Egal, mit welcher Art der Manipulation man sich gerade beschäftigt, auffällig ist, dass anscheinend nicht jeder Mensch gleichermaßen manipulierbar ist. Während einige Menschen dazu tendieren, sich eher schnell gefügig machen zu lassen, lehnen sich andere bis zum letzten Ende gegen jeglichen Manipulationsversuch auf. Ob nun in alltäglichen Situationen wie im Büro oder in extremen historischen Fällen wie dem NS-Regime – stets ist es so, dass manche Menschen einfacher als andere zu manipulieren sind. Dies hängt jedoch nur selten mit deren Intelligenz oder Bildungsgrad zusammen, Akademiker:innen können ebenso Opfer von Manipulation werden wie Menschen jeder anderen Bildungsschicht. Doch woran liegt es dann, dass manche Menschen größere Angriffsfläche für einen Manipulator bieten als andere?

Grundsätzlich gehen die meisten Menschen davon aus, dass andere ihnen gegenüber offen sind und keine bösen Absichten hegen. Deswegen liegt es vielen oft sehr fern, direkt von einer Manipulation durch das Gegenüber auszugehen, solange es keinen triftigen und offensichtlichen Grund dafür gibt. Das heißt also, dass die meisten Leute in einem gewissen Ausmaß anfällig für Manipulationen sind, was im Falle von bloßen harmlosen Alltagsmanipulationen auch nicht weiter schlimm ist.

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Erhöhen sich allerdings die Häufigkeit und das Ausmaß von Manipulationen, so sind es schon so einige Personen mehr, denen nun auffällt, dass sie eventuell gerade dabei sind, manipuliert zu werden. Dies sind vor allem diejenigen Menschen, die sogenannte Störgefühle richtig deuten können, die oft durch das Verwickeltsein in einer Manipulation entstehen. Solche Störgefühle können in unterschiedlichen Formen auftreten, beispielsweise als ein Gefühl, dass man etwas tut, was man gar nicht will, oder dass man gelenkt und fremdbestimmt wird. Auch das Gefühl, zu kurz zu kommen und ausgenutzt zu werden sowie das Gefühl, gar nicht mehr zu dem zu kommen, was man eigentlich machen will, können Ausprägungen von Störgefühlen sein.

Relevant, um weniger leicht manipulierbar zu sein, ist also, dass man Störgefühle ernst nimmt und anhand von diesen erkennt, dass und wie man manipuliert wird. Dies fällt jedoch nicht allen Menschen gleich leicht – manche bringen im Vorhinein Eigenschaften mit, die ihnen diese Aufgabe erleichtern, andere jedoch solche Faktoren, die sie ihnen eher erschweren.

Personen sind selbstverständlich vor allem dann weniger anfällig für Manipulation, wenn sich bei ihnen sehr schnell Störgefühle einstellen. Darüber hinaus werden aber auch diejenigen Personen seltener Opfer von Manipulation, die die Absichten des oder der Manipulator:in und „unechtes“ Verhalten gut durchschauen können. Auch tendenziell eher selbstbewusste Menschen, die sehr nach Autonomie streben und ungern bevormundet werden, sondern eher mit Abgrenzung und Ablehnung auf Versuche der Kontrollübernahme reagieren, sind weniger anfällig. Schlussendlich sind auch diejenigen Leute weniger erreichbar für Manipulator:innen, die zwar ethische Standards haben, allerdings von der Selbstverantwortung einer jeden Person ausgehen und nicht aufgrund eines Helfer-Syndroms den Drang haben, andere zu „retten“.

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Dahingegen sind vor allem diejenigen Menschen empfänglich für Manipulation, die sich eher schwer damit tun, eigennütziges Verhalten und tatsächliche Absichten zu erkennen und entweder keine Störgefühle bekommen oder diese nicht bemerken. Auch diejenigen Personen, die sich schlecht abgrenzen können oder eher konfliktscheu sind und sich schwer damit tun, Nein zu sagen – vor allem zu solchen Personen, denen gegenüber sie sich verpflichtet fühlen –, sind eher anfällig für Manipulation. Schließlich sind auch die Leute, die stark normorientiert sind und die Personen, die gerne die Wünsche anderer erfüllen oder sogar ein Helfer-Syndrom haben, leichtere Opfer für Manipulator:innen. Insbesondere gibt es sieben Faktoren, die einen unter der Einflussnahme eines oder einer Manipulator:in besonders verletzlich machen können: Schuld, Mitleid, Angst, Geschlecht und sexuelle Orientierung, Selbstbewusstsein, ein Drang nach Gerechtigkeit und das Anliegen, nicht das Gesicht zu verlieren.

Quellen:
https://www.researchgate.net/publication/339652129_Classification_of_vulnerability_factors_in_the_process_of_psychological_manipulation
Sachse, Rainer. Manipulation und Selbsttäuschung: Wie gestalte ich mir die Welt so, dass sie mir gefällt: Manipulationen nutzen und abwenden. Berlin und Heidelberg: Springer-Verlag, 2014

Von: Miriam

22. Juli 2021

Bild: Timon Studler auf Unsplash

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