Friedensgedanke 15.10.2018

straße macht gesellschaft

Sie trennt und verbindet, ist Lebensraum und Machtzentrum, Konfliktzone und Nischengefüge, Geschichtsträgerin, Gegenwartsschafferin, Bewegungsfläche und Kommerzzone, ist Verwüstung und Repräsentation, staubig, flirrend, voller Schlaglöcher, baumbestanden, palastgesäumt, ohrenbetäubend, menschenleer, überquellend, öde, dreckig, herausgeputzt, überwacht, kontrolliert, verwahrlost, digital oder analog, Kriegssschauplatz, Manifestationsfokus, Friedensbewahrerin – all das ist Straße. Zuallererst aber bedeutet Straße Öffentlichkeit in jeder Form. Nirgendwo sonst wird die Verfasstheit einer Gesellschaft so deutlich erkenn-und erfahrbar wie auf der Straße. Diktatur oder Demokratie, Krieg oder Frieden, Armut oder Reichtum, Sichtbarkeit oder Unsichtbarkeit, Mit- oder Gegeneinander – hier wird entschieden.

Evelyn Schalk,  Schriftstellerin, Chefredakteurin der Grazer Wandzeitung ausreißer