Im nachbarschaftlichen Leben begegnen uns häufig Gegensätze in Form von unterschiedlichen Lebensgestaltungen. Einer der häufigsten Auslöser für Nachbarschaftskonflikte, die an das NABAS herangetragen werden, sind Geräusche, die subjektiv als störender Lärm empfunden werden. Da viele Wohnungen akustisch stark mit den angrenzenden Wohnungen verbunden sind, bekommt man leicht mehr von den Nachbar:innen mit, als einem selbst lieb ist. Je nachdem, wie es einem selbst gerade geht und welche inneren Ressourcen (sprich auch: Resilienz) zur Verfügung stehen, wird man mit diesen Situatonen einmal leichter und einmal schwieriger umgehen können.

Neben situativen, akustischen Herausforderungen gibt es noch solche, die auf sehr unterschiedlichen Alltagsroutinen beruhen. An dieselbe Tageszeit können sehr unterschiedliche Ruhebedürfnisse und Geräuschtoleranzen seitens der Nachbar:innen geknüpft sein. Sehr häufig wird das NABAS bei folgender Wohngegebenheit kontaktiert, hier beispielhaft skizziert: eine Familie mit kleinen Kindern, die sich morgens für Schule, Arbeit und Kindergarten fertig macht und die Wohnung verlässt, wohnt über einer alleinstehenden Person, die nach vielen Jahren der Erwerbstätigkeit ausschlafen kann und nun gerne den „Lärm des Alltags“ hinter sich lassen möchte. Beide Lebensphasen und Ansprüche an das Wohnverhalten sind nachvollziehbar und grundsätzlich mit einer sachgemäßen Nutzung der Wohnung im Einklang. Dennoch können die Bedürfnisse der Nachbar:innen bzw. deren Ausleben oder die daraus erwachsenden Erwartungen an das Wohnverhalten der anderen als Störung erlebt werden. Kurz zusammengefasst: das morgendliche „Poltern“ der Familie und die darauffolgenden Ermahnungen zur Ruhe durch die alleinstehende Person wirken sich für beide Seiten belastend auf die Wohnqualität aus. Eine Pattsituation. Oder?
Der Schweizer Psychiater und Tiefenpsychologe Carl Gustav Jung erkennt eine Spur aus dem Dilemma der Gegensätze:

Ich hatte nämlich inzwischen einsehen gelernt, dass die größten und wichtigsten Lebensprobleme im Grunde genommen alle unlösbar sind; sie müssen es auch sein, denn sie drücken die notwendige Polarität, welche jedem selbstregulierendem System immanent ist, aus. Sie können nie gelöst, sondern nur überwachsen werden. Ich fragte mich daher, ob diese Möglichkeit des Überwachsens, nämlich der weiteren seelischen Entwicklung, nicht überhaupt das normal Gegebene und darum das Steckenbleiben an oder in einem Konflikt das Krankhafte sei.“

Seine „Spur“ – wie ich es nenne – ist das Überwachsen im Sinne der persönlichen Entwicklung. Gegensätze gehören zum Leben. Das Erkennen eines gegenteiligen Aspekts, ermöglicht uns wahrzunehmen, was ist. Was den Tag zum Tag macht, erschließt sich uns, weil wir auch die Eigenschaften der Nacht kennen. Wenn wir die Gegensätze annehmen, können wir eine aktive Rolle einnehmen und eine Situation mitgestalten. Zum Beispiel können wir uns fragen:

  • Was gibt es hier zu erkennen?
  • Wie kann ich an dieser Situation wachsen?
  • Welcher übergeordnete Wert ist mir wichtig und kann als Leitstern für mein Handeln dienen?

Äußere Umstände mögen manchmal starr sein. In unserer Haltung, wie wir den Dingen begegnen, können wir jedoch beweglich sein oder werden.

Wenn Sie im nachbarschaftlichen Zusammenleben einen Konflikt bewältigen möchten und noch dazu in einem Mehrparteienhaus in Graz wohnen, bietet das NABAS Unterstützung an. Hier können wir Sie auf Ihrem Weg aus dem Konflikt begleiten.

One Comment

  1. Benno Klaudinger 9. März 2026 at 21:05 - Reply

    ich bin in der Ghegagasse 31/13 in 8020 Graz wohnhaft und höre gelegentlich leise Schritte von der Wohnung über mir, die mich nicht störren. Wobei man eher die Schritte im Stiegenhaus hört, da jene welche durch den Schall eher sehr laut wirken. Vermeiden könnte man es durch leiseres Auftreten und/oder durch die Benutzung des Lifts, insbesondere in den Abend- und Nachtzeiten

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Von: Katharina

27. Februar 2026

Bild: freepik

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