Kritik an Mainstream-Pornografie und der Darstellung von Frauen in dieser ist nicht neu. Schon vor Jahrzehnten wurden Bedenken darüber geäußert, wie sich die abwertende Behandlung von Frauen in Pornos auf die Sexualität derjenigen Personen auswirkt, die diese konsumieren – insbesondere auf die der Männer. Wie wir im letzten Beitrag geschlossen haben, ist es tatsächlich möglich, dass sich (besonders sehr häufiger) Pornokonsum von Männern negativ auf deren Ansicht und Behandlung von Frauen auswirken kann. Diese hatten allerdings meist zuvor schon die Möglichkeit, sich selbst mit ihrer Sexualität auseinanderzusetzen und auch Erfahrungen zu sammeln, ohne schon dank Mainstream-Pornos gewisse Erwartungen an ihre Partnerin und den Geschlechtsverkehr zu haben. Noch einmal anders sieht es bei Kindern und Jugendlichen aus, die häufig schon auf pornografische Inhalte stoßen, bevor sie überhaupt die Möglichkeit hatten, ihre eigene Sexualität auszubilden und kennenzulernen.

Jeder, der schon einmal eine Suchanfrage auf Google oder einem anderen Browser unglücklich formuliert hat, weiß ganz genau, wie leicht es ist, versehentlich auf Pornografie zu stoßen. Zwar haben viele Suchmaschinen inzwischen einen eingebauten Familienfilter, dieser lässt sich aber oft schon mit einem einzigen Klick ausschalten. Obendrein legen Mainstream-Plattformen für Pornografie nur sehr begrenzt Wert darauf, dass auch tatsächlich nur Benutzer:innen Zugriff auf ihre Inhalte haben, weswegen man häufig nicht einmal sein Alter bestätigen muss, bevor man frei durch unzählige Seiten voll mit teils sehr harten Pornos surfen darf.

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So kann es also sehr leicht passieren, dass Kinder und Jugendliche schon sehr früh mit Mainstream-Pornografie konfrontiert werden, ohne aktiv nach dieser gesucht zu haben. Später, im Teenager-Alter, stellt Pornografie dann auch einen oft von den Eltern implizit oder explizit verbotenen Reiz dar, der besonders Burschen anlockt. Fest steht jedenfalls: Egal, ob Kinder und Jugendliche versehentlich über Pornografie stolpern, von ihren Freunden Pornos geschickt bekommen oder aktiv danach suchen – früher oder später hat fast ein jeder und eine jede unter 18 Bekanntschaft mit Mainstream-Pornografie gemacht.

Da Kinder und Jugendliche selten schon Erfahrung mit Geschlechtsverkehr haben, wenn sie Mainstream-Pornografie konsumieren, tun sie sich häufig schwer, zwischen gespielt und real zu unterscheiden. Oft haben sie auch niemanden, an den sie sich mit Fragen zum genauen Ablauf von Sex wenden können, weswegen sie sich in Sachen Aufklärung  einfach auf die gesehenen Inhalte verlassen. Dass ihnen dabei nicht immer klar ist, dass nicht jede Frau auf Beschimpfungen, Ejakulation ins Gesicht und grobes Anpacken steht, kann durchaus zu sehr verzerrten Vorstellungen der Wirklichkeit führen.

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Besonders auf junge Burschen kann der Konsum von Mainstream-Pornografie zu nachhaltigen Störungen ihres Sexualverhaltens führen. Je früher sie beispielsweise damit beginnen, Pornos anzuschauen, desto eher kann es passieren, dass sie große Schwierigkeiten beim Aufbauen von intimen Beziehungen mit realen Mädchen und später Frauen haben. In Beziehungen selbst sind die betroffenen Burschen von „normalem“ Sex sehr häufig enttäuscht und empfinden diesen als unbefriedigend, weswegen sie oft Pornos gegenüber Geschlechtsverkehr mit einer echten Person bevorzugen. Auch Erektionsprobleme und Orgasmusstörungen können Folgen von (intensivem) Pornokonsum sein, der bereits sehr früh gestartet hat. Schließlich deutet auch vieles auf einen Zusammenhang zwischen dem Konsum von Mainstream-Pornos, Einsamkeit, Angstzuständen und depressiven Symptomen hin – allesamt unangenehme Begleiterscheinungen, die man Kindern und Jugendlichen in ihrer Zukunft lieber ersparen würde.

Es ist allerdings nun keine ideale Lösung, Kindern und Jugendlichen Pornografie zu verbieten und sie zu bestrafen, sollten sie beim Konsum dieser ertappt werden. Dies macht einerseits die pornografischen Inhalte nur umso interessanter und hilft ihnen andererseits nicht dabei, zu verstehen, was falsch mit vielen Bildern ist, derer sich Mainstream-Plattformen häufig bedienen. Stattdessen ist es wichtig, es Kindern und Jugendlichen zu ermöglichen, ohne Schamgefühl Fragen über Sexualität stellen zu können und auch ehrliche Antworten darauf zu erhalten. Ihnen eine Alternative zu Pornos als ausführliche Aufklärung anzubieten, hilft ihnen dabei, ihre Sexualität auf explorative Weise und nicht ausschließlich von Mainstream-Pornos geprägt zu entwickeln.

Quellen:
https://aifs.gov.au/publications/effects-pornography-children-and-young-people-snapshot
https://www.theguardian.com/lifeandstyle/2010/jul/02/gail-dines-pornography
https://www.br.de/extra/respekt/frauenfeindlichkeit-ehrenmord-sexismus-pornografie100.html
https://www.suedkurier.de/ueberregional/panorama/Pornografie-im-Internet-Welche-Folgen-kann-der-Konsum-fuer-Jugendliche-haben;art409965,10154988
https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/pornographie-als-massenphaenomen-wie-schaedlich-sind-pornos-16798590.html
https://www.sat1.at/tv/sexucation/welche-auswirkungen-haben-pornos-auf-kinder-jugendliche-109826
PORNOGRAPHY AND RESPECT FOR WOMEN on JSTOR

Von: Miriam

29. April 2022

Bild: Eliott Reyna auf Unsplash

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