Vergessene Kriege

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Foto: MONUSCO Photos, CC BY-SA 2.0
Kongo – ein Spielball der Interessen
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Auch diesmal wollen wir uns wieder mit einem Konflikt befassen, der in den Medien oft untergeht: Dem Konflikt in der Demokratischen Republik Kongo. Zwar hat sich seit der Vereidigung des neuen kongolesischen Präsidenten Félix Tshisekedi im Jänner 2019 einiges getan, vorbei ist es mit den Spannungen im Kongo jedoch noch lange nicht. Dort finden nach wie vor gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen der kongolesischen Regierung, unterstützt von der kongolesischen Armee, und Rebell:innengruppen verschiedener ethnischer Herkunft statt. Auch der Konflikt zwischen dem Kongo und Ruanda fing 2022 neue Flammen.
Es gibt drei Hauptursachen für die gewaltsamen Konflikte im Kongo selbst: Keine Einigung der politischen Eliten gegen Gewalt, keine ausreichende Kontrolle und Grundversorgung, sowie das Eigeninteresse benachbarter Staaten auf Kosten der regionalen Stabilität. Die Situation im Kongo hat eine lange Vorgeschichte, die bis heute – trotz einiger Besserung – noch nicht ihr Ende gefunden hat.

Indy beetle, CC0, via Wikimedia Commons
Schon während der Kolonialzeit unter König Leopold II. und später Belgien wurde das Land brutal ausgebeutet, ohne dass ein funktionierender Staat mit Vertrauen in staatliche Institutionen wie Polizei, Militär oder Justiz aufgebaut wurde. Auch unter dem Diktator Mobutu Sese Seko (1965–1997) blieb der Staat schwach, korrupt und diente vor allem der persönlichen Bereicherung der Eliten. Nach dem Ende des Kalten Krieges und dem Genozid in Ruanda im Jahr 1994 kam es zu massiven Fluchtbewegungen in den Ostkongo, darunter auch bewaffnete Tätergruppen. Dies schwächte Mobutus Regime weiter und führte 1996–1997 zum Ersten Kongokrieg, bei dem Rebellen mit Unterstützung Ruandas, Ugandas und Angolas die Macht übernahmen. Laurent-Désiré Kabila wurde daraufhin neuer Präsident.
Doch auch unter Kabila blieb vor allem der Osten des Landes von Gewalt geprägt, anstatt einen Neuanfang zu bekommen. Rivalisierende Rebellengruppen, oft unterstützt von Nachbarstaaten, kämpften um Kontrolle und Zugang zu Rohstoffen. 1998 begann schließlich der Zweite Kongokrieg, an dem viele afrikanische Länder beteiligt waren – teils zur Unterstützung der Regierung, teils zur Verfolgung eigener Interessen. Wegen seiner internationalen Dimension wird der Krieg, der bis 2003 andauerte, auch als „Erster Afrikanischer Weltkrieg“ bezeichnet.
Nach dem Attentat auf Kabila im Jahr 2001 übernahm sein Sohn Joseph Kabila, der 2006 die ersten freien Wahlen seit 1965 gewann. Trotz Friedensverträgen blieb der Ostkongo instabil, da lokale Milizen ausgeschlossen wurden. Zwischen 2007 und 2009 eskalierte schließlich der Konflikt mit der Tutsi-geführten Rebellenbewegung CNDP. Zwar wurde der Anführer 2009 verhaftet und ein Friedensabkommen geschlossen, doch ab 2010 entstanden bereits neue Milizen. Insbesondere die 2012 gegründete M23 erlangte großes Aufsehen, etwa durch die Einnahme der Provinzhauptstadt Goma, und konnte erst 2013 militärisch geschlagen werden.

MONUSCO Photos, CC BY-SA 2.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0>, via Wikimedia Commons
Seither operieren zahlreiche bewaffnete Gruppen in Kivu und Ituri, die vor allem von Rohstoffhandel profitieren oder ethnische Interessen vertreten. Wiederkehrende Kämpfe, besonders seit 2022 mit der erneuten Offensive der M23, haben Millionen Menschen zur Flucht gezwungen. Armut, Perspektivlosigkeit und ethnische Spannungen – etwa um die Banyamulenge – verschärfen die Lage zusätzlich.
Unter Präsident Félix Tshisekedi kam es zwar zu einer gewissen politischen Befriedung, aber im Osten dauern Gewalt und regionale Einmischung nach wie vor an. 2024 erschütterte ein gescheiterter Putschversuch durch den im US-Exil lebenden Oppositionsführer Christian Malanga die Hauptstadt, was die Fragilität der politischen Lage noch einmal verdeutlichte.
Am 19. Juli 2025 haben die Regierung der Demokratischen Republik Kongo und die von Ruanda unterstützte M23 in Doha eine Grundsatzerklärung für einen dauerhaften Waffenstillstand unterzeichnet. Damit soll der seit Anfang des Jahres eskalierte Konflikt im Ostkongo, bei dem die M23 unter andere die Stadt Goma eingenommen und über eine halbe Million Menschen zur Flucht gezwungen hatte, beendet werden. Innerhalb eines Monats soll ein umfassendes Friedensabkommen folgen. Somit scheint es erstmals Aussichten auf eine ernsthafte Lösung des Konfliktes zu geben.
Quellen:
https://www.bpb.de/themen/kriege-konflikte/dossier-kriege-konflikte/54628/demokratische-republik-kongo/
https://www.friedensbildung-bw.de/kongo-krieg#c96534
https://www.tagesschau.de/ausland/afrika/ostkongo-konflikt-waffenstillstand-100.html
Von: Miriam
11. September 2025
Bild: MONUSCO Photos, CC BY-SA 2.0
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