Nachdem wir uns letztes Mal mit eher trockenen Begriffserklärungen befasst haben, wollen wir uns diesmal gleich in die Materie stürzen, und zwar mit den üblichen drei Verdächtigen: Facebook (das jetzt genau genommen nur mehr ein Teil von Meta ist), Google und Microsoft. Geht es um Daten, so sind diese drei ganz vorne dabei, um so viele wie möglich davon zu ergattern. Die Taktiken, die sie dabei anwenden, sind jedoch sowohl intransparent wie auch nutzerunfreundlich, sodass kaum einer oder eine weiß, welche der eigenen Daten denn nun tatsächlich gesammelt werden.

Oft heißt es, wenn man für ein Produkt kein Geld ausgeben muss, dann zahlt man mit sich selbst. In der digitalen Welt ist dies auch tatsächlich sehr oft der Fall: Um einen Service gratis nutzen zu können, zahlt man eben mit seinen Daten, die wiederum genutzt werden, um personalisierte Werbung zu schalten. Kein Wunder also, dass kostenfreie digitale Services darauf aus sind, möglichst viele Daten über ihre Nutzer:innen zu sammeln, um auf Werbeanbieter attraktiv zu wirken und so Geld zu kassieren. Dabei gehen sie allerdings häufig nicht unbedingt sehr ethisch vor, sondern bedienen sich sogenannter „Dark Patterns“. Dark Patterns sind manipulative Designmuster oder Prozesse, die die Nutzer:innen von Websites oder Apps dazu bringen sollen, Dinge zu tun, die sie selbst eigentlich nicht unbedingt möchten, den Betreiber:innen jedoch Gewinn bringen. Da die Nutzer:innen förmlich dazu hingeschubst werden, gewisse Aktionen auszuführen, wird dies auch als „Nudging“ bezeichnet. Da es allerdings gar nicht so leicht ist, sich unter dieser recht vagen Beschreibung von Dark Patterns (oder Nudging) ein genaues Bild vorzustellen, wollen wir uns dazu einmal anschauen, welche Arten es denn eigentlich gibt.

Bild von Miriam Dier

Ein Beispiel für Dark Patterns sind Standardeinstellungen, die alles andere tun als der Privatsphäre zu dienen. Ein jeder und eine jede wird vermutlich vertraut sein mit den Pop-Ups, die beispielsweise auf Websites aufploppen und einen dazu auffordern, seine Privatsphäre-Einstellungen zu bestätigen. Häufig wählt man hierbei den leichteren Weg und liest sich diese nicht durch oder ändert diese gar, sondern klickt zum Beispiel einfach auf „Cookies akzeptieren“. Da also die Standardeinstellungen sehr häufig diejenigen sind, die von den Nutzer:innen ausgewählt werden, sollten diese auf jeden Fall gewissenhaft und verantwortungsbewusst festgelegt werden. Nun ist es generell vorgeschrieben, dass Unternehmen über die Standardeinstellungen nicht mehr Daten sammeln sollten, als notwendig, um den Service nutzbar zu machen, während jeglichem weiteren Erheben von Daten explizit von den Nutzer:innen zugestimmt werden muss. Da jedoch nur wenige Nutzer:innen tatsächlich die Standardeinstellungen ändern, würde dies für die Unternehmen bedeuten, dass sie nur ein Minimum an Daten sammeln können. Stattdessen entscheiden sich also viele dazu, die Standardeinstellungen so zu wählen, dass sie ein Vielfaches mehr an Daten erheben können als notwendig, was den Nutzer:innen, die diese oft nicht genau oder gar nicht durchlesen, entgeht.

Foto von Solen Feyissa auf Unsplash

Ein weiteres Dark Pattern ist der auffällige Aufwand, den Nutzer:innen hinnehmen müssen, wenn sie so wenige ihrer Daten wie möglich hergeben wollen – oder auch die Leichtigkeit, die die wenig Privatsphäre bietenden Standardeinstellungen ausmacht. Unternehmen, die die Nutzer:innen ihrer Services dazu bringen wollen, das Maximum ihrer Daten verfügbar zu machen, indem sie den Standardeinstellungen zustimmen, wollen nämlich zudem noch eines: Sämtliche Alternativen zu den Standardeinstellungen so umständlich zu machen, wie es nur geht. So muss man häufig eine Vielzahl mehr an Klicks durchführen, um die Voreinstellungen einer Website oder App datenschutzfreundlicher zu machen, als man für die einfachere, dafür aber auch datengierige Version benötigt. Manchmal wird die Option, die Standardeinstellungen abzuändern, auch versteckt oder gewisse Auswahlmöglichkeiten zum Datenschutz sind nur über ein anderes Menü verfügbar, sodass die Nutzer:innen sich dieser gar nicht bewusst sind. Es ist allerdings nicht nur besonders leicht, den Standardeinstellungen zuzustimmen, es ist auch sehr einfach, diese Option zu finden. Während die Option, die Standardeinstellungen zu bearbeiten, meist sehr unscheinbar ist, leuchtet die Option, die Standardeinstellungen zu akzeptieren, in den buntesten Farben und lädt geradezu dazu ein, sie auszuwählen. Dadurch, dass letztere so hervorsticht, scheint sie zudem auch die einzig „richtige“ Option zu sein und verleitet viele Nutzer:innen durch ihre Salienz (also dadurch, dass sie sich so sehr vom Rest abhebt) dazu, sie ohne weiteres Nachdenken anzuklicken.

Im nächsten Beitrag widmen wir uns weiteren Arten von Dark Patterns, die Website- und App-Betreiber:innen gerne anwenden, um an mehr Daten ihrer Nutzer:innen zu gelangen.

Quellen:
https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/digitale-welt/onlinedienste/dark-patterns-so-wollen-websites-und-apps-sie-manipulieren-58082
https://dapde.de/de/dark-patterns/definition/
https://www.kuketz-blog.de/google-facebook-und-windows-wie-nutzer-ihre-privatsphaere-aufgeben/

Von: Miriam

23. Juni 2022

Bild: Firmbee.com auf Unsplash

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