Toleranz

Zeiten wie diese zeigen uns, wie wichtig Verständnis und Rücksichtnahme füreinander sind. Pfarrer Wolfgang Pucher möchte von seiner Erfahrung aus der Praxis berichten, in der der Umgang mit Menschen aus verschiedenen Herkunftsländern gut gelungen scheint.

 

In meiner Pfarrgemeinde habe ich eine überdurchschnittlich große Zahl an Ministranten und Ministrantinnen. Sie kommen aus den verschiedensten Ländern. U.a. Frankreich, Afrika, Kroatien, Rumänien, Ungarn, Kosovo, Italien und natürlich aus Österreich. Das was alle verbindet ist ihr Dienst am Altar bei den Gottesdiensten. Sie treffen sich auch zu Ausflügen und kleinen Feiern. Seit über 40 Jahren betreue ich sie. Es ist mir noch nie aufgefallen dass eine/r unter ihnen wegen seiner/ihrer Herkunft nicht wirklich Teil dieser Gemeinschaft wäre. Wenn sie sich treffen haben sie  Spaß mit einander, sie gehen mit einander um, wie es Kinder und Jugendliche zu tun pflegen. Es gab unter ihnen nie eine Missstimmung oder gar Diskriminierung, wegen der Herkunft aus einem anderen Land. Sie bilden wirklich eine sehr harmonische Gemeinschaft. Das was diese Harmonie bewirkt ist ihr gemeinsamer Dienst am Altar. Sie wissen, dass alle gleich wichtig sind und dass die Gemeinde auf sie schaut. Sie spüren auch eine Verantwortung und eine Vorbildfunktion für die übrigen Gottesdienstteilnehmer, unter denen sich oft auch ihre Eltern und Geschwister befinden. Das Christentum hat von Anfang an jedweden Unterschied der Herkunft, der Bildung oder des Berufes ausgeschlossen. Sogar Sklaven waren Teil dieser Gemeinschaft. Ich bin sicher, dass dieser Einfluss bis heute wirkt. Mir scheint es hilfreich, dass Menschen mit verschiedener Herkunft Gelegenheiten geboten werden, sich zu treffen und mit einander etwas gemeinsames zu unternehmen. Die Belehrung „Du sollst oder Du sollst nicht“ ist nicht sehr hilfreiche. Ein Stück Leben mit einander teilen hilft, dass Menschen einander näher kommen und einander besser verstehen und auch akzeptieren lernen. Meine Ministranten und ihr Umgang mit einander sind für mich ein gutes Beispiel.

 

Pfarrer Wolfgang Pucher, Gründer der Vinzenzgemeinschaft Eggenberg und der 40 VinziWerke