Sie lieben Katzenvideos? Wir auch. Katzen kann man einfach nicht böse sein. Nicht selten sorgen die Stubentiger aber auch für Probleme und Konflikte in Nachbarsiedlungen. In diesem Blogbeitrag geht es daher um die Rechte und Pflichten von KatzenhalterInnen.

Sie haben vier Pfoten, (angeblich) neun Leben und faszinieren uns schon immer: Die Rede ist von Katzen. Ihre Ortstreuheit und Eigenständigkeit macht sie zu pflegeleichten Haustieren. Doch was tun, wenn plötzlich ein Kratzer im Lack des teuren Neuwagens ist, ein toter Koi auf der Veranda liegt oder Katzenkot das Gemüsebeet verunreinigt? Fragen, die wir in diesem Blogbeitrag klären. Wie so oft bei strittigen Fällen gilt aber auch hier: Nicht immer ist die eine Antwort auch die richtige.

Was müssen KatzenhalterInnen beachten?

Hier gibt das Tierschutzgesetz Auskunft:

  • Katzen dürfen nicht in Käfigen gehalten werden. Ausnahme: Die kurzfristige Unterbringung zur tierärztlichen Behandlung.
  • Die Anbindehaltung von Katzen ist auch kurzfristig nicht erlaubt.
  • Katzen müssen mit einer ausreichenden Menge an geeignetem Futter und Wasser versorgt sein.
  • Räume, in denen Katzen gehalten werden, sind sauber zu halten. Den Katzen muss eine ausreichende Anzahl von Katzentoiletten zur Verfügung gestellt werden. Diese sind ebenfalls sauber zu halten.
  • Werden Katzen mit regelmäßigem Zugang ins Freie gelassen, müssen sie von einer Tierärztin/einem Tierarzt kastriert werden. Seit 1. April 2016 müssen auch Katzen, die in bäuerlicher Haltung leben, kastriert werden.
    Ausnahme:
    Katzen, die zur kontrollierten Zucht verwendet werden, müssen nicht kastriert werden.
  • Werden Katzen in Räumen gehalten, bei denen die Gefahr besteht, dass sie aus dem Fenster bzw. vom Balkon stürzen, müssen die Fenster oder Balkone mit geeigneten Schutzvorrichtungen versehen werden.
  • Werden Katzen in Gruppen gehalten, muss für jede Katze ein eigener Rückzugsbereich vorhanden sein.
  • Junge Katzen dürfen erst ab einem Alter von über acht Wochen von der Mutter getrennt werden. Dies gilt nur dann nicht, wenn die Trennung aus veterinärmedizinischen Gründen zum Schutz des Muttertieres oder des Welpen erforderlich ist. Ist dies der Fall, dürfen die Wurfgeschwister nicht vor dem Alter von acht Wochen getrennt werden. Eine Ausnahme ist nur dann zulässig, wenn dies dem Wohl der Tiere dient und die Personen, welche die Tiere in ihre Obhut nehmen, über die erforderlichen Möglichkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten zur fachgerechten Aufzucht der Welpen verfügen.
  • Den Katzen muss die Möglichkeit zum Krallenschärfen geboten werden.
  • Wohnungskatzen ist Katzengras oder gleichwertiger Ersatz zur Verfügung zu stellen.
  • Den Katzen müssen Beschäftigungs- und erhöhte Rückzugsmöglichkeiten geboten werden.

Was tun bei Kratzern?

Sofern eine Katze irgendjemandem gehört, ist zumindest die Besitzerfrage einmal geklärt. Beispielsweise hat es einmal einen Fall gegeben, bei dem die Katzen der Nachbarn den eigenen Wagen zerkratzt haben sollen. In so einem Fall wird der Katzenbesitzer aber nur in den seltensten Fällen haften. Damit es zu einer Haftung kommt, muss der Geschädigte beweisen können, dass tatsächlich die Katzen des Nachbarn den Schaden verursacht haben und der Katzenbesitzer müsste NICHT nachweisen können, dass er sein Tier ordentlich beaufsichtigt habe. Da Katzen aber in der Regel frei laufen dürfen, kann der Halter von freilaufenden Katzen auch nur selten belangt werden. Durch Katzen „rechtswidrig und schuldhaft verursachte Schäden“ wären aber durch die Haushaltsversicherung gedeckt.

Was tun gegen hereinlaufende Katzen?

Hier muss man selbst Vorkehrungen treffen, wenn man nicht will, dass Katzen in Wohnungen hereinlaufen. Einen rechtlichen Schutz gibt es nicht.

Was tun gegen schwängernde Katzen?

Hier gibt es einen rechtlichen Hintergrund und der hat auch schon mal einen Fall des Friedensbüros betroffen. Der umtriebige Kater vom Unterstock hat die Katze von oben geschwängert und in so einem Fall (nämlich beim Schwängern von Katzen) kommen gleich mehrere Sachen zum Tragen:

a.)    Kein Besitzer hatte seine Katzen kastriert obwohl sie nicht

b.)    ausreichend gesichert waren – denn wie wir vom Tierschutzgesetzt oben wissen, sind Katzen, wenn sie nach draußen können, zu kastrieren oder aber, wenn sie auf den Balkon oder auf’s offene Fensterbankerl dürfen, so zu halten, dass sie absturzgesichert sind, z. B. durch ein Netz oder ein Gitter – was automatisch auch dazu führt, dass sie den Balkon nicht verlassen können und so keinen Zugang zu anderen Katzen haben. Das wiederum sorgt dann auch dafür, dass sie sich nicht unkontrolliert vermehren können.

Was tun gegen streunende Katzen?

Streunende Katzen sind zu tolerieren, sofern sie dem Nachbarn zuzumuten sind – und das sind sie in den meisten Fällen, sofern sie keinen Schaden anrichten, der dann auch nachweisbar ist. Katzenkot und Kratzspuren im Blumenbeet sind es meist nicht, da diese in den seltensten Fällen eindeutig einer bestimmten Katze und damit einem Besitzer zuzurechnen sind – in so einem Fall kann man also rechtlich eher wenig machen.

Wie viele Nachbarskatzen im eigenen Garten muss man dulden?

Hier gibt es je nach Gericht unterschiedliche Ansichten. So beurteilt das Amtsgericht Passau bereits das Betreten des Grundstücks durch fremde Katzen als Eingriff in das Eigentum, das Amtsgericht Diez wiederum schränkt die Duldungspflicht des Gestörten auf ein bis zwei Tiere ein und das Oberlandesgericht Köln ist der Ansicht, dass gelegentliche Besuche der Nachbarskatze inklusive ihrer Hinterlassenschaften in Vororten zu dulden sind, im Zentrum der Großstadt hingegen nicht. Eine generelle Aussage, ob und in welchem Umfang Katzen im Garten geduldet werden müssen, lässt sich also nicht treffen. Ute Winderlich fasst in ihrem „Praxishandbuch Katzenrecht“ die Gesetzeslage wie folgt zusammen: „In einem reinen Wohngebiet mit freistehenden Häusern und Gärten und in ländlicher Lage ist der Freilauf von Katzen ortsüblich und daher grundsätzlich von den Nachbarn zu dulden. Nimmt die Zahl der Katzen jedoch überhand, kann der Nachbar verlangen, dass jeweils nur ein oder zwei Katzen zugleich Freigang erhalten.“

Was tun, wenn man eine Katze auf der Straße sieht: Bremsen oder nicht? Und was, wenn sie bereits überfahren ist?

Hier muss man differenzieren. Weicht man einem Tier aus, rettet man wahrscheinlich dessen Leben, gefährdet jedoch sein eigenes und potenziell auch das der anderen durch einen möglichen Unfall, den man verursacht. Weicht man nicht aus, überfährt man höchstwahrscheinlich das Tier und fügt seinem Fahrzeug eventuell ebenfalls Schaden zu. Was also tun? Am besten ist es, die Situation abzuwägen und danach zu entscheiden (auch wenn dies innerhalb weniger Sekunden geschehen muss). Würde man durch das Ausweichen andere Personen und deren Leben gefährden, sollte man nicht ausweichen. Jedoch sollte man auch nicht mutwillig ein Tier überfahren, nur weil man dadurch einen Kratzer vom hinteren Fahrzeug bekommen könnte. Kommt es tatsächlich zu einem Unfall, ist es ratsam, den Katzenbesitzer zu verständigen, da dieser dann normalerweise für den Schaden aufkommen muss, den das Tier verursacht hat. Am Verlust der Katze ändert dies aber naturgemäß nichts, deshalb sollte man auf Menschen genauso wie auf Tiere im Straßenverkehr Rücksicht nehmen – so gut dies eben möglich ist.

Von: Jutta

13. November 2017

Bild: Karin Hutten

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