Jede:r kennt sie: Die Pflanzen, die so oft in Wohnhäusern den Eingangsbereich oder das Treppenhaus säumen. Sie beleben die gemeinsamen Bereiche und lassen darauf schließen, dass sich regelmäßig jemand um sie kümmert. Ihr Alltag scheint aus nichts Weiterem zu bestehen, als zur Zierde zu dienen. Doch gerade solche Pflanzen hätten oft so einige Geschichten zu erzählen.

So auch eine ganz bestimmte Pflanze in der Steyrergasse. Ganze 40 Jahre hatte diese bereits im Erdgeschoss, am Fuße der Treppe, verbracht und dort alle Bewohner:innen und Besucher:innen begrüßt. Alle hatten sich schon längst an ihren Anblick gewöhnt und sahen gar kein zweites Mal mehr hin, wenn sie an ihr vorbeigingen. Doch dann geschah das Ungeheuerliche: Die Pflanze verschwand.

Sofort wurden die Ermittlungen eingeleitet. Die Bewohnerin, der sie gehörte, befragte sämtliche mögliche Zeug:innen, doch die Pflanze blieb unauffindbar. Alle, die zu der Zeit im Haus anwesend waren, rätselten mit ihr um deren Verbleib, doch keine Spur von der Pflanze, die ja irgendwie doch zu einer stillen Mitbewohnerin geworden war. Alles, was von ihrer Existenz übriggeblieben war, waren ein einsamer Topfuntersetzer und eine traurige Nachricht, die die Besitzerin aus der Sicht der verschwundenen Pflanze verfasst hatte: „Jetzt habe ich schon 40 Jahre glücklich hier gewohnt und wurde nun leider entführt.“ (Ungefährer Wortlaut, der originale Zettel ist in dem Chaos leider ebenfalls verloren gegangen)

Schon am nächsten Tag jedoch war ein Wunder geschehen: Die Pflanze war wieder da – inklusive Topf und einer Nachricht an ihre Besitzerin.

„Sorry Mum!

Es tut mir sehr leid! Ich wurde nicht entführt, sondern in einer besoffenen Geschichte zu einem Spaziergang ausgeführt. Meine Schönheit wurde mir zum Verhängnis.

Nach 40 Jahren was es auch mal schön, die Steyrergasse zu sehen. Doch jetzt bin ich wieder hier und da will ich auch die nächsten 40 Jahre bleiben.

PS: Deine dich so liebende Pflanze“

Somit war das Rätsel gelöst. Die Pflanze hatte es nach einem kleinen Ausflug in die Außenwelt unversehrt wieder nach Hause geschafft. Hoffen wir, dass es ihr dort auch weiterhin gut geht und ihr Anblick noch vielen Leuten eine Freude bereiten kann.

One Comment

  1. Manfred Oswals 18. Juni 2026 at 8:31 - Reply

    Eine schöne Geschichte mit einem versöhnlichen Ende.Manche Dinge werden erst wahrgenommen wenn sie verschwunden sind.

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Von: Miriam

18. Juni 2026

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