Künstliche Intelligenz schleicht sich immer weiter in unseren Alltag ein, oder viel eher, sie erobert diesen förmlich. Ob Kundenservice, Datenauswertung oder als Informationsquelle, immer mehr erledigt inzwischen KI. Doch nicht in jedem Bereich ist der Einsatz von KI bedenkenlos oder gar ethisch vertretbar: In der Kriegsführung etwa tun sich durch die Möglichkeiten von KI ganz neue, gefährliche Dimensionen auf.

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KI ist unglaublich schnell darin, Entscheidungen zu treffen. Dadurch, dass sie große Mengen an Daten in Sekunden verarbeiten kann, ist sie auch schneller darin, zu reagieren, als Menschen. Im Krieg bedeutet diese Geschwindigkeit jedoch nicht unbedingt ein gutes Ergebnis: Zwar erhöhen KI-gesteuerte Werkzeuge wie zum Beispiel autonome Drohnen, Zielerfassungssysteme und Cyberabwehrplattformen die Effizienz von Operationen, zugleich birgt deren rasche Reaktion auch einige Gefahren. So könnten etwa Bias, also verzerrte Annahmen der KI, aber auch Manipulationen dazu führen, dass diese feindliche Angriffe startet, die Menschen aus Vorsicht eher unterlassen hätten. KI fehlen die menschlichen psychologischen und biologischen Einschränkungen und Hemmungen, was heißt, dass der Einsatz von KI in Kriegen eine schnellere Eskalation von Gewalt bedeuten kann.

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Zudem ermöglichen KI-gesteuerte Systeme größere Reichweite, höhere Präzision und koordinierte Schwarmtaktiken bei Angriffen, etwa durch autonome Drohnen oder selbstständig agierende Waffensysteme. Riskant wird es hierbei, wenn es zu Fehlkalkulationen in Konflikten oder zu einer Art „Use-it-or-lose-it“-Dynamik kommt. Letzteres bedeutet, dass sich eine KI zum Beispiel dazu entscheiden könnte, Nuklearwaffen ohne weiteren Grund einfach einzusetzen, bevor es keine Gelegenheit mehr dazu gibt. Die geringe menschliche Kontrolle und die daraus resultierende unklare Verantwortlichkeit bei tödlichen Entscheidungen stellen Herausforderungen für das humanitäre Völkerrecht dar.

Schließlich verändert KI auch Cyberoperationen dahingehend, dass sie eine wachsende Rolle in Desinformation und Meinungsbeeinflussung spielt. Damit entscheiden sich Konflikte zunehmend auch im digitalen Raum und in der öffentlichen Wahrnehmung. Durch den Einsatz von KI ist es leichter denn je, Fake News und Propaganda zu generieren und zu verbreiten. Inzwischen sind die Inhalte oft so überzeugend, dass man sie kaum als KI-generiert identifizieren kann, wenn man diese nicht aufmerksam konsumiert und betrachtet.

Der Einsatz von KI in der Kriegsführung ist ein großes Thema für den Frieden, weil sie Konflikte schneller, unkontrollierbarer und gefährlicher machen kann. Durch ihre enorme Geschwindigkeit trifft sie Entscheidungen oft ohne menschliche Abwägung und Kontrolle, was Fehlangriffe, Eskalationen und schlussendlich auch den Einsatz extrem zerstörerischer Waffen begünstigen kann. Gleichzeitig erschwert KI durch Desinformation und Propaganda die Wahrheitsfindung und beeinflusst die öffentliche Meinung. Insgesamt steigt dadurch das Risiko von Missverständnissen, Fehlentscheidungen und einer schnellen Ausweitung von Konflikten, was den Frieden deutlich gefährdet.

Quellen
Johnson, J. (2020). Artificial Intelligence, Drone Swarming and Escalation Risks in Future Warfare. The RUSI Journal, 165(2), 26–36. https://doi.org/10.1080/03071847.2020.1752026

Johnson, J. (2021). Artificial intelligence and the future of warfare. In Manchester University Press eBooks. https://doi.org/10.7765/9781526145062
Payne, K. (2018). Strategy, Evolution, and War: From Apes to Artificial Intelligence. http://bvbr.bib-bvb.de:8991/F?func=service&doc_library=BVB01&local_base=BVB01&doc_number=030303822&sequence=000002&line_number=0001&func_code=DB_RECORDS&service_type=MEDIA
Rakhmetov, B. & Murzagulova, K. (2025). Artificial Intelligence in Warfare: The Case of the Russia-Ukraine War. Journal Of Strategic Security, 18(4), 64–77. https://doi.org/10.5038/1944-0472.18.4.2470

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Von: Miriam

30. April 2026

Bild: Foto von João Rocha auf Unsplash

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