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Unverrückbare Werte im Konflikt
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Wir leben in einer global vernetzten Welt. Kriege, Krisen und Konflikte an verschiedenen Orten dieser Welt, haben unweigerlich und unmittelbar (Aus-) wirkung auf innenpolitische Dynamiken in Österreich und nehmen damit Einfluss auf das Zusammenleben in Städten, Gemeinden und Nachbarschaften.
Identitätsstiftende Wertekonflikte zwischen Communties innerhalb der Gesellschaft können zur Gefahr für die Demokratie werden, wenn es nicht gelingt sie frühzeitig zu erkennen, konstruktiv zu bearbeiten oder zu deeskalieren.
Die in der Corona Pandemie ausgelösten Wertekonflikte gelten als Paradebeispiel einer spaltenden Dynamik. In Auseinandersetzung mit dem Virus und seinen Folgen sind wir auf Menschen gestoßen, deren politische Haltung wir komplett ablehnend gegenübergestanden sind. Damit sahen wir uns gleichermaßen konfrontiert mit unseren eigenen unumstößlichen Werten und Überzeugungen.
Treten Wertekonflikte auf struktureller, als auch auf zwischenmenschlicher Ebene auf, so macht es keinen Sinn diese zu verhandeln. In unserem vorletzten Nachbarschaftsblog ging es um unvereinbare Gegensätze. C.G. Jung postuliert, dass die grundlegenden Probleme des Lebens unlösbar sind, weil sie aus inneren Gegensätzen entstehen und daher nicht beseitigt, sondern nur durch persönliche Weiterentwicklung überwunden werden können. Was C.G. Jung mit Überwachsen zugunsten der Entwicklung meint, zeigt die Mediatorin Katty Nöllenburg in konkreten Konflikten, in dem sie unverhandelbare Werte zugunsten konkreter, gemeinsamer Ziele ausklammert.
Wenn Menschen abseits unterschiedlicher Wertvorstellungen ein gemeinsames Ziel definieren und dafür einstehen können, erleben sie ein neues Wir Gefühl, das für ein friedliches und respektvolles Miteinander bestimmend ist.
Beispielhaft sei Nöllenburgs initierte Dialogplattform erwähnt, aus der ein zeitlich begrenztes Bündnis von Frauen gegen die Gewalt an Frauen entstand. Ausgangspunkt dieses Bündnisses waren Gewalttaten an unterschiedlichen Frauengruppen in einem städtischen Viertel. So gab es physische Angriffe an einer kopftuchtragenden Muslima, genauso wie an Sexarbeiter:innen. Dazu kamen hate speeches an Lokalpolitikerinnen sowie ein Übergriff an einer Anwohnerin eines Parkes. Im Rahmen eines mediativen Prozesses haben die Frauen eine gemeinsame Erklärung entwickelt und diese öffentlich beworben. Losgelöst vom eigenen Identitätsverständnis und kultureller Werte, haben sich die Frauen für das gemeinsame Ziel der Selbstbestimmung von Frauen eingesetzt.
Ein neues Wir beschreibt jenes Überwachsen von dem C.G. Jung spricht. Bevor wir dort hinkommen, (über-)fordert uns das Trennende im zwischenmenschlichen Gespräch. Wie also im Gespräch mit Menschen bleiben, deren Werte nicht mit den eigenen übereinstimmen?
Es ist wichtig sich im Klaren darüber zu sein, dass ein schwieriges und potenziell spaltendes Thema auch sehr viel Energie bindet. Manchmal ist es ratsam das Thema auszuklammern und einen passenden Zeitpunkt abzuwarten.
In jedem Fall sollte man sich im Vorfeld des Gespräches darüber klar sein, welche Bedeutung man seiner persönlichen Wahrheit beimisst: Fragen wie: Weshalb hat meine Überzeugung für mich einen so hohen Stellenwert? Warum verbinde ich mit diesem Thema so ausgeprägte Meinungen und intensive Gefühle, sollten geklärt sein.
Klarheit schafft auch, wenn man im Gespräch darin übereinstimmt, dass man nicht übereinstimmt. Dieser gemeinsame Boden öffnet Türen. Gibt es kein inhaltliches Einverständnis, so plädiert Friedeman Schulz von Thun dafür, empathisch zuzuhören, um das Gegenüber in seiner Wahrheit verstehen zu können. Man versteht und zeigt Verständnis, jedoch kein Einverständnis. Das schafft Verbindung und Vertrauen.
Von: Anna
15. April 2026
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