Friedensgedanke 2.2.2015

Im Jahr 1889 veröffentlichte Bertha von Suttner ihr bahnbrechendes Hauptwerk “Die Waffen nieder”. Zwei Jahre vorher hatte der polyglotte Arzt und Menschenfreund Dr. Ludwig Lazarus Zamenhof in Warschau unter dem Pseudonym “Dr. Esperanto” das Projekt einer Internationalen Sprache herausgebracht, das sich in kurzer Zeit zu einer lebenden Sprache entwickelte und heute in der ganzen Welt verbreitet ist.

Wenngleich die zeitliche Nähe der beiden Publikationen zufällig sein mag, besteht dennoch ein innerer ideeller Zusammenhang.  Zamenhof wollte nämich mit der Internationalen Sprache nicht nur den  praktischen Austausch von Informationen erleichtern, sondern vor allem für die Sprecher einer gemeinsamen neutralen Zweitsprache das Bewußtsein einer transnationalen Identität und Solidarität über alle nationalen Grenzen hinweg begründen. Vom Grundsatz der gleichen Würde und der gleichen Rechte aller Menschen ausgehend, betrachtete er die Menschheit als eine Familie, in der der Geist der Geschwisterlichkeit herrschen sollte. Damit nahm er bereits Art. 1 der Universellen Deklaration der Menschenrechte (1948) vorweg. Bertha von Suttner brachte dem Esperanto große Wertschätzung entgegen. Im Jahr 1912 schrieb sie wie folgt: ” Ich glaube, dass in einem immer mehr anwachsenden Internationalismus, der die Völker der Welt in friedlicher Vereinigung verbinden wird, die Sprache Esperanto das wichtigste Organ darstellt. Die Einführung dieser Sprache als Pflichtgegenstand in allen Schulen ist das nächste anzustrebende Ziel. Wenn dies im sprachlich zerrissenen Österreich-Ungarn erfolgte, würde dies ausgleichend und friedensstiftend wirken! Besonders in einer Zeit im Zeichen der Flugzeuge, der Unterseetunnels und der drahtlosen Telegrafie und des immer stärker werdenden Verkehrs kann man sich die Welt ohne Weltsprache nicht vorstellen.”

Auch ihr Mitstreiter, der Österreicher Alfred Hermann Fried (Friedensnobelpreis 1911), unterstützte Esperanto aktiv und verwendete die Sprache auch praktisch in seiner Tätigkeit. Ebenso brachte auch der russische Schriftsteller Leo Tolstoi mehrfach seine Sympathie und Unterstützung zum Ausdruck.

Dr. Klaus Perko