Generell werden bevorzugt sehr attraktive Schauspieler:innen für Rollen gecastet, wenn ein Film gedreht wird – immerhin lassen sich mit gutem Aussehen sehr viele Menschen begeistern und somit auch in die Kinosäle lotsen. Um noch eines draufzusetzen und die Schaulust der (hier absichtlich betont männlichen) Konsumenten aufrechtzuerhalten, wird in vielen Filmen und Serien zudem besonders eine Art der eindimensionalen Frauenrollen ausgeschlachtet: Ms Fanservice. Frauenrollen dieser Kategorie sind auch unter dem Namen Eye Candy bekannt, der eigentlich schon alles verrät – wenig interessante Persönlichkeit, viel (Auf-)Reizendes zum Anschauen.

Um zu erkennen, wer eine Ms Fanservice ist, muss man nicht einmal darauf warten, dass diese ihr erstes Wort spricht. Ihre Kleidung und die Kameraführung, die vor allem dem männlichen Zuschauer Fanservice (zu Deutsch etwa Augenschmaus) bieten sollen, übernehmen die Charakterisierung nämlich für sie und sind dabei alles andere als subtil. Ob nun spärlich bedeckende Bikinis, gefährlich kurze Röcke, bemerkenswert tiefe Ausschnitte oder aber hochgeschlossene, dafür aber hautenge, Körperanzüge – alles, was die Ms Fanservice trägt, dient dazu, möglichst viel von ihrer Figur herzuzeigen und in höchst erotischem Licht zu präsentieren. Auch die Kamera tut ihr Bestes, um den Sexappeal der Ms Fanservice noch einmal mehr zu unterstreichen: Auffallend langes Verweilen auf ihrem Körper, nahes Heranzoomen an ihre Kurven oder verlangsamte Shots ihrer Brüste beim Laufen sind nur ein paar Beispiele dafür, wie ihr Aussehen stets sexualisiert und in den Fokus gerückt wird.

Frauenrollen, die in dem Trope der Ms Fanservice angehören, fallen meist in eine von vier Unterkategorien: Fanservice Extra, Innocent Fanservice Girl, Reluctant Fanservice Girl oder Shameless Fanservice Girl.

Foto von Hannah Xu auf Unsplash

Das Fanservice Extra ist zugleich die einfachste und unverblümteste Methode, die Ms Fanservice in einen Film oder eine Serie einzubauen. Frauenrollen dieser Unterkategorie äußern üblicherweise nur wenige Sätze oder aber auch überhaupt keinen Text und tauchen nahezu ausschließlich in Szenen auf, in denen sie für Fanservice benötigt werden. Hierzu gehören beispielsweise Rollen wie die einer duschenden Cheerleaderin im Hintergrund oder die einer obenrum nackten Frau in einem vorbeifahrenden Cabrio.

Der Fanservice von Frauenrollen, die sich dem Innocent Fanservice Girl zuordnen lassen, basiert auf der Tatsache, dass weibliche Charaktere dieser Art zu unschuldig oder zu nichtsahnend sind, um zu verstehen, weshalb das Entblößen ihres Körpers für andere unanständig ist. Hier bedient man sich beispielsweise oft außerirdischer Kreaturen, die Menschen äußerlich sehr ähnlich sind, allerdings nicht dieselbe Einstellung gegenüber Nacktheit haben und deshalb in vielen – wenn nicht sogar in allen – Szenen ohne Kleidung dargestellt werden.

Mädchen und Frauen aus der Unterkategorie Reluctant Fanservice Girl hingegen präsentieren ihren Körper nur ungern und mögen es nicht, von Burschen und Männern angestarrt zu werden. Dennoch landen sie immer wieder in demütigenden Situationen, in denen sie freizügige Kleidung tragen oder sich vollständig entblößen müssen. Sei es nun, weil sie von ihren Freund:innen dazu überredet wurden, einen Feind ablenken müssen oder weil ihre Kleidung gestohlen würde – sie sind auf jeden Fall stets sehr unglücklich darüber, mehr Haut zu zeigen, als ihnen lieb ist.

Foto von Alex Azabache auf Unsplash

Die letzte der vier Unterkategorien ist die des Shameless Fanservice Girl. Frauenrollen dieser Art wissen einerseits sehr genau, wie ihre Freizügigkeit auf ihre Mitmenschen wirkt und haben andererseits auch kein Problem damit, viel von ihrem Körper zu entblößen. Tabus sind ihnen herzlichst egal und sie interessieren sich auch meist nicht wirklich dafür, wer sich an ihrem nicht vorhandenen Schamgefühl stört, wenn sie sich beispielsweise vor den Augen anderer komplett nackt ausziehen, um schwimmen zu gehen.

Problematisch am Trope der Ms Fanservice ist vor allem, dass dieses erheblich zur Hypersexualisierung von Mädchen und Frauen beiträgt. Während Männer ihre Kleidung in Filmen und Serien sehr viel öfter anbehalten als Frauen und auch vergleichsweise selten gegen freizügigere Outfits eintauschen müssen, sieht es bei ihren Kolleginnen ganz anders aus. Von diesen wird erwartet, widerstandslos viel nackte Haut zu präsentieren und sich somit zum Objekt der Schaulust der männlichen Zuschauer zu machen. Auch im Alltag entfliehen Mädchen und Frauen dieser ständigen Sexualisierung und Objektifizierung nicht, die durch die vielen unmissverständlich erotischen Szenen von Frauenrollen der Kategorie Ms Fanservice nur weiter befeuert wird. Nachdem in Filmen und Serien unverblümt dazu eingeladen wird, die vielen Kurven solcher weiblichen Charaktere zu begaffen, überträgt sich dieser sexualisierende Blickfilter gelegentlich auch ins reale Leben, in dem Mädchen und Frauen allerdings sehr viel mehr als bloß ein wandelndes Paar Brüste und ein wackelnder Hintern sind.

Quellen:
https://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Main/MsFanservice

https://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Main/FanserviceExtra
https://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Main/InnocentFanserviceGirl
https://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Main/ReluctantFanserviceGirl
https://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Main/ShamelessFanserviceGirl
https://womensagenda.com.au/life/how-the-top-grossing-films-are-warping-our-views-of-women/
https://www.weforum.org/agenda/2019/10/harmful-female-gender-stereotypes-film-industry/
https://www.researchgate.net/publication/305808799_Sexual_Objectification_of_women_in_films

Von: Miriam

1. Dezember 2021

Bild: Garin Chadwick auf Unsplash

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