Im Nachbarschaftsservice bewegt uns die Frage, was zu gelingenden nachbarschaftlichen Beziehungen beiträgt? Wie kann ein friedliches Auskommen unterstützt werden?

Wenn das Nabas kontaktiert wird, nimmt zumindest eine Person in einer gegenwärtigen Nachbarschaftssituation ein Problem wahr. Die betreffenden Nachbar:innen wohnen schon mehr oder weniger lange Zeit nebeneinander. Manchmal gab es bereits Kontakte miteinander, die positiv erlebt wurden. In vielen Fällen ist die konfliktauslösende Situation auch die erste bewusste Wahrnehmung der Nachbarin oder des Nachbarn.

Der Ausgangspunkt für die Lösungssuche im Nabas ist also in der Regel der bereits entstandene Konflikt im bestehenden Wohnobjekt.

Um Fragen zur Gestaltung von Nachbarschaft zu beantworten, lohnt sich auch ein Blick in die Wohnbauforschung. Diese sucht nach Möglichkeiten den Wohnbau nachhaltig, innovativ, leistbar und im Sinne einer möglichst hohen Wohnqualität zu gestalten.

Eine Spur in Richtung Stärkung von Nachbarschaftsbeziehungen führt in die 1970er und 1980er Jahre in die Steiermark. Der soziale Wohnbau dieser Jahre war geprägt vom „Modell Steiermark“, das auch international viel Anerkennung hervorrief. Durch innovative Konzepte wie verdichteten Flachbau, soziale Durchmischung und ökologische Ansätze entstanden qualitätsvolle Wohnsiedlungen mit gemeinschaftlichen Grünräumen. Ein weiteres zentrales Element war die Partizipation: Bewohner:innen, Architekt:innen und Gemeinden wurden aktiv in die Planungsprozesse und die Bauphase eingebunden. Die Architekt:innen waren im Austausch mit den künftigen Bewohner:innen beziehungsweise lernten sie deren Wohnbedürfnisse gut kennen.

„(…) Wohnen ist der Anspruch auf Selbstverwirklichung für jeden einzelnen (sic!) und Teil der Kultur unserer Gesellschaft.“

Die Architekten Dietrich Ecker, Eilfried Huth, Herfried Peyker

Zugleich hatten die künftigen Nachbar:innen Gelegenheit einander mit den jeweiligen Interessen, Einstellungen und Lebensentwürfe bereits vor Einzug kennenzulernen.

Ein Vergleich zwischen Bewohner:innen von partizipativen und konventionellen Wohnprojekten zeigt, dass die Bewohner:innen in Siedlungen mit partizipativem Planungsprozess stärkere soziale Beziehungen in der Wohnanlage haben. Dies legt die Vermutung nahe, dass Teilhabe der Einzelnen einen Einfluss auf die soziale Nachhaltigkeit hat.

 

Literatur: 
Jany, Andrea, Experiment Wohnbau. Die partizipative Architektur des Modell Steiermark, 2019.

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Von: Katharina

31. Juli 2025

Bild: freepik

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