Warum wir global denken und lokal handeln sollen

Europa kümmert sich. Aber nur dann, wenn es die Union selbst betrifft, wenn die großen Probleme unserer Welt europäischen Boden betreten. Dass der Kontinent viele Konflikte, Armut, Migration oder Umweltverschmutzung mitverursacht wird ebenso ignoriert, wie die Tatsache, dass die Welt heute miteinander verstrickt ist. Politik, Handel, Kommunikation, sie alle werden international betrieben. Europa muss also hinsehen, Verantwortung übernehmen. Für die eigene, auf Grund der hohen Umweltauflagen, abgewanderte Schwerindustrie zum Beispiel, die nun die Umwelt Anderer verpestet. Unser Handeln hat Konsequenzen. Immer!

Wenn also Österreich Lebensmittel aus dem Süden bezieht, seine Tiere mit argentinischem Soja ernährt und Arbeit in Niedriglohnländer auslagert, so hat das Folgen. Folgen, die meist weitreichender sind, als es uns lieb ist. Die europäische Handelspolitik mag für Österreich praktisch sein. Andere Länder jedoch treibt sie in den Ruin. Deutlich wird das am Beispiel einer einfachen Frucht – der Tomate. Viele ihrer Artgenossen kommen aus Spanien. Almería, um genau zu sein. Unter einer schier unendlichen Plastikdecke wächst sie neben anderem Sommergemüse. Ganzjährig. Immer. 30.000 Hektar waren es im Vorjahr. „Mar de Plástico“ nennen es die Einheimischen – ein Meer aus Plastik. Von hier aus wird in großem Stil exportiert. Nach Österreich, Afrika, in die ganze Welt. Durch Handelsabkommen ist es der EU möglich, Produkte ohne Probleme in andere Länder einzuführen, um sie dort kostengünstig weiterzuverkaufen. So auch in Ghana. Einheimische Gemüsebauern können bei diesen Preisen kaum mithalten. Auf dem Markt wird das weitgereiste Billiggemüse dem lokalen vorgezogen. Die Landwirte können sich so kaum noch über Wasser halten, geben auf. Auf der Suche nach einer neuen Perspektiven fliehen viele dann nach Europa und landen auf Grund unserer Flüchtlingspolitik genau dort, wo alles seinen Anfang fand – als Tagelöhner im Plastikgarten Europas. In Almería.

Was hat das alles nun mit uns, mit Österreich zu tun? Wir kaufen Sommergemüse. Im Winter. Und mit jedem Kauf unterstützen wir nicht nur ausbeuterische Agrarkonzerne. Nein. Auch wir ruinieren uns damit den eigenen Markt. Ganz zu schweigen von der katastrophalen Umweltbilanz, die importierte Lebensmittel mit sich bringen. Alle sind gefragt, verantwortlich für die weite Welt da draußen. Jede und jeder von uns. Und so geht es in den folgenden Wochen gemeinsam mit FairStyria um Nachhaltigkeit, Fairness. Darum, dass wir global denken, aber lokal handeln müssen.

Tipp 11:  Lokales vor Billigimporten

Tipp 12: So wenig Plastik wie möglich

Tipp 13: Faire Mode statt Wegwerfkleidung

Tipp 14: Ein kleiner Beitrag für die Umwelt 

 

Foto ©Friedensbüro, Graz Multiculti 06

Warum sich zuständig fühlen, uns allen hilft

Ein Bus. Eine Straßenbahn. Die Menschen stehen. Sitzen. Einige unterhalten sich. Andere blicken gedankenversunken aus dem Fenster. Viele mit Kopfhörern in den Ohren. Ob sie hören würden, wenn neben ihnen etwas im Gange wäre? Menschen beschimpft, unrechtmäßig behandelt würden oder einfach nur Hilfe bräuchten? Wieder andere starren gebannt auf den Bildschirm in ihrer Hand. Sie spielen, lesen Nachrichten, scrollen durch den Feed von Facebook und Co, wirken wie in einer anderen Welt, für sich allein. Und obwohl es mittlerweile Alltag ist, man sich selbst nur zu allzu oft dabei ertappt – befremdlich ist dieser Anblick allemal.

Aber nicht nur in den Öffis wirken die Menschen so, als würden sie sich zunehmend zu Einzelkämpfern entwickeln. Am Gehweg, im Park, ja sogar in den Autos. Viele sind allein, nur mit ihrem eigenen Leben beschäftigt, ja fast schon ein wenig entsolidarisiert.

Und das obwohl wir im Grunde alle als solidarische Wesen zur Welt kommen, von Natur aus hilfsbereit sind. Heute hingegen wirken wir oft wie das real gewordene Sinnbild der drei Affen – Augen verschließen, Klappe halten, ja nicht zu viel hören. Vor kurzem haben die drei auch noch Gesellschaft eines vierten bekommen. Der Affe, der unentwegt auf sein Handy starrt. Wann haben wir vergessen, dass es außer uns auch noch andere gibt?

Es wäre so vieles leichter – die Arbeit, unser Alltag – wenn wir wieder aufmerksamer wären, auch mal aufblicken würden, uns nicht ausschließlich um uns kümmerten. Wir könnten so vieles sehen: Die Dame zum Beispiel, die verzweifelt den Haltegriff in der Bim umklammert, den blinden Mann, der am Bahnhof nach der richtigen Station sucht, den kleinen Buben, der von einer Gruppe Kinder ausgelacht wird. In einer Zeit, in der wir zunehmend auf uns allein gestellt sind, Druck und Konkurrenzkampf immer weiter um sich schlagen ist soziale Aufmerksamkeit, Zivilcourage wichtiger denn je. Da geht es um die Wahrnehmung von Situationen, in denen Menschen vielleicht Hilfe brauchen könnten. Das funktioniert aber nur dann, wenn wir aufmerksam sind, ab und zu auch mal einen Blick nach außen werfen, die eigene Komfortzone verlassen.

Zivilcourage kann trainiert werden. Ähnlich wie ein Muskel muss auch der wörtlich übersetzte Bürgermut geübt werden. In der Gruppe oder auch allein. Wie das gelingt, ist Inhalt der folgenden Tipps.

Tipp 15: Misch dich ein, aber misch nicht auf

Tipp 16: Hilfe braucht Hilfe

Tipp 17:  Mehr Köpfchen, weniger Muskelspiel

Tipp 18:  Schau hin, nicht weg

 

Foto ©Friedensbüro, Workshop Zivilcourage

Warum Konflikte besser gemeinsam gelöst werden

Konflikt kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „zusammentreffen“, „kämpfen“. Und genau das kann passieren, wenn Menschen einander begegnen. Dabei prallen unterschiedliche Interessen, Wertvorstellungen, Ziele aufeinander, die auf den ersten Blick unvereinbar scheinen. Dass es unter uns manchmal „kracht“ ist völlig natürlich, kann schon mal vorkommen. Der Konflikt an sich, ist also noch lange nichts Schlechtes – es kommt immer darauf an, wie wir am Ende damit umgehen. Schalten wir auf stur, hören dem Gegenüber gar nicht mehr zu, wiederholen selbst nur gebetsmühlenartig unsere Haltung? Oder sind wir offen für eine Diskussion, bleiben sachlich, versuchen uns in andere hineinzuversetzen? Leicht ist es nicht immer, und wie so oft, bedarf es auch hier Übung.

Empathie, also die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, spielt in der Konfliktlösung eine wichtige Rolle. Es geht darum, das Gegenüber zu sehen, Verständnis für die jeweils andere Meinung aufzubringen. Weshalb denken andere anders als man selbst? Warum sehen sie die Dinge aus einer völlig fremden Perspektive? Man kann sie üben, im Alltag trainieren – die Fähigkeit, sich in Menschen hineinzuversetzen. In der Straßenbahn, im Bus, in der Fußgängerzone, , überall da, wo viele Leute unterwegs sind. Genau hier können wir sie beobachten, versuchen zu verstehen, weshalb sie so handeln, wie sie es tun. Kinder hingegen können in ihrem Einfühlungsvermögen ebenfalls unterstützt werden. Geschichten über unterschiedliche Menschen und Situationen helfen, den Erfahrungshorizont der Kleinen zu erweitern.

Doch es ist nicht nur die Empathie, die beim Konfliktlösen hilft. Dafür braucht es auch die Bereitschaft aller Beteiligten, die jeweiligen Argumente anzuhören, nicht nur auf den eigenen zu beharren. Sturheit hat noch keine Auseinandersetzung aus dem Weg geschafft. Zusätzlich braucht es den Willen aller, gemeinsam nach einer Lösung zu suchen. Dafür ist es wichtig, die Angelegenheit in ruhiger Atmosphäre zu besprechen – dann, wenn die Emotionen weitestgehend abgeklungen sind. Gefühle wie Wut oder Enttäuschung können im Gespräch zwar erwähnt, sollten aber vom eigentlichen Konfliktthema strikt getrennt werden. Wer sich allein nicht wohlfühlt, kann im Einverständnis aller, eine neutrale Person hinzuziehen. Diese versucht zu vermitteln, in einer konstruktiven Gesprächsführung zu unterstützen.

Manchmal ist es wichtig zu schweigen, doch in Konfliktsituationen ist allemal besser, den Mund aufzumachen, darüber zu reden, das Problem gemeinsam aus der Welt zu schaffen – wenn das gelingt, gewinnen alle, wachsen wir wieder ein Stückchen zusammen.

Tipp 19: Aus Sicht des anderen wird vieles verständlicher

Tipp 20: Gerüchte gehören gefiltert

Tipp 21: Schweigen hilft nicht immer.

Tipp 22: Nachfragen kann vorbeugen 

 

Foto: ©Friedensbüro, Konfliktlehrgang für BezirksrätInnen

 

Warum ein kritischer Umgang mit Informationen gefragt ist

Quellen gibt es viele. Vertrauenswürdige, nachvollziehbare, undurchsichtige, nicht ganz korrekte … Die Liste ist lang, die Auswahl groß. Wir finden sie heute nicht nur in großen Bibliotheken, dicken Büchern, vergilbten Dokumenten und alten Schriftstücken. Längst hat sich das Angebot vervielfacht. Es ist leichter geworden, Informationen zu bestimmten Themen zu finden. Ob Bücher, Zeitungen, Magazine, Dokumentationen – das alles gibt es nun auch online, mobil, für unterwegs. Wir können also jederzeit, immer, Dinge suchen, finden, nachlesen. Google, Ecosia und Co. sei Dank.

Einen Haken hat die Sache aber doch. Es ist uns mittlerweile möglich, Artikel, Nachrichten, vermeintliche Fakten selbst zu veröffentlichen. Wir alle können Wikipedia-Einträge erstellen, Meldungen über diverse Social-Media-Kanäle verbreiten, eigene Seiten zu beliebigen Themen veröffentlichen. Manches wird zwar überprüft, Fotos – wenn nicht jugendfrei – auf Social-Media-Plattformen entfernt. Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit auf Falschmeldungen zu stoßen relativ hoch. Da fällt es schwer, den Überblick zu behalten. Was stimmt nun wirklich?

Zusätzlich ist es durch Photoshop und diverse Schnittprogramme heute möglich, Interviews, Fotos, Videoclips so zu verändern, dass die Fälschung auf den ersten, ja sogar zweiten Blick gar nicht erst auffällt. Und immer wieder gibt es Leute, die genau das für sich und ihre Zwecke nutzen. Da werden Geschichten uminterpretiert, instrumentalisiert, um Stimmung zu machen, Politikerinnen und Politiker Dinge in den Mund gelegt, die sie niemals gesagt haben, alternative Fakten so veröffentlicht, dass sie den Anschein erwecken, sie wären von einer etablierten Quelle herausgegeben worden.

Solche Falschmeldungen gab es zwar schon immer – seit Menschengedenken werden Geschichten erfunden, anders interpretiert, umgedacht und mit viel Fantasie weitererzählt.  Allerdings nicht in der Geschwindigkeit und Effektivität, mit der sie heute verbreitet werden.

Deshalb ist es wichtig, Augen und Ohren offen zu halten, nicht alles für bare Münze zu nehmen. Informationen hinterfragen, Quellen auf ihre Glaubwürdigkeit überprüfen, die Meinungen von verschiedenen Menschen einholen, kann helfen, sich im dichten Dschungel der Informationsflut zurecht zu finden. Die folgenden Tipps stehen ganz im Zeichen des „kritisch sein“.

Tipp 23: Quellen gehören überprüft

Tipp 24: Meinung bilden braucht Zeit

Tipp 25: Das Internet vergisst nicht.

Tipp 26: Kommentieren mit kühlem Kopf

 

Foto: ©Friedensbüro, Aktionswoche 30Jahre

Warum der Schutz der Menschenrechte für uns alle Freiheit bedeutet

Wir sind alle anders, Individuen mit unseren ganz eigenen Träumen, Vorstellungen und Ideen für die Welt da draußen. Ein bunter Haufen an Kulturen, Ländern und Menschen. Doch es gibt etwas, das uns eint, eine Gemeinsamkeit, die über alle Grenzen hinweg verbindet, egal ob hell- oder dunkelhäutig, unabhängig von Zugehörigkeit, Religion, Geschlecht, Alter oder sexueller Orientierung – die Menschenrechte gelten für alle gleichermaßen. Sie sind angeboren, stehen uns allein auf Grund unseres Menschseins zu. Am 10. Dezember feiern sie Geburtstag. Am 10. Dezember werden sie 70 Jahre alt.

Doch was gehört eigentlich zu den Menschenrechten? Sind sie tatsächlich für uns alle gültig? Und wer ist für deren Einhaltung verantwortlich? In der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte findet sich unter anderem das Verbot von Sklaverei und Zwangsarbeit, der Schutz vor Folter, das Recht auf Meinungs- Gewissens- und Religionsfreiheit, das Recht auf eine gerechte Entlohnung, die Gleichberechtigung von Mann und Frau, das Recht auf einen angemessenen Lebensstandard, auf Bildung, das Recht auf eine saubere Umwelt, auf Frieden.

Schnell wird klar, dass viele dieser Rechte auch heute noch mit Füßen getreten werden, bloß am Papier stehen. In Amerika zum Beispiel wo die Folter nach den Anschlägen des 11. September 2001 wiedereingeführt wurde. In China, Bangladesch, im Kongo, wo Menschen unter widrigsten Bedingungen arbeiten, wie Sklaven gehalten werden. Was das mit uns zu tun hat? Wir sind heute alle vernetzt, kaufen Lebensmittel, Kleidung, technische Geräte aus der ganzen Welt. Und so sind es unsere Entscheidungen, die die Welt prägen, zu dem machen, was sie heute ist. Wir sind mitverantwortlich, geben mit jedem Kauf unser Einverständnis dafür, wie die Menschen hinter den Produkten behandelt werden.

Es ist also auch deine, meine, unsere Aufgabe, für die Menschenrechte aufzustehen, deren Umsetzung einzufordern. Nicht nur in China, Bangladesch, im Kongo. Auch bei uns. Denn auch in Österreich gibt es immer noch Menschen, die auf Grund ihrer Herkunft, ihres Glaubens diskriminiert werden, Frauen, die bei gleicher Arbeit weniger verdienen, als Männer. Die Menschenrechte müssen immer wieder aufs Neue überprüft und verteidigt werden, denn auch wenn sie für die Meisten von uns hier in Österreich bereits zum Alltag gehören, ist ihre Umsetzung noch lange nicht selbstverständlich, kann es immer wieder auch zu Rückschritten kommen.

Tipp 27: Jeder Mensch verdient Respekt

Tipp 28: Offenheit macht Neues möglich

Tipp 29: Nein ist nein

Tipp 30: Menschenrechte gehören verteidigt – überall

 

Foto: ©Friedensbüro, Workshop mit Lehrlingen