Eigentlich würde man ja denken – oder eher hoffen –, dass zumindest Kinder und Jugendliche kein Ziel der Indoktrinationsmethoden diverser Sekten sind. Dem ist allerdings nicht so: Vor allem junge Menschen sind Beeinflussungen von außen gegenüber besonders verwundbar, weswegen es vielen Sekten ein Leichtes ist, sie zum Beitritt zu manipulieren. Viel öfter haben Kinder und Jugendliche aber auch gar keine Chance, selber zu entscheiden, ob sie einer Sekte beitreten möchten oder nicht. Immerhin gibt es auch viele, die innerhalb einer Sekte geboren wurden und dieser von klein auf schon angehören.

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Generell ist es so, dass Kinder und Jugendliche eher unattraktiv für Sekten sind – immerhin haben diese im Gegensatz zu Erwachsenen meist kaum Geld, das ihnen geschickt aus der Tasche gezogen werden kann. Zudem erfolgten in den Neunzigern in Graz Unmengen an kritischen Medienberichten, die die Ansprache von jungen Menschen vor der Schule oder am Schulweg großteils verunmöglichten. In Anbetracht dessen lohnt es sich für die meisten Sekten also nicht, das Risiko einzugehen, durch die direkte Anwerbung von Kindern und Jugendlichen negativ aufzufallen und eventuelle Konsequenzen dafür in Kauf zu nehmen. Zwar gibt es immer wieder Fälle, wie etwa bei den modernen Sekten der Jihadisten, Salafisten und Neonazis, in denen Sekten vor dem Schulbereich aktiv sind, diese sind allerdings bei Weitem nicht die Norm. Stattdessen kommt es viel eher vor, dass Sekten versuchen, sich – vor allem auf Umwegen – an potenzielle junge Opfer heranzupirschen. So kann es passieren, dass Kinder und Jugendliche über Jugendzentren, Jugendtreffs, soziale Medien oder auch Freunde und Verwandte auf Werbung für eine Sekte stoßen.

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Viel mehr Bedeutung für Sekten haben allerdings diejenigen Kinder und Jugendlichen, die von ihren Anhänger:innen gezeugt wurden und somit von Beginn an der Indoktrination ausgesetzt sind. Ihnen werden ausschließlich die Ideologien der jeweiligen Sekte vorgelebt, viel Raum zum Bilden einer eigenständigen Persönlichkeit und Meinung bleibt hierbei dank fehlender Lebenserfahrungen nicht. Das Entwickeln einer Identität außerhalb der Sekte fällt solchen Kindern und Jugendlichen oft schwer, ein großer Teil ihres Selbstwertgefühls hängt von ihrem Teilhaben an der Gruppengemeinschaft ab. Kinder von Sektenmitgliedern definieren die Trennlinie zwischen sich und der Umwelt aufgrund der ihnen vorgelebten, sehr eingeschränkten Perspektive meist noch radikaler als ihre Eltern und werden auch von Seite ihrer Schulkolleg:innen aus oft ausgegrenzt. Viele solcher Sektenkinder sind gefährdet, soziale oder psychische Auffälligkeiten zu entwickeln oder gar wegen ihrer ungewöhnlich starken Bindung an die Gemeinschaft in Abhängigkeit von ihrer Sekte zu geraten. Umso kritischer wird es daher, falls sich einer oder beide Elternteile dazu entschließen, die Sekte zu verlassen oder die Sektenkinder selbst beschließen, sich von ihren Eltern loszulösen. Immerhin wurde ihnen jahrelang vorgelebt, dass der Austritt aus der Sekte automatisch die Verdammung bedeutet, was in vielen Fällen zu lang anhaltenden Angst- und Schuldgefühlen führt.

Quellen:
https://www.blja.bayern.de/service/bibliothek/fachbeitraege/sekten.phphttps://www.blja.bayern.de/service/bibliothek/fachbeitraege/sekten.php
https://www.grin.com/document/26661
Sekten

Von: Miriam

16. April 2021

Bild: Bermix Studio auf Unsplash

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