Letzte Woche haben wir uns bereits mit den Hintergründen für die Proteste in Nepal beschäftigt, wobei vor allem Korruption ein sehr wesentlicher Punkt war. All diese Gründe, die für Unzufriedenheit und Frustration in der Bevölkerung, vor allem auch unter den jungen Menschen der Gen Z, sorgten, führten schlussendlich zu mehrtägigen Protesten und dem Sturz der Regierung. Die Demonstrationen, die immer mehr eskalierten und mehrere Todesopfer forderten, begannen allerdings überhaupt nicht gewaltsam.

हिमाल सुवेदी, CC0, via Wikimedia Commons

Los ging es mit den Protesten am 8. September 2025 um 9 Uhr. Vor allem in Kathmandu, speziell in der Nachbarschaft Maitighar Mandala, sowie auch in anderen Städten wie etwa Pokhara versammelten sich die Protestierenden. Die Hauptakteur*innen waren junge Menschen der Gen Z, die sich vor allem spontan und trotz der Sperren über digitale Netzwerke wie Viber und Discord organisiert hatten, oft anonym und in kleinen Gruppen. Besonders sichtbar war auch Hami Nepal, eine Hilfs- und Aktivist*innengruppe, deren Mitbegründer Sudan Gurung in Medienberichten als einer der Koordinatoren genannt wird. Weitere NGOs unterstützten bei Logistik, rechtlicher Hilfe oder Versorgung. Wichtig war den Teilnehmer*innen zu betonen, dass es sich um einen echten Jugendaufstand gegen Korruption und Unterdrückung handelte, der nicht zentral gesteuert war Stattdessen bestand dieser aus vielen unterschiedlichen Gruppen mit unterschiedlichen Prioritäten, wie etwa Meinungsfreiheit oder Rücktritt der Regierung.

Ursprünglich waren die Proteste sehr friedlich und kommunal – die vielen tausenden Teilnehmer:innen sangen gemeinsam alte nepalesische Lieder und rezitierten ihre Slogans, bevor sie schließlich losmarschierten. Ihre Route beinhaltete wichtige, symbolträchtige Orte wie etwa das Monument Maitighar Mandala und das Parlament. Die Stimmung änderte sich jedoch um die Mittagszeit abrupt. Einige Teilnehmer:innen berichtete von Personen auf Motorrädern, die älter als die durchschnittlichen Gen Z-Protestierenden wirkten, die auftauchten, als die Menge sich gerade auf New Baneshwor zubewegte, die Nachbarschaft, in der sich das Parlament befindet. Den Vermutungen der Teilnehmer:innen zufolge handelte es sich dabei möglicherweise um Eindringlinge, deren Ziel es war, Chaos zu stiften.

हिमाल सुवेदी, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Als einige der Beteiligten während der Eskalation des Protestes versuchten, in Sperrzonen einzudringen und die Barrikaden der Polizei zu durchbrechen, eröffnete diese an mehreren Orten das Feuer. Tränengas, Wasserwerfer, Gummigeschosse und schließlich auch echte Munition regneten auf die Protestierenden ein. Auch der Protest blieb war nicht länger friedlich. Regierungsgebäude, Polizeistationen und die Wohnsitze von Politiker:innen wurden in Flammen gesetzt. Die ersten Menschen starben, viele weitere wurden verletzt – bis zum Abend gab es neunzehn bestätigte Tote und hunderte Verletzte. Landesweit wurde Entrüstung über die staatliche Gewalt laut, die ein Massaker in solch einem Ausmaß ausgelöst hatte, wie es Nepal noch nie erlebt hatte. Noch am selben Abend wurden die Social Media-Sperren aufgehoben.

Am 9. September weiteten die Proteste sich aufs ganze Land aus, während die Sicherheitsmaßnahmen verschärft wurden: Ausgangssperren wurden verhängt, das Militär wurde eingesetzt, Hausdurchsuchungen wurden von Armee und Polizei durchgeführt, wichtige Verkehrspunkte wie Flughäfen wurden geschlossen. Premierminister K. P. Sharma Oli, Teile des Kabinetts sowie auch zahlreiche Abgeordnete traten zurück oder flohen, während weitere Gebäude wie etwa der Regierungssitz, der Supreme Court, der Präsidentenpalast, Gerichte, Hotels und Medienhäuser angezündet oder verwüstet wurden. In mehreren Distrikten kam es zu Gefängnisaufständen, wobei tausende Gefangene flohen.

हिमाल सुवेदी, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Auch am 10. September, nach bereits zwei Protesttagen, hatte die Lage sich noch nicht beruhigt. Die Proteste gingen weiter, Armee-Waffen wurden erbeutet, mehrere Personen wurden aufgrund von Plünderung und Brandstiftung verhaftet, einige der mehr als 13 500 Gefängnisflüchtlinge wurden wieder eingefangen. Ein Teil der Demonstrierenden begann, die Straßen wieder aufzuräumen, etwa vor dem abgebrannten Parlamentsgebäude. Am Abend, als das Chaos drohte, das politische Vakuum zu verschlingen, kam es zu Neuwahlen. Diese fanden allerdings auf eine ganz ungewöhnliche Art statt: Schauplatz dieser Wahlen war nämlich Discord, eine Plattform, die vor allem unter Gamer:innen sehr beliebt ist und ursprünglich unter den 26 Apps war, die von der Oli-Regierung gebannt worden waren.

Mehr zu den Neuwahlen und dem Nachspiel der Proteste im nächsten Beitrag.

Quellen:
https://www.britannica.com/event/2025-Nepalese-Gen-Z-Protests?
https://carnegieendowment.org/research/2025/09/nepal-gen-z-topple-government?lang=en
https://www.hrw.org/news/2025/09/09/nepal-police-fire-on-gen-z-protest?
 https://www.bbc.com/news/articles/cvg9n760gddo
https://www.indiatoday.in/world/story/gen-z-protests-nepal-kp-sharma-oli-corruption-social-media-restrictions-2783683-2025-09-08
https://edition.cnn.com/2025/09/09/asia/nepal-protests-social-media-ban-explainer-intl-hnk
https://en.wikipedia.org/wiki/2025_Nepalese_Gen_Z_protests

 

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Von: Miriam

2. Oktober 2025

Bild: हिमाल सुवेदी, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

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