Im vorangehenden Blogartikel haben wir uns mit der Rolle der Tussi befasst, eine eindimensionale Kategorie von Frauenrollen, die meist bloß die drei Qualitäten schön, betont feminin und blöd besitzen. Tatsächlich ist Weiblichkeit ein Attribut, das sehr häufig auf negative Weise verwendet wird, um (überwiegend) eindimensionale Mädchen und Frauen in Filmen und Serien zu charakterisieren. Ein weiteres Trope, das genau dies tut, ist das des Mean Girls, auch als Queen B oder wenig schmeichelhaft als Alpha Bitch bekannt. Der Name dieses Rollentyps ist dabei mehr als nur Programm.

Das Mean Girl ist nämlich vor allem eines: Gemein. Und zwar zu jedem, der ihr im Weg steht, seien dies nun die Versager:innen des Films, ihre eigenen Freund:innen oder gar ihr Partner. Dabei geht das Mean Girl entweder aggressiv oder passiv-aggressiv vor, alterniert aber manchmal auch zwischen den beiden Taktiken. Aggressiv vorgehende Mean Girls sind üblicherweise nicht unbedingt intelligente Mobberinnen, die vor den Augen aller anderen ihre Opfer fertig machen und dabei auch nicht sonderlich kreativ sind. Sie machen sich beispielsweise lustig über ihre Opfer, beleidigen sie oder schütten ihnen Drinks auf die Kleidung, häufig ohne wirklich triftigen Grund, sondern einfach nur so, „weil sie eben so sind“. Passiv-aggressive Mean Girls besitzen ein paar IQ-Punkte mehr als ihre aggressiven Mitstreiterinnen, die sie vor allem zur Manipulation verwenden. Diese Art der Mean Girls sind weniger offensichtlich unterwegs und zeigen der Allgemeinheit bloß ihre Schokoladenseite, während meist nur ihre Opfer mitbekommen, wie fies sie tatsächlich sind. Typische Vorgehensweisen von passiv-aggressiven Mean Girls sind das Konstruieren von Missverständnissen, absichtliches Enthalten von wichtigen Informationen oder auch das „versehentliche“ Ausplaudern von Geheimnissen.

Foto von Jonah Brown auf Unsplash

Obwohl sie sich gegenüber ihren Mitmenschen unausstehlich verhalten, sobald diese nicht nach ihrer Pfeife tanzen, sind Mean Girls üblicherweise doch sehr beliebt. Mit ihrer Persönlichkeit hat das jedoch selten etwas zu tun: In vielen Fällen besitzen Mean Girls viel Macht und Einfluss, beispielsweise dadurch, dass ihre Eltern wichtige Persönlichkeiten wie Politiker:innen, Bürgermeister:innen oder Direktor:innen kennen oder sogar selbst sind. Zudem stammen sie häufig auch aus reichen Familien und schmeißen daher die größten Partys oder vergeben die teuersten Geschenke an all diejenigen, die sie umschwärmen. Selbstverständlich sind Mean Girls normalerweise zusätzlich auch sehr attraktiv, weshalb eine große Menge von Jungen und Männern Schlange bei ihnen stehen oder sich sogar gegenseitig bekriegen, um ihr nächster schlecht behandelter Partner sein zu dürfen.

Wie auch Tussis sind Mean Girls häufig sehr feminin und legen viel Wert auf Äußerlichkeiten, ihre definierende Eigenschaft ist jedoch ihr fieser Charakter. Make-up, Nagellack und Parfum gehören üblicherweise auch bei Mean Girls zur Grundausstattung, während ihr Kleiderschrank bis zum Bersten voll mit verschiedensten Designerklamotten ist. Gleichzeitig werden oft genau diejenigen Charaktere in Filmen und Serien Opfer ihrer oberflächlichen Sticheleien, die ihrem Äußeren weniger Aufmerksamkeit schenken.

Foto von kevin laminto auf Unsplash

Dieses Trope ist insofern problematisch, da es oft im echten Leben fälschlicherweise auf Mädchen und Frauen angewandt wird, die sich nicht davor scheuen, ihre eigene Meinung kundzutun oder sich das zu nehmen, was ihnen zusteht. Sehr schnell wird Mädchen und Frauen, die sich nicht wie von ihren (oft männlichen) Kollegen erwartet zurückhaltend und unterwürfig verhalten oder gar hin und wieder zu einem schärferen Ton greifen, der Titel des Mean Girls aufgedrückt, obwohl dieser nicht wirklich zutreffend ist. Gleichzeitig werden – wie durch die Gleichsetzung von weiblich und dumm beim Trope der Tussi – auch durch das Zeigen von Mean Girls in Filmen und Serien weitere negative Attribute mit „stereotypisch femininen“ Vorlieben und Hobbys verbunden.

Tatsächlich hat das Konzept des Mean Girls allerdings auch Potenzial zur Gesellschaftskritik: Die Darstellung von Mean Girls in Filmen betont nämlich das, häufig sehr toxische, Konkurrenzdenken von Mädchen und Frauen, das ihnen in der heutigen Gesellschaft nicht selten anerzogen wird. Sie müssen cooler sein als die anderen, hübscher, schlanker und selbstverständlich auch erfolgreicher, denn ansonsten gehen sie in der Masse unter – so das Narrativ, das man beispielsweise in einer großen Zahl von Medien in unterschiedlichster Form wiederfindet. Hin und wieder reicht dieses Konkurrenzdenken sogar so weit, dass sich Mädchen und Frauen einander absichtlich sabotieren, um selber besser dazustehen, anstatt einander zu unterstützen. Mean Girls in Filmen und Serien sind eine sehr übertriebene Darstellung davon, wie sehr Mädchen und Frauen unter diesem ständigen Wettbewerb leiden und regen somit zum Nachdenken an.

Quellen:
https://theswaddle.com/can-we-move-on-from-the-mean-girl-trope-as-a-depiction-of-hyper-competitiveness-between-women/
https://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Main/AlphaBitch

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Von: Miriam

25. November 2021

Bild: Ussama Azam auf Unsplash

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