Filme und Serien zeigen vieles – spannungsgeladene Verfolgungsjagden, herzzerreißende Liebesgeschichten und komische Alltagssituationen, bei denen man aus dem Lachen gar nicht mehr herauskommt. Eines zeigen sie allerdings nur sehr selten: Die Realität. Meist werden am Bildschirm Personen gezeigt, denen man so im realen Leben nicht begegnen würde, was den Zuschauer:innen allerdings üblicherweise auch bewusst ist, immerhin haben nur die wenigsten von Ihnen viele Gemeinsamkeiten mit Charakteren wie etwa James Bond. Dennoch kann es passieren, dass Charaktere in Filmen oder Serien beispielsweise falsche Erwartungen an oder Annahmen über das andere Geschlecht in den Zuschauer:innen hervorrufen – ein Phänomen, das vor allem weibliche Charaktere sehr häufig betrifft.

Dies ist vor allem der Tatsache zuzuschreiben, dass viele Frauenrollen in Filmen und Serien eindimensional sind. Um zu verstehen, wie genau dieses Phänomen zustande kommt, ist es daher wichtig, sich zuerst einmal mit der Ein- beziehungsweise der Mehrdimensionalität von Charakteren in Filmen und Serien zu beschäftigen.

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Generell gibt es drei Dimensionen, die ein fiktionaler Charakter besitzen kann: Höhe, Breite und Tiefe. Die Höhe bezeichnet dabei, wie wichtig ein Charakter für den Plot, die fiktionale Gesellschaft oder die Protagonisten, ist. Ein Charakter, der ausschließlich über seine Höhe und ein oder zwei Charaktereigenschaften definiert ist, wird als eindimensional bezeichnet. Breite hingegen bezeichnet die Variation innerhalb eines Charakters, genauer gesagt die Gesamtheit der Eigenschaften dieses Charakters und wie diese miteinander harmonieren oder einander widersprechen. Besitzt ein Charakter zusätzlich zu seiner Höhe auch Breite, so wird dieser zweidimensional genannt. Schließlich gibt es noch die Tiefe, die dafür steht, wie sich ein Charakter in den Augen der Zuschauer:innen ändert, sobald diese ihn besser kennenlernen. Charaktere, die außer Höhe und Breite auch Tiefe besitzen, gelten als dreidimensional und kommen damit am ehesten Personen aus dem realen Leben nahe, weshalb sich die Zuschauer:innen am besten mit ihnen identifizieren können. In fiktionalen Werken ist es allerdings nicht immer notwendig, dass Charaktere in Filmen oder Serien mehrdimensional sind. Abhängig vom Genre, der Zielgruppe, der Plot und die Rolle, die ein Charakter spielt, können durchaus Unterschiede darin bestehen, wie viele Dimensionen dieser benötigt.

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Eindimensional zu sein bedeutet also, dass die betroffenen Charaktere einen speziellen Nutzen haben und abseits von diesem nicht viel zu tun oder zu sagen haben. Beispielsweise wären das etwa der dicke Mitarbeiter, der nur existiert, damit seine Kollegen Witze auf seine Kosten machen können, die lästige Ehefrau, die außer zu meckern nicht wirklich etwas Anderes tut oder auch der schwule beste Freund, der außer schwul zu sein keine weiteren definierenden Eigenschaften besitzt. Während manche eindimensionale Charaktere vollkommen unproblematisch sein können – beispielsweise Charaktere in Horrorfilmen, die recht früh Opfer eines Killers werden und daher weder Breite noch Tiefe benötigen –, so können andere durchaus dabei mitwirken, Stereotype, Vorurteile und falsche Annahmen zu bestätigen oder zu schaffen.

In den nächsten Beiträgen beschäftigen wir uns mit diversen Kategorien, in die viele eindimensionale Frauenrollen in Filmen und Serien fallen, und weshalb diese unter Umständen problematisch sein können.

Quellen:
https://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Main/CharacterDepth
https://thoughtcatalog.com/kat-george/2013/07/why-are-women-one-dimensional/

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Von: Miriam

4. November 2021

Bild: Mollie Sivaram auf Unsplash

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