben werden, ob es Regierungssubventionen für Kleinunternehmen in Österreich gibt.

Langfristige Strategien zur Förderung afrikanischer Unternehmen:

  • Gründung einer afrikanischen Untenehmensplattform, um in rechtlichen, politischen und sozialen Angelegenheiten zwischen afrikanischen Unternehmen und Wirtschaftsbehörden (Wirtschaftskammer, Finanzamt…) zu vermitteln.
  • Politische Unterstützung bei der Einrichtung eines politischen Netzwerkes
  • Festsetzung von Qualitätsstandards, um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern
  • Verbesserung der Sprachkenntnisse von UnternehmerInnen
  • Hebung des Wissensstandes über Gesetze, Richtlinien, Steuerpflichten und allgemeine Geschäftsformalitäten
  • Hebung der Wahrnehmung durch die Medien

Kinder – wie helfen wir ihnen, ihre Träume umzusetzten

Diese Gruppe bestand aus afrikanischen und österreichischen Eltern sowie interessierten. Die folgenden Fragen wurden zur Diskussion gestellt, um die Zukunft der afrikanischen Kinder in Graz zu behandeln:

Was brauchen unsere Kinder, um sich in Österreich wohl zu fühlen?

  • Es ist wichtig, dass sich die Eltern selbst in der Gesellschaft wohlfühlen, um dies ihren Kindern vermitteln zu können.
  • Kinder brauchen die Möglichkeit, ihre eigene Kultur zu leben und zu erleben, sowohl die Kultur ihres Ursprungslandes als auch die Kultur ihres Aufenthaltslandes.
  • Akzeptanz und nicht nur Toleranz.
  • Teil der Gesellschaft zu sein, nicht isoliert oder stigmatisiert.
  • Möglichkeiten, ihre eigene Zukunft ohne Diskriminierung zu planen
  • Zusammenarbeit zwischen Eltern und LehrerInnen und anderen Personen, die an der Ausbildung der Kinder beteiligt sind.

Welche Rollen spielen Eltern bei der Unterstützung ihrer Kinder?

  • Eltern tragen die Hauptverantwortung, die Zukunft ihrer Kinder zu formen.
  • Eltern müssen Deutsch lernen, um ihre Kinder beim raschen Spracherwerb zu helfen.
  • Eltern müssen dafür sorgen, dass ihre Kinder die Schule besuchen, aber auch die Eltern müssen mitlernen, um ihre Kinder zu unterstützen.
  • Eltern sollten die Kooperation mit der Schule ihrer Kinder suchen.
  • Eltern sollten mehr Selbstachtung entwickeln und diese ihren Kindern vermitteln.
  • Ein Lobby-Netzwerk sollte installiert werden, im Rahmen dessen MigrantInnen miteinander kommunizieren können.

Welche Rolle spielen Gesellschaft und Schule?

  • Die Bildung von Ghettos, in denen fast nur MigrantInnen leben und Schulen, mit nur MigrantInnenkindern sollen vermieden werden.
  • Die Gesellschaft muss anerkennen, dass Österreich nicht im Begriff ist, ein multi-kulturelles Land zu werden, sondern bereits multi-kulturell ist.
  • Integration muss von den staatlichen Strukturen aktiv unterstützt werden. Mit der Aufnahme von mehr AfrikanerInnen in öffentliche Ämter und andere Berufsgruppen (Polizei, Busfahrer, Regierungsbüros, Geschäften, Banken usw.), um die Kinder für die Zukunft zu motivieren.
  • Eine bessere Verteilung von MigrantInnenkinder auf die Grazer Schulen.
  • Sowohl in der Ausbildung von KindergärtnerInnen und anderen PädagogInnen, sowie in der Schule sollte inter-kulturelles Lernen in Inhalt und Methodik einfließen.
  • Identität und Selbstwert könnten in einem eigenen Schulfach eingeführt werden. Aufgrund des Minoritäten-Status von MigrantInnenkindern in dieser Gesellschaft ist es besonders wichtig, deren Identitäts- und Selbstwertfindung zu unterstützen.
  • LehrerInnen sollten in Netzwerkarbeit ihre Erfahrungen und Fähigkeiten austauschen.
  • Es sollte mehr Angebote geben, um MigrantInnen und Lehrer zusammenzubringen (Kochen, Feste…).
  • Schulinformation sollte den Eltern leichter zugänglich sein, besonders sollte bei Elternabenden Dolmetschung angeboten werden.

Gemeinsame Visionen aufgrund der Gruppendiskussion

Einheit:

Das Thema afrikanischer Einheit/Lobbying muss besonders erwähnt werden, da es in den Vorbereitungstreffen sowie während der Konferenz und auch in allen Arbeitsgruppen stark präsent war. Dies kann als eigene Vision gesehen werden, aber auch als wichtiges Medium, um die anderen Visionen zu verwirklichen.

Das Thema Einheit erwies sich als Herausforderung für afrikanische Kirchen, Vereine und Unternehmen. Jede Gruppe erkannte verschiedene Ebenen und Möglichkeiten des Erfolges durch die Installierung von gemeinsamen Plattformen und Gremien. Während der Vorbereitungsphase des „Tages der AfrikanerInnen“ initiierten die afrikanischen Kirchenleiter bereits ein Forum der afrikanischen Kirchen. Vorbereitungstreffen für den „Tag der AfrikanerInnen“ unter den KirchenvertreterInnen fanden innerhalb dieses Forums statt und waren erfolgreich. Das Forum wurden von vielen – wenn auch nicht allen KirchenvertreterInnen – wahrgenommen, was die Kommunikation und Mobilisierung für den „Tag der AfrikanerInnen“ erleichterte. Diese wichtige Funktion der Kirchen und Leitfiguren im Leben der afrikanischen Gemeinschaft wurde gewürdigt und ihre Unterstützung und Beteiligung im „Tag der AfrikanerInnen“ verlieh der Veranstaltung Glaubwürdigkeit und ermöglichte positive Entwicklungen innerhalb der afrikanischen Gemeinschaft. Und dies, obwohl die Versuche einer Einigung unter den afrikanischen Vereinen eine besonders schwierige Geschichte hat. Der „Afrikanische Dachverband“ spielte eine wichtige Rolle in der Vermittlung von Kontakten zu den verschiedenen afrikanischen Vereinen, aber mehrere Einzeltreffen mit den Vereinen waren nötig, bevor das Vorbereitungstreffen mit VertreterInnen der afrikanischen Vereine möglich war. Die Unternehmen verfügten über keine gemeinsame Struktur. Obwohl eine Union der afrikanischen Wirtschaftstreibenden existiert hatte, hat sich diese wieder verlaufen.

Es bleibt die klare Botschaft, dass es unter den afrikanischen Kirchen und Vereinen einen Bedarf an einem gemeinsamen Forum besteht, um eine Lobby für die sozialen, politischen und wirtschaftlichen Rechte der AfrikanerInnen in Graz zu bilden. Die Herausforderung besteht darin, ein Forum zu finden, dass eine gemeinsame Front ermöglicht, aber auch Raum für Gruppenidentitäten und allen Gruppen gleiche Anerkennung bietet.

Integration – Der Terminus “Integration” bedeutet für die AfrikanerInnen, dass sie von der österreichischen Gesellschaft akzeptiert werden, aber auch, dass sich die AfrikanerInnan an der österreichischen Gesellschaft orientieren müssen. Eine Vision wahrer Integration würde bedeuten, dass afrikanische Fachkräfte bzw. MigrantInnen anderer Herkunft in allen möglichen Bereichen der österreichischen Gesellschaft arbeiten und afrikanische Kinder die Ausbildung absolvieren können, die sie selbst wählen, und nicht in bestimmte Jobs und Karrieren abgedrängt werden, von denen die Gesellschaft meint, dass sie für AfrikanerInnen „angemessen“ sind.

Self empowerment – Alle Gruppen erkannten Aus-Bildung in verschiedenen Bereichen als wichtigen Faktor (Afrikanische Vereine – z.B. Organisationsmanagement, Projektmanagement; Afrikanische Unternehmen – z.B. Wirtschaftskurse, Zeitmanagementkurse; Eltern: z.B. Deutschkurse und Erwachsenenbildung). Dies spiegelt die Wünsche von AfrikanerInnen wieder, für sich selbst zu entscheiden und sich selbst in verschiedenen Bereichen voranzuarbeiten.

Anerkennung – Dies bedeutet zuerst die Anerkennung der AfrikanerInnen als Teil der österreichischen Gesellschaft, dass sie positive Beiträge zur Grazer Gesellschaft leisten können (Rolle von Vereinen und Kirchen) und die Anerkennung von Fähigkeiten und Potentialen, die eingebracht werden können (Anerkennung von Qualifikationen und Erfahrungen, die aus Afrika mitgebracht wurden).

Abschaffung von Diskriminierung in allen Bereichen der Gesellschaft (Ausbildung, Arbeit, Unterbringung) – Obwohl das neue Anti-Diskriminierungsgesetz ein Schritt in die richtige Richtung ist, bleibt die Tatsache bestehen, das Fälle von Diskriminierung und Rassismus innerhalb der österreichischen Gesellschaft geschehen. Gleicher Zugang und ähnliche Chancen auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt müssen noch gewährleistet sein.

Projektleitung und Bericht: Karen Perchtold

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D:\Bnr_de – Ausländer wollen sich nicht integrieren.htm