Care-Arbeit kann vieles bedeuten. Ob es nun ums Beraten, Unterstützen oder Pflegen geht, oder ob damit auch Themen wie Gewaltschutz gemeint sind – das Feld, das man mit „Care“ umschreiben kann, ist sehr groß. Sieht man sich jedoch an, wie schwer es derzeit ist, Sorgearbeit so nachzugehen, wie es für notwendig wäre, so stellt man schnell fest, dass hier mehr als nur ein paar Baustellen bestehen. Um auf diese aufmerksam zu machen und auch an diesen zu arbeiten, gibt es die Initiative fair sorgen!, über die Elke Edlinger und Karin Schuster für diesen Beitrag so einiges berichtet haben.

Ursprünglich war fair sorgen! als Mehr für Care! bekannt, hat jedoch erst kürzlich eine Namensänderung durchgemacht. Dabei handelt es sich um ein breites, überparteiliches Bündnis mehrerer Gruppierungen aus vielen unterschiedlichen Richtungen wie etwa Attac, der Österreichische Frauenring und die Katholische Frauenbewegung Österreichs, die das Anliegen, sich für bessere Rahmenbedingungen für Care-Arbeit einzusetzen, eint. Tatsächlich ist die Initiative als solche noch recht jung: Die Gründung von fair sorgen! fand österreichweit im Februar 2021 in Form einer von Femme Fiscale veranlassten Online-Konferenz statt, die viele der 150 Teilnehmer:innen dazu motivierte, sich auch in Zukunft in diesem Bereich zu engagieren. Kurz darauf startete auch die Grazer Gruppe von fair sorgen! im März 2021 mit einem Online-Workshop durch.

Warum aber ist es so wichtig, eine Initiative wie fair sorgen! zu haben? Um diese Frage zu beantworten, muss man sich zunächst einmal vor Augen führen, wie präsent und wie wichtig bezahlte und unbezahlte Sorgearbeit im Alltag eigentlich ist – und wie viel derzeit eigentlich falsch läuft. Man denke nur etwa an Probleme zum Beispiel in der Pflege und in der Elementarpädagogik (wie mangelnde Zeit, zu viel Druck und zu große Gruppen), die dem Ausüben einer angemessenen Sorgearbeit im Weg stehen. Dabei ist gerade während der Corona-Jahre deutlich geworden, wie wichtig Care-Arbeit eigentlich ist und als wie selbstverständlich diese üblicherweise vorausgesetzt und hingenommen wird.

Es ist also nicht nur alles andere als einfach, unter den momentanen Umständen qualitätsvolle Care-Arbeit zu leisten, gleichzeitig wird diese auch viel zu wenig wertgeschätzt, obwohl sie die Basis unserer Gesellschaft ist. Und hier kommt fair sorgen! ins Spiel. Um bessere Bedingungen für das Leisten von Sorgearbeit schaffen zu können, braucht es zunächst einmal breite Awareness (zu Deutsch Bewusstheit) für das Thema, die bestenfalls schon Kindern von der Schule an mitgegeben wird. Gleichzeitig ist es auch wichtig, die negative Konnotation von Care-Arbeit aufzuheben und aufzuzeigen, dass die entstehenden Kosten durchaus ihre Berechtigung haben – die Vision ist hierbei, dass Sorgearbeit mehr wertgeschätzt wird und es und als Gesellschaft auch wert ist, dafür ausreichend öffentliche Gelder zu investieren.

Wie bereits schon erwähnt kann man auch Einzelperson bei fair sorgen! tätig werden: Regelmäßig finden Aktionsgruppentreffen statt, bei denen Termine wie etwa die Teilnahme an Protesten besprochen werden, inhaltliche Diskussionen geführt werden und Ideen für zukünftige Aktionen gesponnen werden (das nächste Treffen findet übrigens am 19. Dezember statt*). Letztere haben vor allem einen Zweck: Mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und regelmäßig für Präsenz des Themas Care-Arbeit zu sorgen. Hierfür wurden beispielsweise schon Aktionstage mit Interviews, Infoständen und interaktiven Schildern veranstaltet, anschauliche Materialien wie etwa Kinderwägen, Bügelbrett und Rollator als „Care-Stationen“ auf öffentlichen Plätzen aufgestellt und Workshops abgehalten, die allesamt den Diskurs zum Thema Sorgearbeit anstoßen sollten.

Bleibt also nur mehr eine Frage: Wohin soll es mit fair sorgen! in Zukunft gehen? Auch das steht ganz klar fest: Das Ziel ist der Aufbau einer Care-Bewegung in Österreich, wie sie bereits in ähnlicher Weise in anderen Ländern existiert. Als logischen nächsten Schritt hierzu soll es in der Steiermark zukünftig nicht nur die Gruppe in Graz geben, sondern auch der Aufbau weiterer Gruppen in anderen steirischen Regionen soll unterstützt werden. Außerdem will man auch über die österreichischen Bundesländer hinweg beim Strukturaufbau unterstützen und das Entstehen weiterer Gruppen ermöglichen.

*Montag, 19. Dezember 2022, 17:00 – 19:00 Uhr im Lokal ELEVEN, Kaiserfeldgasse 13, 8010 Graz

Auf Social Media findet man fair sorgen! auf Facebook und auf Instagram.

One Comment

  1. Barbara Kasper 12. Dezember 2022 at 11:56 - Reply

    Vielen Dank für diesen Blog! Es ist höchste Zeit, dass die Gesellschaft umdenkt und die Bedeutung der Care-Arbeit ins Bewusstsein aller dringt. Ohne Care-Arbeit läuft nichts, das dürfen sich die „Carenden“ ruhig auf die Fahnen schreiben.

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Von: Miriam

9. Dezember 2022

Bild: ©fair sorgen!

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