Warum sich zuständig fühlen, uns allen hilft

Ein Bus. Eine Straßenbahn. Die Menschen stehen. Sitzen. Einige unterhalten sich. Andere blicken gedankenversunken aus dem Fenster. Viele mit Kopfhörern in den Ohren. Ob sie hören würden, wenn neben ihnen etwas im Gange wäre? Menschen beschimpft, unrechtmäßig behandelt würden oder einfach nur Hilfe bräuchten? Wieder andere starren gebannt auf den Bildschirm in ihrer Hand. Sie spielen, lesen Nachrichten, scrollen durch den Feed von Facebook und Co, wirken wie in einer anderen Welt, für sich allein. Und obwohl es mittlerweile Alltag ist, man sich selbst nur zu allzu oft dabei ertappt – befremdlich ist dieser Anblick allemal.

Aber nicht nur in den Öffis wirken die Menschen so, als würden sie sich zunehmend zu Einzelkämpfern entwickeln. Am Gehweg, im Park, ja sogar in den Autos. Viele sind allein, nur mit ihrem eigenen Leben beschäftigt, ja fast schon ein wenig entsolidarisiert.

Und das obwohl wir im Grunde alle als solidarische Wesen zur Welt kommen, von Natur aus hilfsbereit sind. Heute hingegen wirken wir oft wie das real gewordene Sinnbild der drei Affen – Augen verschließen, Klappe halten, ja nicht zu viel hören. Vor kurzem haben die drei auch noch Gesellschaft eines vierten bekommen. Der Affe, der unentwegt auf sein Handy starrt. Wann haben wir vergessen, dass es außer uns auch noch andere gibt?

Es wäre so vieles leichter – die Arbeit, unser Alltag – wenn wir wieder aufmerksamer wären, auch mal aufblicken würden, uns nicht ausschließlich um uns kümmerten. Wir könnten so vieles sehen: Die Dame zum Beispiel, die verzweifelt den Haltegriff in der Bim umklammert, den blinden Mann, der am Bahnhof nach der richtigen Station sucht, den kleinen Buben, der von einer Gruppe Kinder ausgelacht wird. In einer Zeit, in der wir zunehmend auf uns allein gestellt sind, Druck und Konkurrenzkampf immer weiter um sich schlagen ist soziale Aufmerksamkeit, Zivilcourage wichtiger denn je. Da geht es um die Wahrnehmung von Situationen, in denen Menschen vielleicht Hilfe brauchen könnten. Das funktioniert aber nur dann, wenn wir aufmerksam sind, ab und zu auch mal einen Blick nach außen werfen, die eigene Komfortzone verlassen.

Zivilcourage kann trainiert werden. Ähnlich wie ein Muskel muss auch der wörtlich übersetzte Bürgermut geübt werden. In der Gruppe oder auch allein. Wie das gelingt, ist Inhalt der folgenden Tipps.

Tipp 15: Misch dich ein, aber misch nicht auf

Tipp 16: Hilfe braucht Hilfe

Tipp 17:  Mehr Köpfchen, weniger Muskelspiel

Tipp 18:  Schau hin, nicht weg

 

Foto ©Friedensbüro, Workshop Zivilcourage