Im letzten Beitrag haben wir uns bereits schon einigen Beispielen für Dark Patterns gewidmet, die Facebook, Google und Microsoft so anwenden. Davon gibt es allerdings so einige weitere, die von denen einem manche als Nutzer:in schon aufgefallen sein könnten, andere jedoch noch nicht als so manipulativ bewusst wurden, wie sie es tatsächlich sind. Um ein paar weiterer dieser Dark Patterns aufzudecken, wollen wir uns also diesmal mit ein paar weiteren Beispielen für Dark Patterns beschäftigen, die dazu dienen sollen, an möglichst viele Daten der Nutzer:innen zu kommen.

Foto von Solen Feyissa auf Unsplash

Facebook, Google und Microsoft sind sehr geübt darin, ihre Nutzer:innen mit Zuckerbrot und Peitsche dazu zu bringen, die von ihnen intendierten Optionen zur Datenfreigabe anzunehmen. Wollten beispielsweise die Benutzer:innen von Google nach dem DSGVO-Update (Datenschutz-Grundverordnung, für mehr Informationen siehe hier) keine personalisierte Werbung erhalten, so wurde ihnen als Strafe angedroht, in Zukunft Werbung nicht mehr blockieren oder stumm schalten können würden. Dies ist nicht nur einerseits eine sehr unangenehme Konsequenz der Auswahlmöglichkeit, sondern andererseits auch ein wenig unklar formuliert – immerhin geht in diesem Falle aus der Beschreibung nicht wirklich heraus, was stumm schalten denn eigentlich konkret heißt. Bedeutet dies nun, dass beispielsweise Werbungen auf YouTube nicht mehr ohne Ton abgespielt werden können? Wäre ebendies der Fall, so wäre dies eine sehr lästige Folge und könnte vorsichtige Nutzer:innen, die sich lieber nicht zum möglicherweise nur mehr lauten Abspielen von Werbung verpflichten wollen, zum Zustimmen zur personalisierten Werbung bewegen.

Foto von Clint Patterson auf Unsplash

Ein weiteres sehr effektives Dark Pattern ist es, die Nutzer:innen zu einer schnellen Handlung zu zwingen, ohne die sie die Services nicht verwenden können. So wurden beispielsweise die aktualisierten Einstellungen zum Datenschutz nach Einführung der DSGVO bei Windows als verpflichtend direkt an ein großes Systemupdate angehängt und konnten nicht übersprungen werden. Das Systemupdate selbst konnte zwar nach hinten verschoben werden, sobald dies jedoch durchgeführt worden war, waren die Nutzer:innen dazu gezwungen, sich durch die Datenschutzeinstellungen klicken – über einen anderen Weg war es nicht möglich, auf das System zuzugreifen. Da Benutzer:innen meist nicht unbedingt die Zeit und die Kapazitäten dazu haben, sämtliche Datenschutzeinstellungen genau durchzulesen, wenn sie gerade eine wichtige Aufgabe am PC zu erledigen, ist dies ein guter Weg, sie dazu zu bringen, einige der Auswahlmöglichkeiten einfach schnell zu akzeptieren.

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Das letzte Dark Pattern, für das wir uns noch Beispiele ansehen wollen, ist das der versteckten Menüpunkte. Wer schon einmal mit dem Gedanken gespielt hat, seinen Facebook-Account zu löschen oder dies sogar getan hat, weiß, wie umständlich es sein kann, die Option dafür erst einmal zu finden. Diese ist nämlich alles andere als intuitiv zu finden, was einen möglicherweise schon während der Suche nach der Möglichkeit zur Deaktivierung des Accounts dazu bringt, seine Entscheidung noch einmal zu überdenken oder auf einen anderen Zeitpunkt zu verschieben. Hat man diese Option jedoch endlich gefunden und entscheidet man sich dann auch für diese, so gibt Facebook sein Bestes, einem ein ordentlich schlechtes Gewissen zu machen, indem man die Profilbilder von Freund:innen angezeigt bekommt, die einen „vermissen werden“, sobald man seinen Account deaktiviert. Auch bei Instagram, das zu Meta (früher Facebook) gehört, zeigt sich ein ähnliches Muster: Hier können die Nutzer:innen ihren Account nicht einmal von der App aus löschen, sondern müssen auf die Website zugreifen, wo die Option zur Deaktivierung unter anderen Einstellungen begraben liegt. Hier bittet einen Instagram zunächst einmal dazu, anzugeben, weshalb man seinen Account löschen möchte. Zu jeder der Auswahlmöglichkeiten bietet Instagram daraufhin eine Lösung an, beispielsweise folgt auf Auswahl der Option „Zu ablenkend“ an, dass man doch die Benachrichtigungen deaktivieren könnte. Diese Art der emotionalen Manipulation kann sehr effektiv dabei sein, die Nutzer:innen zumindest vorerst von einer Deaktivierung ihres Accounts abzuhalten.

Quellen:
https://www.kuketz-blog.de/google-facebook-und-windows-wie-nutzer-ihre-privatsphaere-aufgeben/
https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/digitale-welt/onlinedienste/dark-patterns-so-wollen-websites-und-apps-sie-manipulieren-58082
https://darkpatterns.uxp2.com/pattern/facebook-emotional-manipulation/
https://www.wired.com/story/facebook-social-media-privacy-dark-patterns/?mbid=social_twitter&utm_brand=wired&utm_medium=social&utm_social-type=owned&utm_source=twitter
https://www.dsb.gv.at/recht-entscheidungen/gesetze-in-oesterreich.html

Von: Miriam

14. Juli 2022

Bild: Rami Al-zayat auf Unsplash

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