In Zeiten, in denen die Spaltung von Menschen befeuert und gewaltfreier Widerstand kleingeredet wird, zeigt die Forschung von Maria Stephan und Erica Chenoweth, dass es unsere größte Herausforderung ist, Spaltung zu überwinden und gemeinsam für einen positiven Wandel einzutreten.

Gemeinsam mit Maria J. Stephan verfasste Erica Chenoweth das Buch Why Civil Resistance Works. Chenoweth und Stephan organisierten ein internationales Team von Wissenschaftlern, um alle wichtigen gewalttätigen und gewaltfreien Bemühungen um einen Regierungswechsel im zwanzigsten Jahrhundert zu ermitteln. Sie übersetzten die Ergebnisse in eine Theorie des zivilen Widerstands und dessen Erfolgsquote bei politischen Veränderungen im Vergleich zum gewaltsamen Widerstand. Ihr Team verglich über 200 gewaltsame Revolutionen und über 100 gewaltfreie Kampagnen. Ihre Daten zeigen, dass 26 % der gewaltsamen Revolutionen erfolgreich waren, während 53 % der gewaltfreien Kampagnen erfolgreich waren. Betrachtet man zudem die Veränderungen in der Demokratie, so zeigt sich, dass Gewaltlosigkeit die Demokratie fördert, während Gewalt die Tyrannei begünstigt. In den Forschungsdaten war jede Kampagne, an der sich mindestens 3,5 Prozent der Bevölkerung aktiv beteiligten, erfolgreich, und viele waren auch mit geringerer Beteiligung erfolgreich. Alle Kampagnen, die diese Schwelle erreichten, waren gewaltfrei; keine gewalttätige Kampagne erreichte diese Schwelle. (Wikipedia)

Chenoweth führt in einem Nebensatz an, dass der gewaltfreie Widerstand wirkt, weil er vielen Menschen die Möglichkeit gibt, Sicherheit in der Masse zu finden und sich gegenseitig zu stärken. Was die Studie nicht untersuchte, war, wie man gesellschaftliche Spaltung überbrückt und wieder das gemeinsame Bemühen um Verbesserung ins Zentrum rückt. Dialog und die Bereitschaft zu Kompromissen im Bewusstsein, dass viele Wege zum Ziel führen, sind die Voraussetzung für eine Gesellschaft, um sich weiterzuentwickeln. Das harte Aufeinanderprallen von Ideologien und unverrückbaren Positionen, errichtet dahingegen Wagenburgen und führt zu Stillstand. Den ethischen Rahmen für diesen Dialog haben wir mit der Aufnahme der internationalen Erklärung der Menschenrechte in den Verfassungsrang geschaffen.

In diesem Vortrag, der mittlerweile 9 Jahre alt ist, macht Chenoweth ein mächtiges Plädoyer für Gewaltfreiheit, um gesellschaftliche Veränderung zu erreichen. (Video in englischer Sprache)

 

2 Kommentare

  1. Barbara Kasper 7. Februar 2024 at 10:03 - Reply

    Liebe Jutta, zielgenau! Wir haben heute die Nachbesprechung der Demo, und jetzt weiß ich, wie ich zitieren und argumentieren kann!

    Liebe Grüße

    Barbara

  2. Barbara 12. Mai 2024 at 8:18 - Reply

    Gewaltlosigkeit muss wohl in der Kindererziehung beginnen. Ich verfolge mit Interesse die Arbeit des Wiener Friedensforschers Franz Jedlicka, der die Ursachen von Kriegen in einer “Kultur der Gewalt” in verschiedenen Ländern untersucht (Gewalt gegen Kinder und Frauen, u.a.). Den Fokus Kinderrechte und Frauenrechte hat die Friedensbewegung leider bisher nicht, soweit ich informiert bin.

    Barbara

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Von: Jutta

7. Februar 2024

Bild: Bundesarchiv, Bild 183-1989-1023-022 / Friedrich Gahlbeck / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 DE, via Wikimedia Commons

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