Klimawandel

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Foto: Foto von Marek Piwnicki auf Unsplash
Emissionsausgleich / Carbon Offsets
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Der Begriff Emissionsausgleich ist uns letztes Mal schon im Bezug auf Klimaneutralität untergekommen. Dabei handelt es sich um die Investition in Klimaschutzprojekte, um die Emissionen, die an einer Stelle verursacht werden, an einer anderen Stelle wieder auszugleichen. Ein sehr bekanntes Beispiel ist hierfür etwa der Aufpreis, den man beim Buchen eines Fluges freiwillig zahlen kann, um diesen CO2-neutral zu machen. Doch wie gut funktioniert der Emissionsausgleich in der Umsetzung denn nun tatsächlich?

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So gut der Emissionsausgleich jedoch in der Theorie klingen mag, so problematisch kann er in der Praxis sein. Zunächst einmal wäre da das Problem, dass dieser indirekt dazu beiträgt, dass weder Individuen noch Unternehmen sich dazu motiviert sehen, etwas am Status quo zu ändern. Anstatt also die eigenen Geschäftsreisen zu reduzieren und stattdessen Videokonferenzen abzuhalten oder bei der Produktion Emissionen einzusparen, wird der Emissionsausgleich oft missbraucht, um die bisherigen Praktiken aufrechtzuerhalten und dafür eben ein paar Euro in Projekte zu stecken, die dem Klimaschutz dienen sollen. Tatsächlich kann der Emissionsausgleich auf diese Weise das Ausmaß der umweltschädlichen Handlungen sogar verschlimmern: Beruhigt eine Einzelperson beispielsweise durch Emissionsausgleich ihr schlechtes Gewissen beim Fliegen und fliegt in Folge viel öfter oder ist es Unternehmen möglich, sich trotz nicht vorhandener Klimastrategie und hohen CO2-Emissionen als umweltfreundlich zu präsentieren, so trägt der Emissionsausgleich nichts dazu bei, tatsächlich klimafreundliche Praktiken zu fördern. Ganz im Gegenteil – er kann das Entwickeln und Einsetzen von diesen sogar verhindern.
Leider ist es obendrein nicht so, dass der Emissionsausgleich auch tatsächlich genau so viel CO2 einspart, wie verursacht wird – die Annahme, umweltschädliche Praktiken durch Emissionsausgleich also quasi „ungeschehen“ machen zu können, ist also nicht gänzlich richtig. Tatsächlich ist es nämlich so, dass die Emissionen, die für gewisse Praktiken wie etwa das Fliegen berechnet werden, häufig unterschätzt werden und dementsprechend zu einem geringeren Emissionsausgleich führen, als eigentlich angemessen wäre. Nicht nur das, auch das Prinzip des Emissionsausgleichs ist in manchen Fällen, wie etwa in dem des Bäumepflanzens, ein wenig utopisch – wollte man auf diese Art alleine sämtliches verursachtes CO2 aus fossilen Energien kompensieren, so bräuchte es etwa vier- bis fünfmal so viele Wald- und Grünflächen auf der Erde, wie es sie bisher gibt. Es müssten also hierfür nicht nur Unmengen an Bäumen gepflanzt werden, diese dürften auch keinen Bränden, Dürren oder Schädlingen zum Opfer fallen. Da außerdem beim Pflanzen von Bäumen oft auf Monokulturen gesetzt wird, wird von diesen zudem nicht so viel CO2 aufgenommen wie von natürlich gewachsenen Wäldern.

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Schließlich sind der Mehrwert und der positive Effekt, den die Klimaschutzprojekte des Emissionsausgleichs bringen, nicht immer direkt messbar und in manchen Fällen sogar gar nicht vorhanden. Oft ist beispielsweise nicht klar, ob das Projekt nicht auch ohne die Unterstützung durchgeführt worden wäre oder ob dieses an seinem Standort nicht vielleicht sogar mehr Schaden als Nutzen anrichtet. Manchmal werden auch Projekte für den Emissionsausgleich verwendet, die von vornherein schon unsinnig sind – so dürfen einige Unternehmen etwa von sich behaupten, zum Schutz eines bestimmten Waldes beizutragen, dem ohnehin nie die Gefahr gedroht hatte, abgeholzt zu werden. Hier ist also sehr viel abhängig davon, welche Projekte nun konkret unterstützt werden, um Emissionsausgleich zu bewirkt werden, da diese sich ihn ihrem Beitrag zum Klimaschutz teils gravierend unterscheiden.
Abschließend lässt sich also sagen, dass die Idee des Emissionsausgleichs zwar grundsätzlich eine gute ist, jedoch keinesfalls einen Ersatz für Klimamaßnahmen darstellt, die von vornherein das Ausmaß der verursachten Emissionen verringern.
Quellen:
https://www.youtube.com/watch?v=6p8zAbFKpW0
https://www.derstandard.at/story/2000125209600/co2-kompensation-kein-guter-ausgleich-fuers-klima
https://www.zeit.de/die-antwort/2019-06/co2-kompensation-klimabilanz-fluege-faq?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.startpage.com%2F#ist-kompensieren-sinnvoll
https://www.offsetguide.org/concerns-about-carbon-offset-quality/