Friedensgedanke 25.1.2016

…ich hatte den Eindruck, dass Sie zumindest seit zwölf Jahren, seit der Gründung Ihres West-Eastern-Divan-Orchestra, beweisen wollten, dass gemeinsames Musizieren die Menschen friedfertiger stimmen kann.

Ja, das hat ja schon Franz Liszt gesagt. Liszt erwartete von den jungen Leuten, die zu ihm kamen, dass sie durch das Studium der Musik zu besseren Menschen würden. Sie sollten nicht nur Klavier spielen, sie sollten denken lernen und sich vervollkommnen in ihrem Mensch-Sein. Das ist das Ideal. Wir sollten alle danach streben, das zu erreichen. Ob es gelingt oder nicht, ist eine individuelle Frage.

Ich frage Sie!

Mich? Ich wäre wahrscheinlich ein viel schlimmerer Mensch, wenn ich nicht zufällig Musiker wäre! Aber im Ernst, ich glaube fest daran, dass es so ist: dass es einen Zusammenhang geben muss zwischen dem Musizieren und der Menschlichkeit. Wenn ich eine Formel wüsste, wie das genau funktioniert, dann wäre ich glücklich, und sicher wäre ich auch irgendwann Millionär. Ich werde also nicht aufhören, danach zu suchen.

Auszug aus einem Interview von Daniel Barenboim mit der FAZ am 21.1.2016

Marie-Luise Haas, Musiklehrerin, Johann-Joseph-Fux Konservatorium