„Slut Gets Her Pussy Destroyed“, „Teen Virgin is Desperate for Cock“, „Tricked My Stepsister Into Swallowing My Cum“ – alles Titel, die einem auf jeder beliebigen Mainstream-Pornoplattform schnell einmal unterkommen. Dabei fällt vor allem eines auf: Wertschätzende Sprache über und respektvoller Umgang mit Frauen wird hier nicht so ernst genommen. Generell scheint es eine unausgesprochene Regel zu sein, dass Frauen in Pornos auf populären Seiten wie Pornhub, xHamster und Youporn mehr wie Objekte als wie Menschen behandelt werden. Welchen Einfluss haben Inhalte dieser Art auf den Umgang mit Frauen im realen Leben? Gibt es bessere Alternativen zu den Mainstream-Plattformen? Und steht Pornografie generell zu einfach zur Verfügung, sodass sie die Entwicklung von Minderjährigen nachhaltig beeinflussen können?

Es ist kein wirkliches Geheimnis und wird daher auch kaum jemanden sonderlich schockieren, dass Feminismus in pornografischen Inhalten der Mainstream-Plattformen wie etwa pornhub, die vor allem ein heterosexuelles männliches Publikum ansprechen, nicht sehr groß geschrieben wird. Sehr häufig werden Frauen beispielsweise als passive Kreaturen dargestellt, die ihrer Lust hilflos ausgeliefert sind und ein „Nein“ eigentlich gar nicht so meinen, wenn sie es sagen. In vielen Fällen ist es nicht unbedingt klar, ob die Frau auch tatsächlich mit dem Mann Sex haben möchte oder ob sie vielmehr dazu manipuliert wurde, mit ihm Geschlechtsverkehr zu haben. Und auch die Art, auf die mit den Frauen in Mainstream-Pornos umgegangen wird, ist oft alles andere als liebevoll: Sie werden als Schlampen beschimpft, angespuckt, wild herumgezerrt und manchmal sogar geschlagen. Die Wünsche und Bitten, die Frauen in Pornos populärer Plattformen aussprechen, werden ebenfalls nicht immer sonderlich ernst genommen – so kann es schon mal vorkommen, dass ein Mann gegen den Willen einer Frau in ihr zum Samenerguss kommt oder ihr Sperma ins Gesicht spritzt, obwohl sie sich explizit dagegen ausgesprochen hat.

Foto von Shane uchi auf Unsplash

Porno aus, reales Leben an – so zumindest die Theorie. Leider ist es sehr utopisch, davon auszugehen, dass der Konsum von Pornografie überhaupt keinen Einfluss auf das Verhalten im Alltag hat. Tatsächlich ist es so, dass die abwertende Behandlung von Frauen, wie sie in Mainstream-Pornos nur allzu oft der Fall ist, sehr viele Männer mit der Zeit desensibilisiert und dazu führt, dass sie nach noch härteren pornografischen Inhalten suchen. Selbst Regisseure von Mainstream-Pornografie sind teilweise überrascht und sogar schockiert, nach welch extremen Inhalten die Konsumenten verlangen und sind stets damit beschäftigt, sich neue, noch krassere Szenarien auszudenken. Diese Desensibilisierung, wie sie durch Mainstream-Pornos stattfindet, kann auch allmählich ins Leben außerhalb des Bildschirms überschwappen und nachhaltige Effekte auf das Sexualverhalten und die Beziehungen von Männern haben. Ständig mit Pornos dieser Art konfrontiert zu sein, die einem versichern, Frauen hätten keinerlei Probleme mit allem, was Männern mit ihnen anstellen und würden dies sogar genießen, verzerrt mehr und mehr ihre Sicht auf Frauen im realen Leben und damit auch ihren Umgang mit diesen. Frauen werden in den Augen der betroffenen Männer mehr und mehr zu Sexobjekten, an die sie dank der konsumierten Mainstream-Pornografie gewisse Erwartungen haben, wie etwa, dass man sie ohne großen Aufwand erregen sowie befriedigen kann und ihnen keine sexuelle Handlung zu degradierend ist. Männer, deren Pornografiekonsum zu sehr in ihr eigenes Sexualverhalten eingesickert ist, sind oft enttäuscht und sogar wütend darüber, wenn ihre Partnerinnen nicht daran interessiert sind, solch ein Verhalten an den Tag zu legen, wie es von Frauen in Pornos üblicherweise der Fall ist. In einigen Fällen führen ebendiese Männer auch einfach ohne zu fragen zuvor in einem Porno gesehene Szenarien durch, die der Frau in diesem zwar gefallen haben, ihre Sexualpartnerin allerdings absolut entgeistert und verstört zurücklassen.

Doch nicht nur Männer sind betroffen. Auch Frauen, die sich auf Mainstream-Plattformen kaum akkurat repräsentiert wiederfinden, können durch deren Inhalte eine gestörte Sexualität entwickeln. Die Bilder, die sie finden, zeigen immerhin meist alles andere als Sexualpartner, die respekt- und gefühlvoll miteinander umgehen. Viel eher sehen sie andere Frauen in untergeordneten Rollen, die weniger tun als ihnen angetan wird und kein Problem mit Sexualpraktiken haben zu scheinen, die sie selbst anwidern. Besonders Frauen, die ohnehin schon nicht allzu selbstsicher in ihrer Sexualität sind, geraten durch Mainstream-Pornos unter Druck und sagen seltener „Nein“ zu Sexualpraktiken, als sie es eigentlich wollen würden. Oft sehen sie sich fast schon verpflichtet dazu, diejenigen Skripte in der Realität auszuführen, die ihre Sexualpartner aus den Inhalten von Mainstream-Plattformen gelernt haben, obgleich sie sich selbst sehr unwohl in ihrer übersexualisierten, unterwürfigen Rolle fühlen.

Foto von Artem Labunsky auf Unsplash

Dass Mainstream-Pornografie also für Männer und Frauen nicht unbedingt eine Bereicherung ihres Sexuallebens darstellt und dieses aufgrund der gezeigten, frauenabwertenden Bilder sogar nachhaltig stören kann, ist eine Tatsache. Jene Konsument:innen sind allerdings bereits erwachsen und somit alt genug, um selbst zu entscheiden, wie sie ihre Sexualität ausleben möchten und welche Risiken sie dabei bereit sind, einzugehen. Anders sieht es bei Kindern und Jugendlichen aus, die im Zeitalter des Internets kaum Zeit dazu haben, überhaupt ihre eigene Sexualität zu entwickeln, bevor sie zum ersten Mal mit pornografischen Inhalten konfrontiert werden. Diesem Thema widmet sich der nächste Beitrag.

Quellen:
https://www.br.de/extra/respekt/frauenfeindlichkeit-ehrenmord-sexismus-pornografie100.html
https://fightthenewdrug.org/how-watching-porn-erodes-views-of-women/
https://www.theguardian.com/lifeandstyle/2010/jul/02/gail-dines-pornography
https://assets.publishing.service.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/976730/The_Relationship_between_Pornography_use_and_Harmful_Sexual_Attitudes_and_Behaviours-_literature_review_v1.pdf
https://rewardfoundation.org/health/mental-effects-of-porn/

Von: Miriam

21. April 2022

Bild: Alexander Krivitskiy auf Unsplash

Weitere Beiträge zum Thema:

Bleiben Sie informiert:

Wir senden Ihnen ein E-mail sobald ein neuer Beitrag erscheint.

Loading