Bisher haben wir uns mit Grooming, also der Kontaktaufnahme von Erwachsenen mit Minderjährigen zu unangemessenen Zwecken, beschäftigt. Es gibt darüber hinaus einen Prozess, der dem Grooming im Ablauf sehr ähnlich ist, jedoch ein ganz anderes Ziel hat: Die Radikalisierung.

Um nur noch einmal den Begriff zu definieren: Radikalisierung bedeutet, dass eine Person beginnt, extremistische Ideologien zu unterstützen oder selbst in diese verwickelt wird. Im Extremfall kann dies sogar dazu führen, dass die Person aktiv an Terrorismus teilnimmt. Dabei sind Kinder und Jugendliche zwar nicht die einzigen Opfer der Radikalisierung, sie sind jedoch eine Subgruppe, die besonderen Schutz bedarf.

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Wenn Radikalisierung zustande kommt, sind üblicherweise zwei Bedingungen erfüllt. Erstens braucht es eine Person oder Gruppe, die eine spezifische Ideologie besitzt und die Absicht hat, weitere Leute zu rekrutieren, um Unterstützung oder Mitstreiter:innen zu gewinnen. Zweitens haben diejenigen Personen, die dabei das Ziel der Radikalisierung sind, oft einige Eigenschaften gemeinsam. Dazu gehört zum Beispiel, dass sie in irgendeiner Hinsicht verwundbar sind, wie etwa aufgrund von psychischen Erkrankungen, unerfüllten psychologischen Bedürfnissen, Probleme daheim, niedriges Selbstbewusstsein oder soziale Isolation.

Der Ablauf von Radikalisierung dürfte all jenen, die die Beiträge über Grooming bereits gelesen haben, sehr vertraut vorkommen. Zunächst wird ein Opfer ausgewählt, zu dem anschließend eine Beziehung aufgebaut wird, um Vertrauen herzustellen. Mit fortschreitender Zeit wird das Opfer jedoch immer weiter isoliert und von möglicherweise bestehenden Support-Systemen abgeschnitten, um dieses vulnerabler zu machen. Gleichzeitig werden auch die Inhalte, die die Täter:innen mit ihren Opfern teilen, immer extremer. Da den Opfern wie beim Grooming auch hier eingebläut wird, dass die Beziehung zu einander, beziehungsweise die geteilten Inhalte, ein Geheimnis bleiben müssen, verschweigen sie die Geschehnisse aus Angst, von anderen dafür verurteilt zu werden.

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Wie das Grooming verlagert sich auch Radikalisierung immer mehr ins Internet aufgrund der zahlreichen Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme und der Anonymität. Zudem ist es online einfacher, ohne allzu großen Aufwand gleich mehrere potentielle Opfer zu radikalisieren. Sehr beliebt hierfür sind beispielsweise teambasierte Multiplayer-Computerspiele, bei denen es sehr einfach ist, mit anderen Personen, insbesondere auch mit Minderjährigen, in Kontakt zu treten.

Es ist nicht einfach, von außen festzustellen, wann jemand radikalisiert wird. Weigern sich Kinder und Jugendliche etwa, zu sagen, mit wem sie reden, schließen schnell den Laptop, wenn wer das Zimmer betritt oder haben starke Stimmungsschwankungen, so können dies Alarmzeichen sein, allerdings nicht nur für Radikalisierung. Beispielsweise könnte es auch sein, dass sie von Mobbing betroffen sind und dies vor ihren Eltern geheim halten wollen. Wichtig ist auch hier, ihnen zu vermitteln, dass man bereit ist, ihnen zuzuhören, ohne sie zu verurteilen oder zu verstoßen.

Quellen:
https://reportandsupport.brunel.ac.uk/support/what-is-grooming-and-radicalisation
https://www.britishcouncil.org/anyone-anywhere/explore/dark-side-web/online-grooming-radicalisation
https://gnet-research.org/2024/02/08/grooming-for-violence-similarities-between-radicalisation-and-grooming-processes-in-gaming-spaces/

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Von: Miriam

4. Juli 2024

Bild: Foto von Gilles Lambert auf Unsplash

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