Vergessene Kriege

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Foto: Bijay Chaurasia, CC BY-SA 4.0
Nepal – Die Hoffnung auf einen Neustart
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Von genereller Unzufriedenheit in der Bevölkerung hin zu landesweiten Protesten und schlussendlich hin zu Neuwahlen – das alles geschah in Nepal innerhalb weniger Tage im September diesen Jahres. Bisher haben wir uns mit den Gründen und dem Hergang der Demonstrationen beschäftigt, nun wollen wir uns ansehen, was die Proteste erreicht haben.

Foto von appshunter.io auf Unsplash
Am 10. September 2025 schließlich, nach mehreren Tagen der Proteste, kam es zu Neuwahlen. Die fanden jedoch nicht auf konventionellem Wege statt: Diesmal wurde über die Plattform Discord gewählt, auf dem Kanal „Youths Against Corruption“. Damit wurde möglicherweise zum ersten Mal in der Geschichte ein Regierungsoberhaupt online gewählt. Wie zu erwarten, ging die Wahl, die auf weiteren Online-Plattformen wie etwa YouTube, Instagram und TikTok live gestreamt wurde, sowohl erfolgreich als auch etwas chaotisch über die Bühne. Gewinnerin der Wahl, an der 7586 junge Nepali teilnahmen, war Sushila Karki, die frühere Vorsitzende Richterin am Obersten Gerichtshof Nepals, die für ihre Integrität bekannt ist.
Am 12. September wurde Sushila Karki offiziell zur Interims-Premierministerin und zugleich auch der ersten Frau, die das Amt des Regierungsoberhaupts in Nepal bekleidete, aufgerufen Sie begann in den darauffolgenden Tagen ohne Verzögerung, ihr Kabinett aufzubauen. Viele der Personen, die sie für die verschiedenen Positionen auswählte, waren selbst für ihren reformerischen Charakter bekannt, was von der Öffentlichkeit als Karkis Versprechen von Transparenz interpretiert wurde. Zudem leitete Karki Untersuchungen zur Gewalt gegen die Protestierenden und der Zerstörung ein. Um den Wiederaufbau der Infrastruktur und der Wiederherstellung verschiedener Regierungsleistungen zu garantieren, stellte sie weiters mit einem Reconstruction Fund dringend notwendiges Kapital zur Verfügung.

U.S. Embassy Kathmandu, Public domain, via Wikimedia Commons
Da eine Übergangsregierung ins Leben gerufen wurde und neue Regierungsaussichten bestanden, ließen die Protest allmählich nach. Insgesamt 74 Todesopfer und über 2100 Verletzte hatten die Demonstrationen gefordert. Der neue Fokus waren nun Wiederaufbau, politische Reformen und die Wiederherstellung von Sicherheit. Verstummt waren die Stimmen jedoch nicht: Nach wie vor sind Diskussionen über Verantwortung, Menschenrechtsverletzungen und den Umgang mit politischer Korruption in Nepal hoch im Gange. Auch in Sri Lanka und Bangladesh kam es in letzter Zeit vermehrt zu von jungen Leuten geführten Aufständen, die von jenen in Nepal inspiriert waren. Zwar sind die Gen Z-Proteste in Nepal vorüber, diese haben jedoch einige Punkte und Fragen aufgeworfen, die die Zukunft des Landes und womöglich auch ganz Asiens prägen werden. Wie wird mit Korruption umgegangen? Was passiert mit den fragileren Demokratien Asiens? Welche Regierungsform setzt sich schließlich durch? Wie wird Meinungsfreiheit sowohl im realen Leben als auch online aussehen? Wie weit kann digitale Kontrolle gehen, bis es zu Aufständen kommt?
Quellen:
https://carnegieendowment.org/research/2025/09/nepal-gen-z-topple-government?lang=en
https://www.britannica.com/event/2025-Nepalese-Gen-Z-Protests
Von: Miriam
9. Oktober 2025
Bild: Bijay Chaurasia, CC BY-SA 4.0
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