Ich sitze mit Philipp S. am Balkon seiner Wohnung im fünften Stock einer Grazer Gemeindebausiedlung im nördlichen Innenstadtgebiet. Die Herbstsonne wärmt unsere Gesichter, während wir über das Thema Wohnen sprechen.

Philipp, wie wohnst du?

Philipp: Ich wohne allein, also nicht ganz allein, sondern mit meinen beiden Katzen, die hier gerade herumtänzeln. Ich fühle mich wohl in meiner Wohnung. Dekoration könnte noch mehr hinzukommen, diesbezüglich bin ich ein bisschen faul. Ich mag es, Pflanzen und Küchenkräuter um mich zu haben.

Alleine zu wohnen gefällt mir, weil mein Zuhause für mich ein Rückzugsort ist, wo meine eigenen Regeln gelten. Wo ich für mich sein kann, wenn mir alles andere zu viel wird, wo ich mit niemandem mehr interagieren muss und zur Ruhe kommen kann.

Wie war das früher für dich?

Philipp: Einmal habe ich in einer Wohngemeinschaft gelebt, das ist aber nicht so meines. Weil meine Mitbewohner und ich unterschiedliche Vorstellungen vom Zusammenleben hatten. Beispielsweise waren unsere Routinen und Tagesabläufe sehr unterschiedlich, was zwischenmenschlich sehr herausfordernd ist.

Ich lebe nun seit etwas über drei Jahren hier. Nach meiner Kindheit habe ich noch nie so lange an einem Ort gewohnt und mich, glaube ich, in keiner Wohnung in Graz derart wohl gefühlt. Ich habe es mir hier gut eingerichtet, Geld investiert, meine Wohnräume gestaltet und deshalb denke ich derweil nicht ans Ausziehen. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich mir für die Suche nach dieser Wohnung genug Zeit nehmen konnte.

Was ist dir in deinem Wohnumfeld wichtig?

Philipp: Ich schätze an meinem Wohnumfeld, dass es rundherum Grünflächen gibt. Ich sehe vom Balkon aus direkt auf den Grazer Plabutsch und an der Mur bin ich in wenigen Gehminuten. Einerseits ist mir Ruhe wichtig, andererseits ist mir gute Infrastruktur ein Anliegen, zum Beispiel Einkaufsmöglichkeiten oder öffentliche Sportplätze zur Verfügung zu haben. Es befindet sich ein Basketballplatz in der Nähe und an der Mur gibt es einen öffentlichen Trainingspark. Das finde ich super.

Mir ist auch wichtig, dass man sich mit seinen Nachbarn versteht, oder zumindest ein neutrales Verhältnis hat. Das ist hier gegeben. Mit dem einen oder anderen Nachbarn wechsle ich auch mal ein paar Worte mehr. Ich schätze, wenn man sich gegenseitig unterstützt und ich mir zum Beispiel spontan Lebensmittel ausborgen kann. Im Großen und Ganzen bin ich überaus zufrieden mit der Gemeinschaft in dieser Siedlung.

Was mir noch einfällt: Ich lebe im 5. Stock ohne Lift. Jetzt in meinen jungen Jahren stört es mich nicht – und ich weiß auch nicht, ob ich bis zum Alter dableiben möchte – aber ich denke immer wieder über Barrierefreiheit nach.

Wie wohnst du in deinen Träumen?

Philipp: Früher wollte ich immer in der Stadt wohnen, wo was los ist. Je älter ich werde, umso idyllischer stelle ich es mir vor, an einem kleinen Ort zu leben. In einem kleinen Haus in der Natur, mit Garten, wo man seine Nachbarn und Nachbarinnen gut kennt. Gleichzeitig ist es praktisch und attraktiv, nicht zu abgeschieden zu wohnen, sodass man mit dem Auto die Stadt kurzfristig erreichen kann, um am öffentlichen Leben teilhaben zu können, also beispielsweise Veranstaltungen oder Feiern besuchen kann. In ferner Zukunft kann ich mir jedenfalls gut vorstellen, sehr naturnah und auch entlegen zu wohnen.  Dann überwiegen für mich die Vorteile der ländlichen Ruhe und Verbundenheit mit Naturräumen.

Und wenn du deinem Denken gar keine Grenzen setzt, was wäre denn dein größter Wohntraum?

Philipp: Am Meer fühle ich mich schon sehr wohl. Ich bin vor allem kein Freund von Winter und Kälte. Obwohl ich in letzter Zeit die Jahreszeiten hier wieder sehr genieße. Ich betreibe auch gerne Wintersport wie Snowboarden, was in Österreich durch die Klimaveränderung künftig ohnehin nur mehr begrenzt möglich sein wird. Das Leben im Süden, am Meer wäre langsamer und entschleunigter, denke ich. Ich bräuchte da nicht viel, nichts Aufregendes, vielleicht ein kleines Strandhäuschen. Die Einfachheit reizt mich sehr.

Von: Viktoria

11. Oktober 2021

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