30 Tipps für ein friedliches Zusammenleben

Im Jahr 2018 wurde das Friedensbüro 30 Jahre alt und dieses Jubiläum wurde zum Anlass genommen, um 30 Tipps für ein friedliches Miteinander zu formulieren. Pro Jahr Friedensbüro 1 Tipp. Die Tipps stammen aus jenen Bereichen, in denen im Laufe der vergangen 30 Jahre Erfahrungen gesammelt werden konnten. Insgesamt sind es sieben große Themenbereiche geworden. Das reicht vom Umgang miteinander, guter Nachbarschaft und Zivilcourage über das globale Denken und lokale Handeln bis hin zur gemeinsamen Konfliktlösung, zur kritischen Auseinandersetzung mit Informationen und schlussendlich zum Schutz der Menschenrechte.

Jeder dieser sieben Bereiche wird mit einem Artikel eingeleitet, die dazugehörigen Tipps folgen im Anschluss. Ergänzend zu jedem Tipp gibt es noch Hintergrundinformationen, weiterführende Links, Geschichten etc. am Blog des Friedensbüros.

Eine Kurzfassung der 30 Tipps ist im Friedensbüro oder in den Servicestellen der Stadt Graz erhältlich.

Foto ©Christina Hauszer

Warum der Umgang miteinander für das Funktionieren einer Gruppe entscheidend ist

Jeder Mensch ist anders – ein Individuum, mit ganz eigenen Bedürfnissen, Gedanken und Vorstellungen von der Welt da draußen. Was den Einen glücklich macht, ist für die Andere womöglich ein Alptraum. Und umgekehrt. Wir sind alle verschieden, und das ist auch gut so. Aber genau diese Unterschiede können im täglichen Umgang miteinander zu Missverständnissen, Reibereien führen, am Ende sogar im Streit enden. Nicht immer fällt es leicht, das Gegenüber und seine Absichten zu verstehen. Wie oft reden wir aneinander vorbei, schauen in brenzligen Situationen weg, verletzen Andere mit dem, was wir tun? Das Miteinander erfordert bestimmte Regeln und Umgangsformen, ein gewisses Maß an Empathie und Rücksichtnahme, den Mut, sich gegenüber anderen zu öffnen und Negatives zu thematisieren.

Unser Leben, das spielt sich innerhalb bestimmter Gruppen ab – menschliche Zusammenschlüsse mit ähnlichen Zielen, Anforderungen oder Interessen. Ganz gleich ob in der Schule, in der Arbeit, im Freizeitverein oder in der Nachbarschaft, überall finden wir uns in Gruppierungen wieder, die nach ganz bestimmten gesellschaftlichen Normen, Wertvorstellungen und Dynamiken funktionieren. Sie geben uns Sicherheit, sollten die Gruppe im besten Fall zum gemeinsamen Erfolg führen. Da wir bei solchen Bündnissen jedoch meist willkürlich zusammengewürfelt werden, jeder von uns andere Vorstellungen und Ideen mit einbringt, ist das Konfliktpotential durchaus gegeben. Gegenseitiger Erfahrungsaustausch, die Besprechung und Erstellung gemeinsamer Regeln und der respektvolle Umgang miteinander können in brenzligen Situationen durchaus hilfreich sein. Eine Gruppe ist nur so stark wie ihr schwächstes Mitglied, und so hat der Umgang miteinander einen wesentlichen Einfluss auf den Erfolg und die Qualität derselben.

In den folgenden Beiträgen geht es um Vorschläge, mögliche Handlungsweisen, die das Funktionieren einer Gruppe positiv beeinflussen können. Dabei geht es um Regeln, deren Entstehung und die Wichtigkeit von Konsequenzen. Aber auch um Beziehungsaufbau zu Menschen innerhalb einer Gruppe und die Notwendigkeit negative Erfahrungen und Umgangsformen wie Mobbing zur Sprache zu bringen.

Tipp 1: Ohne Regeln geht´s nicht. Ohne Konsequenzen und Vorbildwirkung auch nicht.

Tipp 2: Ohne Beziehung ist vieles schwieriger.

Tipp 3: Darüber reden hilft!

Tipp 4: Jeder Mensch empfindet anders.

Tipp 5: Alle sollen Bescheid wissen!

Foto: ©Friedensbüro, Workshop Gemeinschaftsbildung

Warum zu einer guten Nachbarschaft alle etwas beitragen können

Jeder Mensch braucht einen Ort, an dem er sein darf, sich wohlfühlt. Kinder, Jugendliche, Familien, Ältere, Singles, Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. Alle. Gleichzeitig steht aber immer weniger Platz zur Verfügung. Die Menschen haben kaum Raum, sich irgendwo aufzuhalten. Ungezwungen, ohne etwas konsumieren zu müssen, einfach so. Und wenn, dann sind diese Orte wenig gestaltet, meist nur für eine einzige Zielgruppe konzipiert. Eine kleine Sandkiste und ein Schaukelpferd im Innenhof der Siedlung müssen reichen, für alle! Da werden die Bedürfnisse Vieler außer Acht gelassen. Vor allem aber die der Jugendlichen. Oft gibt es nicht einmal ein Bankerl zum Ausruhen. Wenn dann beengter Raum auf unterschiedliche Bedürfnisse trifft, wird es schwierig. Konflikte sind vorprogrammiert.

Jetzt kann man sich natürlich beschweren, Andere für die Lösung eines Problems verantwortlich machen, oder sich frustriert zurückziehen – warum sollte gerade ich etwas tun? Man wäre in guter Gesellschaft. Immerhin ist Österreich als Nation der Raunzer bekannt. Gleichzeitig liegen wir mit der Anzahl der ehrenamtlich engagierten Menschen im EU-Spitzenfeld. 46% aller über 15-jährigen engagiert sich. Ob bei der Feuerwehr, Rettung, Pfarrcaritas, im Umweltschutz, bei Jugendorganisationen oder im Tierschutz. Es wird also nicht bloß gesudert. Viele von uns setzen sich auch für die Umwelt ein, nehmen die Dinge in die Hand.

Warum nicht auch in der Nachbarschaft? Vom Raunzen zum Tun!

Der Eine schaut mal schnell auf die Kinder der Nachbarin, die Andere initiiert einen Gemeinschaftsgarten, das Mädchen von nebenan erledigt den Einkauf für den Herrn gegenüber und der junge Student hilft bei den Hausübungen. Vorhandene Probleme werden in die Hand genommen, die Ärmel hochgekrempelt. Gemeinsam auf der Suche nach Alternativen! Und wenn es unterschiedliche Vorstellungen über die Nutzung von Gemeinschaftsflächen gibt? Dann braucht es Gespräche zwischen den verschiedenen Gruppen. So kann gemeinsam nach möglichen Lösungen gesucht werden. Wie könnte zum Beispiel das Bewegungsbedürfnis der Schulkinder und der Wunsch nach einem ruhigen Plauscherl der Damenrunde unter einen Hut passen können. Das Friedensbüro kann dabei unterstützen.

In den folgenden Tipps geht es um Vorschläge für eine gelungene Nachbarschaft, Ideen, die jeder Mensch im eigenen Umfeld anwenden kann. Vom Volksschulkind bis zur Seniorin, von der Hausbesorgerin bis zum neu zugezogenen Nachbarn. Nachbarschaft geht uns alle an!

Tipp 6: Der öffentliche Platz gehört uns allen

Tipp 7: Geschmäcker sind verschieden.

Tipp 8: Grüßen tut nicht weh

Tipp 9: Nur Jammern bringt uns nicht weiter

Tipp 10: Die Nachbarschaft bietet viele Möglichkeiten  

 

Foto ©Friedensbüro, Floßlendsiedlung

Warum wir global denken und lokal handeln sollen

Europa kümmert sich. Aber nur dann, wenn es die Union selbst betrifft, wenn die großen Probleme unserer Welt europäischen Boden betreten. Dass der Kontinent viele Konflikte, Armut, Migration oder Umweltverschmutzung mitverursacht wird ebenso ignoriert, wie die Tatsache, dass die Welt heute miteinander verstrickt ist. Politik, Handel, Kommunikation, sie alle werden international betrieben. Europa muss also hinsehen, Verantwortung übernehmen. Für die eigene, auf Grund der hohen Umweltauflagen, abgewanderte Schwerindustrie zum Beispiel, die nun die Umwelt Anderer verpestet. Unser Handeln hat Konsequenzen. Immer!

Wenn also Österreich Lebensmittel aus dem Süden bezieht, seine Tiere mit argentinischem Soja ernährt und Arbeit in Niedriglohnländer auslagert, so hat das Folgen. Folgen, die meist weitreichender sind, als es uns lieb ist. Die europäische Handelspolitik mag für Österreich praktisch sein. Andere Länder jedoch treibt sie in den Ruin. Deutlich wird das am Beispiel einer einfachen Frucht – der Tomate. Viele ihrer Artgenossen kommen aus Spanien. Almería, um genau zu sein. Unter einer schier unendlichen Plastikdecke wächst sie neben anderem Sommergemüse. Ganzjährig. Immer. 30.000 Hektar waren es im Vorjahr. „Mar de Plástico“ nennen es die Einheimischen – ein Meer aus Plastik. Von hier aus wird in großem Stil exportiert. Nach Österreich, Afrika, in die ganze Welt. Durch Handelsabkommen ist es der EU möglich, Produkte ohne Probleme in andere Länder einzuführen, um sie dort kostengünstig weiterzuverkaufen. So auch in Ghana. Einheimische Gemüsebauern können bei diesen Preisen kaum mithalten. Auf dem Markt wird das weitgereiste Billiggemüse dem lokalen vorgezogen. Die Landwirte können sich so kaum noch über Wasser halten, geben auf. Auf der Suche nach einer neuen Perspektiven fliehen viele dann nach Europa und landen auf Grund unserer Flüchtlingspolitik genau dort, wo alles seinen Anfang fand – als Tagelöhner im Plastikgarten Europas. In Almería.

Was hat das alles nun mit uns, mit Österreich zu tun? Wir kaufen Sommergemüse. Im Winter. Und mit jedem Kauf unterstützen wir nicht nur ausbeuterische Agrarkonzerne. Nein. Auch wir ruinieren uns damit den eigenen Markt. Ganz zu schweigen von der katastrophalen Umweltbilanz, die importierte Lebensmittel mit sich bringen. Alle sind gefragt, verantwortlich für die weite Welt da draußen. Jede und jeder von uns. Und so geht es in den folgenden Wochen gemeinsam mit FairStyria um Nachhaltigkeit, Fairness. Darum, dass wir global denken, aber lokal handeln müssen.

Tipp 11:  Lokales vor Billigimporten

Tipp 12: So wenig Plastik wie möglich

Tipp 13: Faire Mode statt Wegwerfkleidung

Tipp 14: Ein kleiner Beitrag für die Umwelt 

 

Foto ©Friedensbüro, Graz Multiculti 06

Warum sich zuständig fühlen, uns allen hilft

Ein Bus. Eine Straßenbahn. Die Menschen stehen. Sitzen. Einige unterhalten sich. Andere blicken gedankenversunken aus dem Fenster. Viele mit Kopfhörern in den Ohren. Ob sie hören würden, wenn neben ihnen etwas im Gange wäre? Menschen beschimpft, unrechtmäßig behandelt würden oder einfach nur Hilfe bräuchten? Wieder andere starren gebannt auf den Bildschirm in ihrer Hand. Sie spielen, lesen Nachrichten, scrollen durch den Feed von Facebook und Co, wirken wie in einer anderen Welt, für sich allein. Und obwohl es mittlerweile Alltag ist, man sich selbst nur zu allzu oft dabei ertappt – befremdlich ist dieser Anblick allemal.

Aber nicht nur in den Öffis wirken die Menschen so, als würden sie sich zunehmend zu Einzelkämpfern entwickeln. Am Gehweg, im Park, ja sogar in den Autos. Viele sind allein, nur mit ihrem eigenen Leben beschäftigt, ja fast schon ein wenig entsolidarisiert.

Und das obwohl wir im Grunde alle als solidarische Wesen zur Welt kommen, von Natur aus hilfsbereit sind. Heute hingegen wirken wir oft wie das real gewordene Sinnbild der drei Affen – Augen verschließen, Klappe halten, ja nicht zu viel hören. Vor kurzem haben die drei auch noch Gesellschaft eines vierten bekommen. Der Affe, der unentwegt auf sein Handy starrt. Wann haben wir vergessen, dass es außer uns auch noch andere gibt?

Es wäre so vieles leichter – die Arbeit, unser Alltag – wenn wir wieder aufmerksamer wären, auch mal aufblicken würden, uns nicht ausschließlich um uns kümmerten. Wir könnten so vieles sehen: Die Dame zum Beispiel, die verzweifelt den Haltegriff in der Bim umklammert, den blinden Mann, der am Bahnhof nach der richtigen Station sucht, den kleinen Buben, der von einer Gruppe Kinder ausgelacht wird. In einer Zeit, in der wir zunehmend auf uns allein gestellt sind, Druck und Konkurrenzkampf immer weiter um sich schlagen ist soziale Aufmerksamkeit, Zivilcourage wichtiger denn je. Da geht es um die Wahrnehmung von Situationen, in denen Menschen vielleicht Hilfe brauchen könnten. Das funktioniert aber nur dann, wenn wir aufmerksam sind, ab und zu auch mal einen Blick nach außen werfen, die eigene Komfortzone verlassen.

Zivilcourage kann trainiert werden. Ähnlich wie ein Muskel muss auch der wörtlich übersetzte Bürgermut geübt werden. In der Gruppe oder auch allein. Wie das gelingt, ist Inhalt der folgenden Tipps.

Tipp 15: Misch dich ein, aber misch nicht auf

Tipp 16: Hilfe braucht Hilfe

Tipp 17:  Mehr Köpfchen, weniger Muskelspiel

Tipp 18:  Schau hin, nicht weg

 

Foto ©Friedensbüro, Workshop Zivilcourage

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