Gerade jetzt, wo alle Augen auf die Ukraine und den sich dort entfaltenden Krieg gerichtet sind, ist vor allem eines Thema: Frieden. Nichts wünscht man sich mehr als eine friedvolle Welt, in der es keine Konflikte gibt, in die immer wieder aufs Neue unschuldige Menschen hineingezogen werden, die im schlimmsten Fall ihr Leben verlieren. Kompliziert wird es allerdings, wenn man versucht, diesen Frieden zu definieren. Immerhin wäre es utopisch, davon auszugehen, alle Spannungen zwischen unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen und Ländern würden einfach so verschwinden, wenn ein Krieg vorüber ist oder verhindert werden konnte. Bevor wir uns allerdings damit beschäftigen, wie Frieden realistisch aussehen könnte, wollen wir uns zuerst einmal eine grundlegende Frage stellen: Was bedeutet Frieden eigentlich?

Eine einheitliche Definition für Frieden ist gar nicht so einfach zu finden, wie man anfangs vermuten mag. Weder in der Umgangssprache, noch in der Friedensforschung ist man sich ganz einig, was genau Frieden eigentlich heißt. Stattdessen gibt es zwei verschiedene Ansätze, die man für die Definition von Frieden heranziehen kann: Den negativen Frieden und den positiven Frieden.

Foto von Nati Melnychuk auf Unsplash

Negativer Frieden beschreibt Frieden auf die Art, wie sie den meisten wohl geläufig ist, nämlich als Abwesenheit von Krieg und Gewalt. Diese relativ einfach scheinende Definition verschiebt allerdings das Problem der unklaren Bedeutung woanders hin, und zwar auf den Begriff des Krieges. Damit werden üblicherweise andauernde, bewaffnete Konflikte zwischen zwei Fronten gemeint, die aufgrund ihrer zerstörerischen Natur viele Todesopfer fordern. In diesem Sinne würde negativer Frieden also die Abwesenheit von direkter, personaler Gewalt bedeuten. Was bei dieser Definition jedoch nicht beachtet wird, ist, dass Krieg nicht nur heißt, dass aktuell gekämpft wird, sondern auch, dass die Bereitschaft für solch einen besteht. Dies ist beispielsweise in Staaten der Fall, in denen zwar die militärischen Auseinandersetzungen zwischen zwei bewaffneten Kollektiven geendet haben, spontanes Auftreten von Gewalt jedoch trotzdem noch nicht unüblich ist.

Der zweite Ansatz, positiver Frieden, ist zwar nicht so bekannt wie der negative Frieden, ist aber im Prinzip eine Erweiterung von diesem*. Positiver Frieden geht über die bloße Abwesenheit von Krieg hinaus und verlangt auch die Abwesenheit indirekter, struktureller Gewalt. Diese umfasst alles, was für soziale Ungleichheit und Ungerechtigkeit sorgt, wie etwa Diskriminierung, ungleiche Einkommensverteilung und unfaire Bildungschancen. Dies heißt also, dass Frieden einerseits nur dann besteht, wenn die momentanen Bedingungen nicht aufgrund ihrer Ungerechtigkeit mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Gewalt führen, und andererseits erst dann wiederhergestellt ist, wenn die Infrastruktur wieder aufgebaut und Strukturen für mehr soziale Gerechtigkeit und Entwicklung errichtet wurden.

Selbstverständlich sind auch diese beiden Definitionen sehr allgemein und sehen in jedem einzelnen Fall von Krieg und Frieden anders aus, dennoch geben sie einen guten Überblick darüber, was Frieden eigentlich bedeutet.


* Manchmal wird positiver Frieden auch nur als die Abwesenheit struktureller Gewalt definiert und erst in einem dritten Ansatz das Zusammenspiel aus der Abwesenheit personaler sowie struktureller Gewalt als eine eigene Art von Frieden angeführt.

Quellen:
https://www.grin.com/document/17355
https://ifsh.de/news-detail/ist-frieden-die-abwesenheit-von-krieg
https://www.tagesspiegel.de/politik/nach-innen-und-aussen-was-ist-frieden/3679710.html
https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/politiklexikon/17511/frieden/
https://www.menschenrechte-salzburg.at/kompass/index.php-id=64.html

Von: Miriam

17. Mai 2022

Bild: Sunguk Kim auf Unsplash

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