Wenn man an Frieden denkt, so denkt man häufig an eine sehr „große“ Art von Frieden, üblicherweise etwa an den Frieden zwischen zwei Ländern. Dabei muss man den Blick gar nicht so weit richten, wenn man nach Frieden sucht – oft findet man diesen schon im eigenen sozialen Umfeld. Man denke beispielsweise an den unangenehmen Nachbarn, die streitlustige Tante oder die eigenen Kinder, bei denen man sich manchmal wundert, wie sie sich noch nicht gegenseitig die Köpfe eingeschlagen haben. Auch in Fällen wie diesen kann es notwendig sein, Frieden zu schließen oder für Frieden zu sorgen, was vermutlich nahezu ein jeder und eine jede im Leben bereits einmal getan hat.

Obwohl vermutlich einem und einer jeden zumindest grob bekannt ist, was zwischenmenschlicher Friede ist, wollen wir diesen hier noch einmal kurz definieren. Friede in persönlichen Beziehungen heißt so viel wie ein harmonischer Zustand zwischen zwei oder mehr Personen, der gesunde Beziehungen, Sicherheit, Gleichheit und die Abwesenheit von Feindseligkeit und Unterdrückung garantiert. Zwischenmenschlicher Friede bedeutet also etwas einfacher gesagt so viel wie Friede in Beziehungen auf personaler Ebene, also in Alltagsbeziehungen wie etwa solchen zu Arbeitskolleg:innen, Freund:innen und Familienmitgliedern. Auch Friede innerhalb von Gemeinschaften und Nachbarschaften zählen zum zwischenmenschlichen Frieden dazu. Zwischenmenschlichen Frieden (wieder-)herzustellen fällt vor allem denjenigen Personen leicht, die ein gutes Maß an Empathie, Toleranz und Achtsamkeit besitzen sowie auch ein Gespür dafür haben, sich mit den Umständen eines Konflikts konstruktiv auseinanderzusetzen.

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Natürlich sieht es in der Realität nicht so aus, dass Frieden ein Zustand der absoluten Harmonie ist, in dem jeder wunschlos glücklich ist und in dem es kaum kriselt. Viel eher ist es so, dass Frieden zum einen viel Mut und hohe Kompetenz zur Kommunikation erfordert, da es nicht leicht ist, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Gleichzeitig muss man auch ein gewisses Maß an Konfliktfähigkeit mitbringen und in der Lage sein, Druck auszuhalten, denn nicht immer ist die andere Person genauso interessiert daran, Frieden zu schließen wie man selbst. Schließlich muss man sich auch bewusst sein, dass Passivität nicht zielführend ist, wenn man Frieden erreichen möchte – stattdessen ist es notwendig, aktiv zu werden und auch bereit zu sein, die Umstände des Friedens immer wieder neu auszuhandeln, da Konflikte immer wieder entstehen, gerade zwischen Personen, die einander zuvor alles andere als friedlich gesinnt waren.

Friede mit dem Nächsten wird häufig nicht die Wichtigkeit zugewiesen, die er eigentlich hat. Vielmehr wird er wie eine Art Tugend behandelt, ein Ideal, nach dem man streben sollte, das allerdings über die persönliche Sphäre hinaus nicht allzu viel Bedeutung hat. Tatsächlich spielt zwischenmenschlicher Frieden eine wesentliche Rolle für Frieden auf höheren Ebenen, also beispielsweise dem Frieden innerhalb eines Landes und Frieden über Landesgrenzen hinweg.

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Zwischenmenschlicher Friede hilft dabei, eine positive soziale Umgebung aufrechtzuerhalten, die großflächigen Gewaltausbrüchen vorbeugt. In einem Umfeld, in dem zwischenmenschliche Spannungen aktiv abgebaut werden und der Großteil der Interaktionen auf personaler Ebene harmonisch und respektvoll abläuft, ist es immerhin um einiges unwahrscheinlicher, dass Menschen plötzlich auf Gewalt zurückgreifen, um ihren Willen und ihre Überzeugungen durchzusetzen. Zudem sind friedliche Begegnungen mit einzelnen Personen häufig der Schlüssel dazu, Vorurteile über „die andere Seite“ aus dem Weg zu räumen, wie es beispielsweise im Krieg oft der Fall ist. Indem man einen Menschen der gegnerischen Seite kennenlernt, mit dem man aber ohne Probleme eine zivilisierte Unterhaltung führen kann, kann man beispielsweise mehr über die Vorgänge in einem Land erfahren und eine andere als nur die eigene Sichtweise annehmen, was Spannungen zwischen zwei Fronten abbauen und eine höhere Ebene des Friedens als bloß zwischenmenschlichen Frieden ermöglichen kann.

Quellen:
https://www.academia.edu/2482232/Interpersonal_Peacemaking_and_Peace_by_Joanie_Connors_Ph_D_Interpersonal_Peacemaking_Reader_2011
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC8387812/
https://www.jstor.org/stable/24589577

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Von: Miriam

26. Mai 2022

Bild: Nati Melnychuk auf Unsplash

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