In unserer neuen Blogreihe Kinder in der Stadt möchten wir den Kindern eine Stimme geben, sie fragen, wie sie in Graz leben, wie sie sich die steirische Landeshauptstadt denken und erträumen. Welche Angebote finden sie vor, was wünschen sie sich von ihrer Wohnumgebung, von den Menschen in der Nachbarschaft, welche Infrastruktur ist ihnen wichtig und welche Veränderungen möchten sie gerne verwirklicht sehen?

Dazu spreche ich mit Lucia Havrillova (13), der ehemaligen Kinderbürgermeisterin der Stadt Graz. Gemeinsam mit Felix Kanzler vertrat sie zwei Jahre lang die Interessen der Grazer Kinder und setzte sich u.a. für eine grünere Stadt ein. Anfang März dieses Jahres beendete sie ihre Amtszeit und übergab an ihre Nachfolgerin Hannah Cik.

 

Liebe Lucia! Wir treffen uns heute im Rathaus, anlässlich der Wahl zur Kinderbürgermeisterin bzw. zum Kinderbürgermeister. Gemeinsam mit Felix Kanzler (10), dem heute wiedergewählten Kinderbürgermeister und deinen Kolleg:innen vom Kinderparlament hast du dich zwei Jahre lang für die Interessen der Kinder in der Stadt eingesetzt. Vielen Dank, dass du dir heute Zeit nimmst, um mit mir über deine Erfahrungen und Erkenntnisse zu sprechen. Vorweg: Wie bist du auf die Idee gekommen, Kinderbürgermeisterin zu werden?

Meine Eltern haben mir vom Kinderparlament erzählt und ich war sogleich sehr interessiert. Ich habe dann an einer Sitzung des Kinderparlaments teilgenommen und entschieden als Kinderbürgermeisterin zu kandidieren.

Wie blickst du auf deine Amtszeit zurück?

Es gab viele Interviews, das war für mich neu, aber spannend, denn da habe ich gelernt frei zu sprechen und zu improvisieren. Das ist auch für das spätere Leben praktisch. Manchmal hatte ich ein bisschen Terminstress, aber das war nicht weiter schlimm. Ich fand diese Zeit cool, es war eine ganz einzigartige Erfahrung.

Ich habe gelesen, dass du dich für mehr Grünraum in Graz eingesetzt hast.

Ja genau, das war eines meiner Themen. Ein anderes, das ich auch stark vertreten habe, war Mobilität.

Du sprichst von sanfter Mobilität?

Ja genau. Vom Nutzen und dem Ausbau besserer Radwege.

Fährst du gerne mit dem Fahrrad?

Ja, sehr gerne.

Etwas, das in deiner Nachbarschaft auch gelebt wird?

Ich wohne in einer Wohnung eher am Rande der Stadt, nahe dem Wald und da fahren die Leute schon viel mit dem Auto. Wenn man da hinkommen will, muss man einen steilen Hügel hinauffahren und das tun sich viele Leute mit dem Fahrrad nicht an. Einige gibt es aber doch, die es gerne machen. Man kann das Rad auch ein stückweit schieben.

Was brauchen Kinder deiner Meinung nach in der Nachbarschaft?

Viel Grünfläche, viel Freiraum und nette Nachbarn. Ich glaube es ist gut, wenn man nicht in einer engen Wohnung lebt, aber da es nicht immer möglich ist, in einer ganz großen Wohnung zu leben, ist es umso wichtiger, dass man draußen viel Freiraum hat. Spielplätze im Wohnumfeld finde ich auch wichtig, allerdings finde ich es besser, wenn es keine Geräte gibt, die einen fixen, vorgeschriebenen Nutzen haben. Denn als älteres Kind möchte man gerne improvisieren und verwendet die Geräte anders als Kleinkinder.

Was funktioniert deiner Meinung nach bereits gut in Graz?

Die Mobilität in Graz ist grundsätzlich besser geworden. Es gibt mehr Bewusstsein für Verkehrsprobleme. Auf meinem Weg mit dem Fahrrad in die Schule gibt es eine unpraktische Stelle. Früher gab’s dort keine Ampel. Jetzt steht eine. Das hat sich verbessert.

Und wie sieht das Graz deiner Träume aus?

Es gäbe keine Autos, zumindest nicht in der Innenstadt. Und, obwohl es nicht überall Rasen geben kann, so wünsche ich mir, dass es zumindest mehr begrünte und bepflanzte Dächer gibt. Also mehr Dachgärten.

Was wünscht du dir für die Kinder, die heute kandidieren?

Ich wünsche ihnen viel Mitspracherecht und dass sie keine Angst davor haben, es in Anspruch zu nehmen.

Ja, das wünsche ich ihnen auch. Liebe Lucia, vielen Dank für das Gespräch.

Gerne!

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