In nur 5 Tagen haben die Protestierenden der Gen Z es in Nepal geschafft, die Regierung zu stürzen – und auch direkt danach angefangen, die Verwüstung, die sie angerichtet hatten, auch wieder aufzuräumen. Dies wird jedoch wohl nicht nur als der effektivste Protest Nepals in die Geschichte eingehen, sondern auch als eine der tödlichsten Unruhen der letzten Jahrhunderte. 72 Personen starben im Zuge des Protests, bei dem öffentliche Gebäude, die Behausungen von Politiker:innen und Luxushotels angegriffen und zerstört wurden. Ebendieser Protest, an dem so ziemlich alles von Anfang bis Ende interessant ist, war in den Medien jedoch erstaunlich wenig präsent.

हिमाल सुवेदी, CC0, via Wikimedia Commons

Schon lange Zeit vor dem Protest, der vom 8. bis zum 13. September 2025 dauerte, herrschte in der Gesellschaft große Unzufriedenheit. Jahrzehnte lang waren systemische Korruption und wiederholte Vertrauensbrüche der politischen Elite Gang und Gebe in Nepal und Grund für Anspannungen. Während die Politiker:innen und ihr engster Kreis in Saus und Braus lebten und vor allem auch deren Kinder ihren Reichtum stolz auf Social Media zur Schau trugen, sah die Lebensrealität der übrigen Bevölkerung Nepals ganz anders aus. Endloses Schuften, wirtschaftliche Stagnation, Nepotismus und nicht zu ignorierende Vetternwirtschaft dominierten ihren Alltag. Besonders die Jugend, bei der die Arbeitslosigkeit bei etwa 20% liegt, war besonders stark betroffen davon, dass für sie schlichtweg keine (guten) Jobs übrig blieben, da diese vor allem an die Freunde und Familien der politischen Elite vergeben wurden. Unter dem Hashtag #nepobabies (kurz für nepotism baby, dt. Nepotismus-Baby, was die Kinder reicher Eltern beschreibt, die durch ihre Abstammung all ihre Privilegien und unfairen Vorteile erhalten haben) machten vor allem die jungen Erwachsenen der Gen Z ihrem Frust darüber, wie die politischen Eliten vom Status quo profitierten, Luft.

Am 4. September 2025 sperrte die nepalesische Regierung den Zugriff auf etwa 26 Social Media-Plattformen, zu denen unter anderem auch Instagram, WhatsApp, Reddit, Facebook, X (früher Twitter) und YouTube gehörten. Als Vorwand hierfür wurde angegeben, dass die Plattformen sich nicht gemäß den neuen Vorschriften des Ministeriums für Kommunikation und Informationstechnologie registriert hatten – Kritiker:innen sahen darin hingegen jedoch einen Versuch, dem öffentlichen Unmut über den Nepotismus Einhalt zu gebieten und die lauter werdenden Stimmen gegen die ungerechten Zustände zu verstummen.

Foto von camilo jimenez auf Unsplash

Dieser Bann der sozialen Medien wurde allerdings nicht nur als Zensur aufgefasst, sondern bedrohte auch unmittelbar die Jugend Nepals. Diese ist nämlich stark von Rücküberweisungen aus dem Ausland* abhängig, da junge Menschen aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit in Nepal auch vermehrt in anderen Ländern arbeiten – tatsächlich machen die Rücküberweisungen ganze 33% des Bruttoinlandsproduktes Nepals aus und sind damit Lebensgrundlage vieler Familien. Andere Jugendliche hingegen, die sich nicht im Ausland Arbeit suchten, schufen sich aufgrund mangelnder Jobs im Land online ein Einkommen, das nun durch die Social Media-Bans gefährdet war.

Kein Wunder bei der Vorgeschichte also, dass es der jungen Bevölkerung schlussendlich reichte und die Sperrung der Social Media-Plattformen der Tropfen war, der das Fass zum Überlaufen brachte. Mehr zu den Protesten der Gen Z folgt im nächsten Beitrag.

 

*Rücküberweisungen bedeuten hier so viel wie Geldbeträge, die die Arbeitenden im Ausland an ihre Familien, die in Nepal wohnen, überweisen.

Quellen:
https://www.bbc.com/news/articles/cvg9n760gddo
https://edition.cnn.com/2025/09/09/asia/nepal-protests-social-media-ban-explainer-intl-hnk
https://www.thenewhumanitarian.org/analysis/2025/09/18/deadly-gen-z-protests-expose-decades-systemic-rot-nepal

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Von: Miriam

26. September 2025

Bild: हिमाल सुवेदी - Wikimedia Commons

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