Troubled Teen Industry

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Foto: Foto von Aedrian Salazar auf Unsplash
Wenn Jugendliche nicht ins System passen
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Die Pubertät ist für niemanden eine einfache Zeit. Nicht für die Teenager, die sie selbst durchmachen, nicht für ihre Lehrer:innen und Peers, mit denen sie immer wieder aneinandergeraten, und auch nicht für ihre Eltern, die häufig ans Ende ihrer Grenzen gelangen. Letztere sind oft überfordert mit all den Veränderungen und den Herausforderungen, die das Zusammenleben mit einem Teenager mit sich bringen kann, wie beispielsweise den emotionalen Hochs und Tiefs, schlechten Noten, Schulschwänzen, schwierigen Freundeskreisen und möglicherweise auch dem Ausprobieren diverser legaler und illegaler Drogen. Da klingt es nur allzu verlockend, jemand anderen damit zu beauftragen, besonders rebellische Teenager wieder „auf die richtige Spur“ zu bringen – doch was zunächst wie eine Entlastung und eine gute Lösung klingt, birgt meist große Gefahren.
Vor allem in Amerika ist die Troubled Teen Industry (TTI; dt.: Schwererziehbaren-Industrie), die sich mit genau solchen Fällen befasst, sehr vertreten. Dabei handelt es sich um schlecht regulierte Einrichtungen zur Behandlung von Jugendlichen, die als Problemfälle gelten. Dazu gehören therapeutische Internatsschulen, Boot Camps, stationäre Behandlungszentren und auch Wildnis-Therapieprogramme. Einrichtungen dieser Art brüsten sich damit, der ideale Rehabilitationsort für Teenager mit Lernschwierigkeiten, Emotionsregulationsproblemen, psychischen Erkrankungen und Drogenmissbrauch zu sein.

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Die TTI hat so einige Schattenseiten, von denen inzwischen schon einige gut beleuchtet wurden – so viele, dass sie nicht einmal in einem einzigen Beitrag Platz haben. So können Jugendliche beispielsweise aus allen möglichen Gründen in eine der Einrichtungen geschickt werden – ob nun aufgrund von Drogenmissbrauch, „respektlosem“ Verhalten, oder auch einfach nur, weil die Eltern ihre Partner:innen unakzeptabel finden, so wirkliche Vorschriften gibt es nicht. Oft werden die Eltern der Jugendlichen auch unter Druck gesetzt und durch Angstmacherei dazu manipuliert, zu glauben, einzig und allein der Besuch einer der TTI-Einrichtungen könne ihre Teenager noch retten. Als ob das nicht schon genug wäre, werden sie später auch noch dazu manipuliert, ihren Kindern nicht zu glauben, wenn diese versuchen, ihnen von ihren furchtbaren Umständen und Erfahrungen in den TTI-Einrichtungen zu erzählen.
Alleine der Weg in die TTI-Institutionen stellt sich für viele Teenager als ein einziger Albtraum heraus. Immerhin sind nur die wenigsten von ihnen freiwillig bereit dazu, sich in eine der Einrichtungen zu begeben, weswegen diese durchaus kreativ mit ihren Methoden sein können. So kooperieren die TTI-Einrichtungen oft mit Jugendbegleitdiensten oder auch „legalen Kidnappern“, die nicht unbedingt zimperlich mit den Teenagern umgehen. Die Jugendlichen werden mitten in der Nacht aus dem Schlaf gerissen, grob behandelt, beim kleinsten Widerstand mit Handschellen gefesselt und von ihnen völlig fremden Menschen wegtransportiert. Eltern übertragen dem Begleitunternehmen dafür vorübergehend das Sorgerecht, was manche der Jugendlichen erst nach einigen Tagen ihrer Entführung erfahren – bis dahin haben sie also noch gar keine Ahnung, dass sie mit der Erlaubnis ihrer Eltern gekidnappt wurden. In vielen Fällen führen diese Methoden zu einem bleibenden Trauma für die Betroffenen.
Mehr dazu, was die Jugendlichen nach ihrer Ankunft in den TTI-Einrichtungen erwartet, ist Thema des nächsten Beitrags.
Quellen:
https://www.unh.edu/inquiryjournal/blog/2022/04/troubled-teen-industry-its-effects-oral-history
https://www.cycj.org.uk/resource/out-of-control-private-troubled-teen-industry-facilities-in-the-usa-and-the-enabling-of-institutional-child-abuse/
https://www.unsilenced.org/the-industry/
Von: Miriam
7. November 2025
Bild: Foto von Aedrian Salazar auf Unsplash
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Respekt, von TTI und den damit verbundenen Problemen hatte ich noch nie gehört!