Weil Ihre Schwester keine Zeit hat, einkaufen zu gehen, nehmen Sie ihr beim nächsten Trip in den Supermarkt eine Packung Babypuder mit. Als Sie jedoch später am Nachmittag Amazon öffnen, sind Sie sehr überrascht: Unzählige Vorschläge für die verschiedensten Babyprodukte tauchen in Ihren Empfehlungen auf, obwohl sie weder ein Kind erwarten, noch gerade ein Baby im Haus haben. Zudem sind Sie sich auch sehr sicher, dass sie noch nie auf Amazon nach Produkten gesucht haben, die irgendetwas mit Babys zu tun haben. Sie schließen daraus, dass Amazon irgendwie Wind von ihrem Trip zum Supermarkt, auf dem sie das Babypuder besorgt haben, bekommen hat – doch wie kann das sein?

Was in diesem Beispiel ziemlich passiert ist, ist, dass hier Datenbroker ihre Finger im Spiel hatten. Datenbroker, auch Informationsbroker genannt, sammeln die Daten von Privatpersonen, bündeln diese und verkaufen sie anschließend an Dritte weiter, die sie dann für ihre Zwecke verwenden können. Dazu gehört beispielsweise personalisierte Werbung, die anhand der jüngsten Suchanfragen einer Person zusammengestellt wurde.

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Datenbroker sind unheimlich effektiv darin, Menschen zu profilieren und zu kategorisieren. Sie kennen meist sowohl allgemeine persönliche Daten wie den vollständigen Namen, das Alter, das Geschlecht, die Telefonnummer und den Wohnort von Personen, die sich im Internet aufhalten. Auch privatere Daten wie persönliche Interessen, Bildungsstand und Kaufgewohnheiten sind Datenbrokern häufig bekannt. Weiters können Datenbroker auch darüber Bescheid wissen, wie viele Kinder man hat, ob man verheiratet ist und ob die Ehe glücklich läuft. Schließlich können Datenbrokern auch sehr sensible Daten wie etwa Einkommen, Schulden, Erkrankungen oder Vorbestrafungen in Erfahrung bringen.

Anhand all dieser Informationen gruppieren Datenbroker Menschen und ordnen sie verschiedenen Kategorien zu, wie etwa „Ehrgeizige Singles“, „Reiche Pärchen“ und „Kinder und Haustiere“. Das Profil einer Einzelperson, das aufgrund solcher Zuweisungen zu vordefinierten Kategorien entsteht, wird anschließend weiterverkauft. Da all diese Kategorisierungen jedoch lediglich auf Annahmen und Schlussfolgerungen, beispielsweise auf Basis der Internetaktivitäten einer Person, basieren, entstehen so lediglich sehr vage, oft auch nur sehr oberflächliche Biografien ebendieser Person. So kann beispielsweise eine einzige Suchanfrage nach Babykleidung als Geschenk das gesamte Profil in eine bestimmte Richtung verzerren, die nicht notwendigerweise zutrifft. Unheimlich wird es jedoch vor allem dann, wenn die Annahmen der Datenbroker korrekt sind und sie richtige Rückschlüsse auf etwa Parteinähe, Produktvorlieben und ähnliche Bereiche machen können. Dies kann sogar so weit gehen, dass Datenbroker erahnen können, wann einem die Geschirrspültabs ausgehen und dies auch an Werbeanbieter weitervermitteln.

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Nun also zur wichtigen Frage, die sich ein jeder und eine jede inzwischen vermutlich schon stellt: Wie kommen denn Datenbroker an so viele Daten? Dafür haben sie eine ganze Reihe an Möglichkeiten, sowohl online als auch offline. Zunächst einmal ist es ein Leichtes für sie, Daten anhand von öffentlich zugänglichen Dokumenten, beispielsweise Geburts- und Heiratsurkunden, und Kundenkarten zu gewinnen. Online hingegen verschaffen sich Datenbroker über Web-Tracking auf sozialen Medien, Apps und Websites Zugriff auf die Daten von Nutzer:innen. Hierbei wird Software, die auf den meisten Websites und Apps installiert ist, verwendet, die sämtliche Online-Aktivitäten einer Person wie etwa Klicks, Seitenaufrufe, Likes, Posts und die auf einer Website oder App verbrachte Zeit überwacht. Durch das Zusammentragen und Analysieren dieser Daten ergeben sich implizite Präferenzen, die die Datenbroker verwenden, um Menschen zu kategorisieren.

Im nächsten Beitrag wenden wir uns der Frage zu, was mit all den gesammelten Daten denn eigentlich passiert.

Quellen:
https://www.avg.com/de/signal/data-brokers
https://us.norton.com/internetsecurity-privacy-how-data-brokers-find-and-sell-your-personal-info.html
https://www.youtube.com/watch?v=wqn3gR1WTcA

Von: Miriam

21. Juli 2022

Bild: ThisisEngineering RAEng auf Unsplash

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