Wir sind Klasse“ statt „Wir sind Nachbarn“. Es mag verwundern, dass ich meinen Fokus heute nicht auf den nachbarschaftlichen Kosmos richte, sondern mich dem sozialen Mikrosystem Schule bzw. Schulklasse widme. Vor Kurzem durfte ich meine Kolleginnen zu ihrem Workshop an einer Grazer Volksschule begleiten. Unter dem Titel Wir sind Klasse wurden Dynamiken von Gemeinschaft spielerisch in Szene gesetzt sowie die Bedeutung jedes einzelnen Mitglieds in dem Gefüge der Klassengemeinschaft sichtbar gemacht.

Überall dort wo Menschen einander begegnen, kann es zu Störungen und Konflikten kommen. Ganz unabhängig von den Individuen, den Gruppen, dem Alter und dem Setting in dem wir arbeiten, räumen wir dem Erlernen des Umgangs mit den eigenen Gefühlen einen hohen Stellenwert ein. Die Vielfalt der Gefühle zu erkennen und zu benennen hilft uns im Streit und in emotional schwierigen Situationen. Sie sind Wegweiser, Informationsquelle, Beziehungsmotor und Veränderungsenergie zugleich. Der Mehrwert entsteht allerdings nur, wenn wir sie wahrnehmen und regulieren können – nicht, wenn wir sie impulsiv ausagieren oder unterdrücken.

Da ich mit Erwachsenen, die von Nachbarschaftskonflikten betroffen sind, arbeite, bin ich besonders neugierig und erfreut an diesem didaktischen Setting in einer Schule teilnehmen zu dürfen. Im Workshop mit Volksschulkindern kommen bei der Arbeit mit Gefühlen, dem Sich-Erleben in der Gemeinschaft und dem Bewusstmachen der eigenen Bedürfnisse und Grenzen, Bewegungsspiele zum Einsatz, eine Geschichte, die Mut macht auf das eigene Bauchgefühl zu hören und ein Gefühlsbarometer, das die Kinder als Werkzeug nutzen können um mitzuteilen, wie sie sich in einem konkreten Moment fühlen.

Apropos Fühlen: wie fühlen wir uns, wenn jemand etwas Nettes oder Wertschätzendes über uns sagt? Genau: zufrieden, verbunden und glücklich. Ob und in welcher Intensität diese Gefühle ihren Ausdruck finden, hängt auch von der:die Empfänger:in ab, wie offen er:sie gegenüber der Botschaft tatsächlich ist. Was ich in diesem Workshop an Reaktion einer Schülerin erleben durfte, machte auch mich glücklich und verbunden. Die Aufgabe bestand darin, eine verdeckte Karte mit dem Namen eines Mitschülers: einer Mitschülerin oder der Lehrerin zu ziehen. Man dreht die Karte um, liest den Namen und überlegt sich, welche positiv wertschätzende Botschaft man seinem Gegenüber mitteilen möchte. Als die Lehrerin dem ausgewählten Mädchen sagt; „Wenn du lachst, geht die Sonne auf,“ sind dem Mädchen vor Berührung Freudentränen über das Gesicht geronnen. Dieser Moment hat tatsächlich auch noch einige andere Personen im Raum emotional ergriffen.

PS: Wenn auch Sie Interesse haben, sich mit Kindern dem Thema Konflikt zu nähern, kann ich Ihnen den Fernsehbeitrag von Checker Marina empfehlen. Darin kommt auch der Friedensteppich vor, der in unserem letzten Beitrag ein Schwerpunktthema war. Viel Spaß beim Anschauen!

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Von: Anna

20. Februar 2026

Bild: freepik

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